Telematikinfrastruktur (TI) & E-Health

Digitale Vernetzung im Gesundheitswesen

Die Telematikinfrastruktur (TI) ermöglicht Ärzten, Psychotherapeuten und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen wie Krankenhäusern, Apotheken und Krankenkassen einen schnellen und sicheren Datenaustausch über eine Vernetzung von IT-Systemen. Die TI schafft die Basis für digitale Anwendungen wie elektronische Patientenakte, Notfalldaten­management und Medikationsplan. Wichtige medizinische Informationen werden damit leichter verfügbar.

Übersicht: Schrittweiser Ausbau der TI-Anwendungen

Der Ausbau der Telematikinfrastruktur wird weiter vorangetrieben; neue TI-Fach­anwendungen kommen in regelmäßigen Abständen hinzu. Welche Anwendungen für Vertragsärzte und -psychotherapeuten eingeführt werden, sehen Sie auf unserer Überblickseite:

TI-Installation – wie viel Geld steht mir zu?

Welche Erstattungsbeträge Sie konkret bekommen, hängt nach der seit dem 1. Juli 2023 gültigen Neuregelung davon ab, wie viele Ärzte/Psycho­therapeuten in Ihrer Praxis arbeiten, zu welchem Zeitpunkt die Erstausstattung in der Praxis stattgefunden hat und ob bereits ein Konnektortausch durchgeführt worden ist. Alle Euro-Beträge zu den jeweiligen TI-Finanzierungspauschalen finden Sie übersichtlich aufgelistet unter:

Voraussetzungen: Notwendige Komponenten und Dienste

Voraussetzung für die Anbindung an die TI sowie Anspruchsgrundlage für die Auszahlung der TI-Finanzierungspauschalen ist die technische Ausstattung Ihrer Praxis mit den folgenden Komponenten und Diensten:

  • Konnektor inkl. gSMC-K und VPN-Zugangsdienst (ggf. in Rechenzentrum gehostet, sofern dort zugelassene Komponenten und Dienste zum Einsatz kommen, oder TI-Gateway in Verbindung mit Nutzung eines Rechenzentrum-Konnektors)
    Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor – ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Erhältlich sind inzwischen drei Konnektoren-Modelle. Wenden Sie sich für die Bestellung an Ihren Systembetreuer. Zusätzlich wird ein spezieller VPN-Zugangsdienst – ähnlich einem Internetprovider, der den Netzzugang bereitstellt – benötigt. Auch diese Dienste müssen zertifiziert werden und finden sich in der Zulassungsliste der gematik.
     
  • eHealth-Kartenterminal(s) inkl. gSMC-KT
    Die neuen E-Health-Kartenterminals sind notwendig, um die elektronische Gesund­heits­karte (eGK) einzulesen und deren Online-Anwendungen zu nutzen. Bei Haus- und Pflegeheimbesuchen nutzen Sie ein mobiles Lesegerät, das im Offline-Betrieb arbeitet (kein VSDM!).
     
  • elektronischer Heilberufsausweis
    HBA Smartcard oder eID mit gematik-Zulassung (für Ärzte)
     
  • elektronischer Praxisausweis/Institutionsausweis
    SMC-B Smartcard oder SM-B oder eID mit gematik-Zulassung (für Vertragsarztarztpraxen)
    Den Praxisausweis benötigen Praxen zur Identifikation, damit der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen kann. Diese sogenannte Security Module Card Typ B-Karte (SMC-B) wird in das Kartenterminal gesteckt. Sie ist zwingend für die TI-Praxis­installation erforderlich. Bestellen Sie die SMC-B deshalb rechtzeitig bei einem zertifizierten Kartenhersteller: Was Sie zum Praxisausweis (SMC-B) wissen müssen »

Voraussetzungen: Fachanwendungen

Voraussetzung für die volle Auszahlung der entsprechenden TI-Pauschale sind folgende TI-Fachanwendungen, die Sie über Ihr Praxisverwaltungsprogramm nutzen können:

  1. Notfalldatenmanagement (NFDM)* und elektronischer Medikationsplan (eMP)*
  2. elektronische Patientenakte (ePA)
  3. Kommunikation im Medizinwesen (KIM)
  4. elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)* –
    Nachweispflicht ab dem 4. Quartal 2023
  5. elektronischer Arztbrief (eArztbrief)
    Nachweispflicht ab dem 1. März 2024
  6. elektronische Verordnungen (eRezept)* –
    Nachweispflicht ab dem 1. Januar 2024
  7. Versichertenstammdatenmanagement (VSDM)*

* Für die mit * gekennzeichneten Anwendungen gelten Ausnahmeregelungen für bestimmte Fachgruppen (siehe unten).

Fachgruppen mit Ausnahmen bei den Fachanwendungen

Für einzelne Fachgruppen, die bestimmte TI-Fachanwendungen im Regelfall nicht nutzen können, hat die KVBW Ausnahmen festlegt. In der tabellarischen Übersicht sehen Sie, welche Anwendungen für Ihre Fachgruppe ab dem 4. Quartal 2023 erforderlich bzw. verzichtbar sind. Die TI-Fachanwendungen bzw. Dienste ePA, KIM, eArztbrief (ab 1. März 2024) sowie eHBA müssen unabhängig davon ausnahmslos von allen Fachgruppen vorgehalten werden.

Fachgruppen mit Ausnahmen
bei TI-Fachanwendungen
VSDM-PflichtNFDMeMPeAUeRezept
AnästhesistenNein*NeinNeinNeinNein
NuklearmedizinerJaJaJaNeinNein
RadiologenJaJaJaNeinNein
LaborärzteNein*NeinNeinNeinNein
StrahlentherapeutenJaJaJaNeinNein
PathologenNein*NeinNeinNeinNein
Psychologische PsychotherapeutenJaNeinNeinNeinNein
Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutenJaNeinNeinNeinNein
Dialyse-InstituteJaJaJaNeinNein
LaborgemeinschaftNein*NeinNeinNeinNein

* Überwiegend ohne Arzt-Patienten-Kontakt bzw. ohne eigene Praxisräume. Bei diesen Fach­gruppen gelten Sonderregelungen und somit keine VSDM-Pflicht nach SGB V § 291b.

Übersicht: TI-Pauschalen, Auszahlung, Sanktionen

Erstattung der TI-Pauschalen

Nach der seit 1. Juli 2023 geltenden Neuregelung der TI-Finanzierung erhalten Praxen eine monatliche TI-Pauschale anstelle der Kosten­erstattung für einzelne TI-Komponenten. Die Auszahlung werden wir jedoch weiterhin quartalsweise mit Ihrer Schlusszahlung automatisch und unbürokratisch zum Ende des jeweiligen Quartals vornehmen. Die Kosten für den TI-Anschluss übernehmen die Krankenkassen.

Sicherheit, Haftung, Datenschutz

In einem Informationsblatt zu Datenschutz und Haftung stellt die gematik klar, dass eine Haftung des Arztes oder Psychotherapeuten ausscheidet, sofern die zugelassenen TI-Komponenten vorschriftsgemäß verwendet, aufgestellt und betrieben werden.

Konnektor-Installation: Reihenbetrieb vs. Parallelbetrieb

Die Installation des Konnektors ist im Reihenbetrieb oder im Parallelbetrieb möglich. Beide Varianten sind bei fachgerechtem Anschluss und Betrieb sicher. Um für mehr Klarheit zu sorgen, hat die KBV eine Praxisinformation erstellt, die beide Varianten vorstellt und die Unterschiede erläutert.

Installationsprotokoll

Lassen Sie sich vom Techniker ein Abnahmeprotokoll aushändigen, damit Sie die Ausführung der Installation nachvollziehen und vom IT-Dienstleister dokumentieren lassen können. Sofern Ihr Anbieter kein Installationsprotokoll zur Verfügung stellt, können Sie dazu das Muster-Installationsprotokoll der gematik nutzen.

So bringt die Telematik-Infrastruktur echte Vorteile

Das Sichere Netz der KVen (SNK) ist an die Telematikinfrastruktur angeschlossen. Nach der TI-Anbindung Ihrer Praxis erreichen Sie daher über den TI-Konnektor die KV-Anwendungen im SNK wie z. B. die Online-Abrechnung. Über die TI haben Sie direkten Zugang zum Mitgliederportal der KVBW über folgenden Link: www.portal.kvbw.kv-safenet.de.

Unser Tipp: Testen Sie das bei der Installation gleich mit dem Techniker vor Ort.

Wesentliche Punkte des E-Health-Gesetzes & TI-Anwendungen:

Weiterführende Informationen auf der KBV-Homepage:

  • KBV: E-Health-Gesetz (wesentliche Punkte und Fristen zum Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen)
  • KBV: Telematikinfrastruktur (Themenseite zur TI mit ausführlichen Hintergrundinformationen und FAQ)
  • KBV: Videosprechstunde (Themenseite mit Informationen zu den technischen Anforderungen und einer Übersicht der zertifizierten Videodienstanbieter sowie zur Vergütung)