Vier Wirkstoffe werden bei Long-/Post-COVID im Off-Label-Use verordnungsfähig

Neuregelung in Anlage VI Teil A der Arzneimittel-Richtlinie seit 11. Juni 2026

Gesetzlich Versicherte, die unter dauerhaften Folgen einer viralen Infektion leiden, können ab jetzt mit folgenden Arzneimitteln im Off-Label-Use behandelt werden:

  • Agomelatin zur Behandlung der Fatigue bei postinfektiöser myalgischer Enzephalomyelitis/chronischem Fatigue-Syndrom (ME/CFS) und bei Long-/Post-COVID
  • Vortioxetin zur Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen und/oder depressiven Symptomen
  • Ivabradin zur Behandlung von Patienten mit COVID-19-assoziiertem posturalem orthostatischem Tachykardiesyndrom (PoTS), die eine Therapie mit Betablockern nicht tolerieren oder für diese nicht geeignet sind
  • Metformin zur Prophylaxe von Long-/Post-COVID nach Diagnosestellung einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bei Patienten mit dem Risikofaktor Übergewicht/Adipositas (BMI > 25)

Die Aufnahme der genannten Wirkstoffe in Anlage VI Teil A der Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL) bedeutet, dass die Verordnung im Zusammenhang mit Long-/Post-COVID ohne Genehmigungsantrag zulasten der GKV möglich ist.

Bitte beachten Sie, dass nur die in Anlage VI Teil A AM-RL genannten Hersteller die Haftung für den Off-Label-Use übernehmen. Um sicherzustellen, dass die Apotheke keinen Austausch auf ein Arzneimittel ohne erklärte Herstellerhaftung durchführt, setzen Sie bitte das Aut-idem-Kreuz.

Es gibt weiterhin keine Arzneimittel, die speziell für die Behandlung von Long-/Post-COVID zugelassen sind.

Agomelatin gegen Fatigue

Die Verordnung im Off-Label-Use ist neben Long-/Post-COVID zusätzlich bei postinfektiöser myalgischer Enzephalomyelitis bzw. dem chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) möglich. Vor Behandlungsbeginn sollen die Transaminasen bestimmt werden. Die Dosis beträgt 25 mg (1x tgl. beim Zubettgehen) und kann nach 2 Wochen bei fehlender Besserung auf 50 mg erhöht werden. Nach 12 Wochen sollte die Behandlung evaluiert und ggf. bei fehlendem Therapieerfolg abgesetzt werden. Die Transaminasen sollen 3, 6, 12 und 24 Wochen nach Behandlungsbeginn sowie danach, wenn klinisch indiziert, kontrolliert werden. Bei Transaminasen-Werten oberhalb des Dreifachen der oberen Normgrenze ist die Behandlung mit Agomelatin kontraindiziert bzw. muss abgebrochen werden. Nach dem Absetzen sollten Leberfunktionstests so lange wiederholt werden, bis die Transaminasenwerte wieder den Normbereich erreicht haben.

Vortioxetin gegen kognitive Beeinträchtigungen/depressive Symptome

Die Dosis beträgt 5–20 mg/Tag in einer Einzeldosis, ggf. Eindosierung mit 5 mg. Nach 2 Wochen Dosissteigerung auf bis zu 20 mg. Nach Abklingen der Symptome wird zur Aufrechterhaltung der Wirkung eine Behandlungsdauer von mindestens 6 Monaten empfohlen. Die Behandlung sollte bei schwerwiegenden Nebenwirkungen (z. B. Serotoninsyndrom, allergische Reaktion, Krampfanfall, Suizidalität) abgebrochen werden, ebenso bei weiteren anhaltenden oder nicht tolerierbaren Nebenwirkungen.

Ivabradin gegen Tachykardie

Voraussetzung ist, dass Betablocker unverträglich bzw. kontraindiziert sind. Ivabradin darf nicht angewendet werden bei Schwangeren, Stillenden und gebärfähigen Frauen, die keine angemessenen Verhütungsmethoden anwenden. Standarddosierung sind 2 x 5 mg/Tag. Bei ausgeprägter orthostatischer Intoleranz wird eine Initialdosis von 2,5 mg morgens empfohlen. Ein Absetzen sollten erwogen werden bei nur eingeschränkter symptomatischer Verbesserung und wenn innerhalb von 3 Monaten keine klinisch relevante Reduktion des Ruhepulses auftritt. Die Behandlung muss unterbrochen werden, wenn die Herzfrequenz dauerhaft unter 50/min liegt oder die Symptome einer Bradykardie bestehen bleiben. Bei schwerwiegenden Nebenwirkungen ist die Behandlung abzubrechen.

Metformin zur Long-/Post-COVID-Prophylaxe

Voraussetzungen für die Verordnung sind: Therapiebeginn innerhalb von 3 Tagen nach Diagnosestellung einer akuten SARS-CoV-2-Infektion, Mindestalter 16 Jahre, BMI > 25 kg/m², COVID-19-Symptome über weniger als 7 Tage. Die 14-tägige Behandlung erfolgt mit 1 x 500 mg/Tag an Tag 1, 2 x 500 mg/Tag an Tag 2–5 und 500 mg morgens sowie 1.000 mg abends an Tag 6–14. Je früher der Behandlungsbeginn, desto größer der Effekt.

Letzte Aktualisierung: 12.06.2026