KVBW-Aktion in Praxen: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin

Reaktion auf Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken (VOASG)

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat eine Kampagne in Arztpraxen gestartet mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten darüber aufzuklären, sich zur Medikamenteneinnahme vollumfassend und ganzheitlich nur von ihrem Arzt oder ihrer Ärztin beraten zu lassen.

„Nur eine Berufsgruppe hat vollumfänglich Medizin gelernt und ist in der Lage, sie ganzheitlich zum Wohl der Patientinnen und Patienten anzuwenden – die Ärztin und der Arzt“, betont Dr. Norbert Metke, Vorstands­vorsitzender der KVBW. Deshalb lautet der Slogan der Kampagne: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte uns – Ihre Ärztin oder Ihren Arzt – denn wir haben Medizin gelernt.“ Auf Plakaten und Informationsflyern, die in den Praxen aufgehängt und ausgelegt werden, erfahren die Patientinnen und Patienten, warum alles rund um Arznei- und Medikationsberatung in ärztliche Hände gehört.

Anlass für die Aktion ist das Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken (VOASG), wonach neuerdings auch Apotheker zur Medikamenteneinnahme beraten können. Aus Sicht der KVBW ein verantwortungsloses Vorgehen des Gesetzgebers. „Arzneimittelbehandlung setzt eine gründliche ärztliche Diagnose, die Auswahl des richtigen Arzneimittels unter Berücksichtigung weiterer Diagnosen und Wirkstoffen sowie ihrer Wechselwirkungen und eine Kontrolle des eingetretenen Effektes voraus“, begründet Dr. Norbert Metke. „Dies alles ist ein wesentlicher Teil unserer in der Regel zwölfjährigen Ausbildung – während des Studiums und danach. Krankheitslehre ganzheitlich, vollumfänglich und wissen­schaftlich fundiert gibt es in diesem Umfang nur in der Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten.“

Besonders kritisch bewertet Dr. Metke, dass die Apothekerinnen und Apotheker die Möglichkeit einer erweiterten Medikationsberatung, insbesondere für Karzinom- und Transplantationspatienten, erhalten haben. „Gerade bei Schwerstkranken mit onkologischen Erkrankungen und bei Transplantierten wird angesichts der Komplexität und des medizinischen Fortschritts detailliertes Expertenwissen gefordert, welches ausschließlich auf dem Boden einer fundierten medizinischen Ausbildung vorhanden sein kann. Und genau diese Grundlagen haben Apotheker nicht.“ Neben einem langjährigen Studium plus Weiterbildung müssen Niedergelassene darüber hinaus weitere umfangreiche Zusatzqualifikationen erwerben, Leistungsnachweise vorlegen und regelmäßig Fortbildungen absolvieren.  

Nicht nur bei Schwerstkranken ist Dr. Norbert Metke um das Patientenwohl besorgt: „Die Arzneimittelbehandlung kann zum Beispiel bei Therapieunterbrechung oder Dosierungsänderung, abhängig von der Diagnose, gravierende Folgen für die Gesundheit haben. Wir als Ärztinnen und Ärzte sind die einzige Berufsgruppe, die speziell hierfür ausgebildet wurde und deshalb auch qualifiziert Entscheidungen treffen kann.“   

Die Kampagne soll deshalb Patientinnen und Patienten ausdrücklich ermuntern, sich an ihren jeweiligen behandelnden Arzt zu wenden: „Sie haben es verdient, vom besten (Voll-)Wissen betreut zu werden, deswegen sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen haben. Wir beraten Sie gerne.“