Medizinische Versorgung von Flüchtlingen

Leistungen nach Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)

Viele Geflüchtete sind durch die Umstände der Flucht sowie durch Krieg, Gewalt oder Bedrohungen in ihren Herkunftsländern traumatisiert und benötigen medizinische Hilfe. Ein Teil der Flüchtlinge wird diese medizinische Hilfe auch in Ihrer Praxis nachfragen. Kranke benötigen zum Beispiel dringend Insulin oder Herzmedikamente.

Informationen zur Ukraine

Menschen, die vor den russischen Angriffen in der Ukraine fliehen, haben seit Juni 2022 unmittelbar nach ihrer Registrierung Zugang zu den gesetzlichen Krankenkassen und damit zu den medizinischen und psychotherapeutischen Leistungen nach GKV-Leistungskatalog.Mehr erfahren »

Das Ministerium der Justiz und für Migration des Landes Baden-Württemberg hat Informationen zu aufnahme-, leistungs- und aufenthaltsrechtlichen Fragen rund um die Ukraine zusammengestellt: JUM: Informationen zur Ukraine

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt Informationsmaterial zum Coronavirus in ukrainischer Sprache bereit: BZgA: Materialien auf Ukrainisch

Behandlungsausweis, Notfallschein oder Versichertenkarte

Asylsuchende erhalten von den zuständigen kommunalen Behörden Behandlungs­ausweise und können mit diesen Berechtigungsscheinen ärztliche Behandlungen bei Vertragsärzten in Anspruch nehmen. Ein gültiger Behandlungsausweis ist die Grundlage, um als niedergelassener Arzt Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) über die KVBW abrechnen zu können. Notfall­behandlungen können über einen Notfallschein abgerechnet werden.

Abrechnungsinformationen AsylbLG der KVBW

Was Sie als Vertrags­arzt zu Leistungs­anspruch und Abrechnung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) wissen müssen, haben wir im Merkblatt Versorgung von Asylbewerbern für Sie zusammengefasst.

Geflüchtete in Deutschland haben normalerweise in den ersten 18 Monaten ihres Aufenthaltes nur Anspruch auf eingeschränkte Gesundheitsleistungen. Das Asylbewerberleistungsgesetz garantiert die Behandlung bei akuten Krankheiten und Schmerzzuständen sowie Schwangerschaften. Bei Coronatests und Coronaimpfungen sind Geflüchtete, die in Deutschland leben, mit Einheimischen gleichgestellt (Kostenträger Bundesamt für Soziale Sicherung, BAS). Alle weiteren Behandlungen, unter anderem von chronischen oder psychischen Erkrankungen, bedürfen einer Einzelfallentscheidung durch das Sozial- bzw. Gesundheitsamt.

Ausnahme: Registrierte Geflüchtete aus der Ukraine haben seit Juni 2022 unmittelbar Zugang zu den gesetzlichen Krankenkassen und damit zu umfassenden medizinischen und psychotherapeutischen Leistungen nach GKV-Leistungskatalog. Ihre Mitgliedschaft bei einer Krankenkasse weisen sie in der Praxis mit einer Versichertenkarte (eGK) oder einer zeitlich befristeten Ersatzbescheinigung ihrer Krankenversicherung nach. Sonstige Schreiben z. B. an Jobcenter gelten nicht als Ersatzbescheinigung.

Chipmangel heißt eGK-Mangel – Das müssen Praxen wissen

Wegen der Corona-Pandemie fehlt es weltweit an Mikrochips. Deshalb erhalten derzeit viele (Neu-)Kunden statt einer elektronischen Gesundheitskarte (eGK) übergangsweise lediglich eine Ersatzbescheinigung von ihrer Krankenkasse. Diese ist ebenfalls ein gültiger Anspruchsnachweis, sofern sie Name, Vorname, Versichertennummer, Versichertenstatus, Adresse und Geschlecht enthält, wie sonst die eGK. Bitte übernehmen Sie die Versichertenstammdaten manuell in das Praxisverwaltungssystem. Unser Tipp: Machen Sie am besten eine Kopie für die Patientenakte. Privatliquidation ist in solchen Fällen nicht zulässig.

Wir stellen Ihnen hier wichtige Informationen rund um die medizinische Versorgung von Flüchtlingen zur Verfügung.

Infektions­krankheiten und Impf­ungen

Informations­material zu möglichen Infektions­krankheiten und Impf­konzepten in verschiedenen Sprachen (darunter Ukrainisch) finden Sie beim Robert Koch-Institut. Eine gute Zusammenfassung bietet ein Merkblatt des RKI zu Impfungen bei Geflüchteten. Auch Corona-Impfungen können Sie nach den bekannten Regeln vornehmen und abrechnen.

Sputnik, Sinovac & Co: Auffrischung empfohlen

Die STIKO empfiehlt allen, die mit einem Impfstoff ohne EU-Zulassung gegen COVID-19 grundimmunisiert wurden, eine Auffrischimpfung mit einem mRNA-Impfstoff. Corona-Impfungen rechnen Sie bei hier lebenden Ausländern genauso ab wie bei Einheimischen (Kostenträger: Bundesamt für Soziale Sicherung, BAS):
RKI: 19. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung der STIKO

COVID-19-Tests

Die Coronavirus-Testverordnung (TestV), die die Kostenübernahme für Corona-Tests im Bereich der Prävention bzw. zur Bestätigung positiver Testergebnisse bei asympto­matischen Personen regelt, gilt auch für diesen Personenkreis.

Corona-Informationen in 23 Sprachen

Aktuelle Informationen zum Coronavirus in 23 Sprachen veröffentlicht die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: IB: Coronavirus – Informationen in mehreren Sprachen

Gesundheitsratgeber des BMG in 7 Sprachen

Informationen, die Flüchtlingen dabei helfen, sich in unserem Gesundheitswesen zurechtzufinden, liefert der „Ratgeber Gesundheit für Asylsuchende in Deutschland“ des Gesundheitsministeriums (BMG). Der Gesundheitsratgeber enthält wichtige Informationen von den notwendigen Erstuntersuchungen bis zum Impfausweis und erscheint in Deutsch, Englisch, Arabisch, Kurdisch (Kurmanci) und Paschto.

Arzneimittel-Informationen in Bildersprache

Als Arbeitshilfe für die Information und Beratung von Patienten mit Migrationshintergrund hat der Weltverband FIP einen Satz von insgesamt 85 Piktogrammen zur Verfügung gestellt, die ergänzende Hinweise zur Darreichungsform, zum Einnahmezeitpunkt und zu möglichen Nebenwirkungen von Arzneimitteln geben.Diese Piktogramme können Sie bei der Apothekerkammer Nordrhein herunterladen.

Letzte Aktualisierung: 08.06.2022