Landkreis Rottweil: Versorgung im HNO-Bereich wieder stabil

KVBW beweist Wirksamkeit einer koordinierten und vorausschauenden Sicherstellungsarbeit

Positive Nachrichten aus dem Landkreis Rottweil: Das seit 2025 bestehende Versorgungsdefizit im Bereich der HNO-Ärzteschaft ist überwunden. Dank eines gezielten und koordinierten Engagements der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) konnte die Versorgung innerhalb eines Jahres stabilisiert werden.

Die prekäre Versorgungssituation wurde im vergangenen Jahr ausgelöst, nachdem fast zeitgleich drei HNO-Ärzte ausgeschieden waren. Das hatte zur Folge, dass eine akute Unterversorgung eintrat. Die KVBW hatte bereits bei der Ankündigung der Praxis­schließungen unmittelbar Maßnahmen zur Stabilisierung eingeleitet.

Engmaschige Betreuung durch die KVBW-Sicherstellungskoordinatoren

Im Mittelpunkt stand eine enge und strukturierte Betreuung durch die Sicherstellungs­koordinatoren der KVBW. Sie initiierten frühzeitig Gespräche mit allen relevanten Akteuren im Landkreis – darunter niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Kliniken, Kommunalpolitik und die Kreisärzteschaft – und entwickelten gemeinsam konkrete Lösungen für die Region. „Wir möchten Versorgungsengpässe nicht nur feststellen, sondern aktiv dagegenwirken. Dafür braucht es enge Vernetzung aller Beteiligten vor Ort – genau das ist uns in Rottweil gelungen“, betont der KVBW-Vorstand Dr. Karsten Braun. „Dass innerhalb kurzer Zeit neue ärztliche Strukturen aufgebaut werden konnten, zeigt, wie wirksam eine koordinierte und vorausschauende Sicherstellungsarbeit ist.“

MVZ-Gründung als zentraler Baustein

Ein zentraler Baustein dieser Entwicklung ist die Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ): Zum 1. Juli 2026 eröffneten die Ärzte Dr. Bernhard Schönemann und Dr. Max Simon in Rottweil ein MVZ mit HNO-Schwerpunkt. Dort sind drei angestellte HNO-Fachärzte tätig, die zuvor als Oberärzte in einer Klinik gearbeitet haben.

Der Impuls zur Gründung entstand im Rahmen eines von der KVBW initiierten regionalen Austauschformats, in dem Versorgungsfragen gemeinsam analysiert und Lösungsansätze erarbeitet wurden. Ein Ergebnis war unter anderem die gezielte Förderung von Anstellungsmöglichkeiten für junge Ärztinnen und Ärzte. Schönemann und Simon haben genau diese Voraussetzungen mit ihrem neuen MVZ geschaffen. Dabei wurden sie umfassend von der Niederlassungs- und Kooperationsberatung sowie der Sicherstellungskoordination der KVBW begleitet und betreut. „Ich bin sehr zufrieden, wie gut die Zusammenarbeit mit der KVBW funktioniert hat. Sehr wertvoll war, dass die Experten der Niederlassungs- und Kooperationsberatung und der Sicherstellungskoordinator mich aktiv kontaktiert haben und nachfragten, wo es hakt und was sie noch tun können“, lobt Dr. Schönemann.

Die HNO-ärztliche Versorgung im Landkreis ist nun wieder gesichert und nachhaltig aufgestellt. „Das Beispiel Rottweil zeigt, worauf es ankommt: Man muss frühzeitig handeln und regionale Initiativen gezielt unterstützen. Wir verstehen uns als aktiver Gestalter der ambulanten Versorgung“, so Dr. Doris Reinhardt, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVBW.

Die Rottweiler Ärzte planen bereits weitere Schritte zur Stärkung der regionalen Versorgung: Perspektivisch ist auch die Gründung eines hausärztlichen MVZ vorgesehen. Große Sorge bereitet der KVBW für die weitere Sicherstellung im Land aber der Entwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit einer einnahmen­orientierten Ausgabenpolitik der Krankenkassen. „Der Gesetzentwurf führt trotz stetig steigender Kosten zu erheblichen Einnahmerückgängen bei unseren Praxen. Im Bereich der HNO-Heilkunde beispielsweise werden die Einbußen im nächsten Jahr bei 11 Prozent liegen. Es ist derzeit fraglich, wie Praxen und MVZ derartige Umsatz­rückgänge verkraften können. Wir erwarten, dass die Versorgungsprobleme im ambulanten Bereich daher eher zunehmen“, so Vorstandsvorsitzender Dr. Karsten Braun.

Letzte Aktualisierung: 02.07.2026