Videosprechstunde

Betreuung von Patienten per Telemedizin

Wegen der Coronavirus-Pandemie sollten Patienten nur in medizinisch dringenden Fällen in die Praxen kommen. Eine Alternative für den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt ist die Konsultation per Video. Sie ist bei allen Indikationen möglich und auch dann, wenn der Patient zuvor noch nicht in der Praxis in Behandlung war. 

Psychotherapie per Video 

Auch ärztliche und psychologische Psychotherapeuten dürfen seit Herbst vergangenen Jahres bestimmte Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie per Videosprechstunde durchführen und abrechnen. In Ausnahmefällen kann eine Psychotherapie derzeit auch ohne unmittelbaren persönlichen Kontakt vor Ort mit einer Psychotherapeutischen Sprechstunde und einer Probatorischen Sitzung als Videosprechstunde beginnen, beispielsweise wenn dem Patienten ein Aufsuchen der Praxis nicht zumutbar ist. Diese Sonderregelung während der Coronakrise sollte besonderen Einzelfällen vorbehalten bleiben. Die Akutbehandlung ist weiter nicht als Videosprechstunde möglich.

Videosprechstunde: So einfach geht es

  1. Registrierung bei einem KBV-zertifizierten Videodienstanbieter
    Liste KBV-zertifizierter Videodienstanbieter
  2. Anzeige bei der KV
    Meldeformular Videodienstanbieter (Videosprechstunde)
    Anzeige genügt. Sie müssen keine Bestätigung oder Genehmigung der KV abwarten.

Kostenfreie Angebote während der Coronakrise

Health Innovation Hub, der digitale Think Tank des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums hat Anbieter zusammengestellt, die für die nächsten Monate einen kostenfreien Zugang zu ihren Lösungen anbieten: hih des BGM: Corona digital

Praxen benötigen: 

  • Internetanbindung mit den für Praxen empfohlenen Firewall-Einstellungen
  • Bildschirm (Monitor/Display), Kamera, Mikrofon, Lautsprecher
  • Einwilligung des Patienten

Patienten benötigen:

  • Internetanbindung
  • PC, Tablet oder Smartphone mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher

Voraussetzungen und Abrechnungsregeln

Videosprechstunden vorerst unbegrenzt möglich

KBV und GKV-Spitzenverband haben die Obergrenzen für die Videosprechstunde vorerst bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 ausgesetzt. Damit sind Fallzahl und Leistungsmenge nicht wie üblich auf jeden fünften Patienten limitiert.

eGK-Daten bei Kontakt nur per Telefon oder Video

  • Patient ist der Praxis bekannt, war im Quartal noch nicht da: Versichertendaten aus der Patientenakte übernehmen.
  • Patient war noch nie in der Praxis: Versichertendaten erfragen bzw. den Patienten auffordern, seine eGK in die Kamera zu halten und den Versicherungsschutz mündlich zu bestätigen. Zu erfassen sind:
    • Name, Vorname / Wohnort (PLZ) / Geburtsdatum / Krankenkasse / Versichertenstatus (M, F, R)

Antworten auf häufig gestellte Fragen

War der Patient bisher noch nie in der Praxis, hält er seine elektronische Gesundheitskarte (eGK) in die Kamera, damit das Praxispersonal die Identität prüfen und die notwendigen Daten (Bezeichnung der Krankenkasse; Name, Vorname und Geburtsdatum des Versicherten; Versichertenart; Postleitzahl des Wohnortes; Versichertennummer) erheben kann. Der Patient bestätigt zudem mündlich das Bestehen des Versicherungsschutzes. Am Telefon fragt das Praxispersonal diese Daten ab.

Ist der Patient der Praxis bekannt, findet im aktuellen Quartal jedoch ausschließlich telefonischer Kontakt statt, übernehmen Sie die Versichertendaten aus der Patientendatei.

In der aktuellen Situation ist das aus Sicherstellungsgründen möglich, allerdings nur, sofern der Vertragsarzt bzw. Vertragspsychotherapeut aus infektionsschutzrechtlichen Gründen unter behördlich angeordneter Quarantäne steht.

Üblicherweise sind ärztliche und psychotherapeutische Leistungen am Vertragsarztsitz zu erbringen. Sie dürfen nicht in den Privaträumlichkeiten angeboten werden.

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Psychotherapie kann ebenfalls als Videosprechstunde durchgeführt werden, wenn:

  • bereits ein persönlicher Erstkontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung stattgefunden hat und
  • kein unmittelbarer persönlicher Kontakt mit der Patientin oder dem Patienten aus therapeutischer Sicht erforderlich ist.

Nicht jede psychotherapeutische Leistung darf per Video durchgeführt werden. Die Einzelpsychotherapie (nach § 15 Psychotherapie-Richtlinie) und – zunächst bis zum 30. Juni 2020 – auch die psychotherapeutischen Sprechstunden und probatorischen Sitzungen (auch neuropsychologische Therapie) sind über die Videosprechstunde möglich.

Die Psychotherapie kann in Einzelfällen ohne persönlichen Kontakt zwischen Patient und Therapeut beginnen. Die Akutbehandlung ist im Rahmen der Videosprechstunde weiterhin nicht möglich.

Die Begrenzungsregelungen zur Anzahl von ausschließlichen Video-Behandlungsfällen (20 Prozent aller Behandlungsfälle) sowie zur Anzahl der im Rahmen von Videosprechstunden abgerechneten Gebührenordnungspositionen (20 Prozent aller berechneten Gebührenordnungspositionen je Vertragsarzt / Psychotherapeut und Quartal) werden für das 2. Quartal 2020 ausgesetzt.

Ärzte oder Psychotherapeuten können Leistungen im Rahmen der Videosprechstunde abrechnen, wenn sie einen von der KBV zertifizierten Videodienstanbieter nutzen. Eine Liste dieser Dienste­anbieter gibt es auf der Homepage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:
KBV: Videosprechstunde (mit Liste zertifizierter Anbieter).

Die Organisation von Videosprechstunden ist denkbar einfach: Sie wählen einen von der KBV zertifizierten Videodienstanbieter aus, der für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf sorgt. Arzt und Patient benötigen im Wesentlichen einen Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich.

Videosprechstunden vorerst unbegrenzt möglich

Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus haben KBV und GKV-Spitzenverband die Begrenzungsregelungen aufgehoben: mehr erfahren »

Letzte Aktualisierung: 02.04.2020