Richtwerte für Arzneimittel / Verbandstoffe

Neue Wege in der Wirtschaftlichkeitsprüfung

In Baden-Württemberg wurden die Richtgrößen zum 1. Januar 2017 durch die Richtwertsystematik als neues Prüfsystem abgelöst. Die Richtwertsystematik für Arzneimittel und Verbandstoffe basiert auf Arzneimittel-Therapiebereichen (AT). Arzneimittel und Verbandstoffe werden je nach Indikation unterschiedlichen AT zugeordnet. Jeder Fachgruppe stehen – ihrem Versorgungsspektrum entsprechend – unterschiedliche und unterschiedlich viele AT sowie der AT „Rest” zur Verfügung. Für jeden AT vereinbaren KVBW und Kassen für ein Jahr einen fachgruppenspezifischen Durchschnittswert in Euro, den AT-Richtwert. Dieser Betrag steht dem Arzt quartalsweise für einen Patienten bei Verordnung aus einem AT zur Verfügung.

Neuerungen für 2018

  • Der garantierte praxisindividuelle Richtwert und der aktuelle Orientierungswert werden durch den unterjährigen praxisindividuellen RichtwertKV ersetzt.
  • Die AT-Zuordnung bei einzelnen Fachgruppen wurde überarbeitet. Änderungen können in der Matrix nachvollzogen werden.
  • Die AT-Richtwerte wurden auf Basis der Verordnungsdaten 2016 für jede Fachgruppe aktualisiert. Sie können unter Arzneimittel-Therapiebereiche eingesehen werden.
  • Neben den bereits bestehenden exRW-Bereichen konnten zusätzlich neue Bereiche vereinbart werden: Wirkstoffe außerhalb der Richtwerte (exRW)
  • Ein zusammenfassender Artikel zu den Neuerungen für das Jahr 2018 ist im Verordnungsforum 44 erschienen:
    Änderungen der Arzneimittel-Richtwertsystematik 2018 (VoFo44)

Unterjähriger praxisindividueller RichtwertKV (unterjähriger PiRWKV)

Ab dem Jahr 2018 werden der garantierte PiRW sowie der bisherige aktuelle Orientierungswert in der Frühinformation Arzneimittel durch den unterjährigen praxisindividuellen RichtwertKV (unterjähriger PiRWKV) ersetzt. Basis dieses Wertes sind die der KVBW vorliegenden Verordnungsdaten. Verordnungen, die anstatt über die Apotheke direkt vom Hersteller oder über andere Lieferanten bezogen wurden, werden dabei nicht berücksichtigt.

Der unterjährige PiRWKV bildet die aktuelle Morbidität Ihrer Praxis im jeweiligen Verordnungsjahr ab und unterliegt quartalsweisen Schwankungen. Die KVBW teilt Ihnen den über die Quartale eines Jahres kumulierten unterjährigen PiRWKV nach Ablauf jedes Verordnungsquartals in der Frühinformation Arzneimittel vierteljährlich mit, erstmalig im Mai 2018 mit der Frühinformation für das Quartal 1/2018.

Projizierter praxisindividueller RichtwertKV (projizierter PiRWKV)

Bis Sie Ihren ersten unterjährigen PiRWKV erhalten, stellen wir Ihnen einmalig als Starthilfe zum neuen Jahr den projizierten PiRWKV zur Verfügung. Dieser Wert wurde auf Grundlage Ihrer Verordnungsdaten der ersten drei Quartale 2017 unter Berücksichtigung der neuen AT-Richtwerte 2018 berechnet und ist im Mitgliederportal abrufbar (Anleitung).

Wir empfehlen Ihnen, den projizierten PiRWKV in die Praxissoftware einzutragen, bis Sie mit der Frühinformation Arzneimittel für das Quartal 1/2018 den ersten unterjährigen PiRWKV erhalten.

Unterjähriges praxisindividuelles RichtwertvolumenKV

Multipliziert man den unterjährigen PiRWKV mit der Anzahl der Verordnungspatienten, ergibt sich das in der Frühinformation Arzneimittel ausgewiesene unterjährige praxisindividuelle RichtwertvolumenKV. Dieses dient dem Abgleich mit dem jeweils veranlassten Verordnungsvolumen der Praxis und zeigt Ihnen auf, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Prüfungsstelle für Ihre Praxis ein Prüfverfahren einleiten wird. Es darf nicht mit dem praxisindividuellen Richtwertvolumen verwechselt werden, das die Gemeinsamen Prüfungseinrichtungen einer Prüfung zugrunde legen.

Wirkstoffe außerhalb der Richtwerte (exRW)

Die KVBW konnte mit den Krankenkassen Wirkstoffe sowie Wirkstoff- bzw. Indikationsgruppen vereinbaren, deren Kosten weder in das Verordnungsvolumen der Praxis noch in die Berechnung des praxisindividuellen Richtwertes einfließen – die sogenannten exRW-Wirkstoffe.

Die Wirkstoffliste exRW gilt für alle Fachgruppen. Die Wirkstoffe dieser Liste unterliegen nicht der statistischen Prüfung, es können in diesem Bereich jedoch insbesondere die Indikationsstellung sowie die Verordnungsmenge im Einzelfall geprüft werden.

Prüfverfahren

Wenn die Gesamtkosten der in einem Kalenderjahr von einer Praxis verordneten Arznei- und Verbandmittel (=Verordnungsvolumen) das praxisindividuelle Richtwertvolumen um mehr als 25 Prozent überschreiten, sind die Gemeinsamen Prüfungseinrichtungen gesetzlich verpflichtet, ein Richtwertprüfverfahren einzuleiten.

Praxisbesonderheiten rechtfertigen unter bestimmten Umständen, dass das praxisindividuelle Richtwertvolumen überschritten wird.

Wie bisher bei der Richtgrößenprüfung gilt auch die Richtwerteprüfung für die meisten Fachgruppen, jedoch nicht für alle. Gelten für eine Fachgruppe keine Richtwerte, kann die Wirtschaftlichkeit der Verordnungsweise durch die in der Prüfvereinbarung geregelten Prüfverfahren (z. B. Einzelfallprüfungen) geprüft werden.

Rechtzeitig reagieren dank Frühinformation

Als Anlage zum Honorarversand erhalten Sie die Frühinformation Arzneimittel (siehe Verordnungsstatistiken). Sie bietet eine strukturierte Übersicht zu Ihren Verordnungen im bisherigen Kalenderjahr und basiert auf den der KVBW vorliegenden Verordnungsdaten der Apotheken-Rechenzentren.

Bitte beachten Sie, dass die Daten der Frühinformation Arzneimittel von den in einer Prüfung letztlich zugrunde gelegten Werten abweichen können. Betrachten Sie daher die Auswertungen in der Frühinformation Arzneimittel als vorläufige Information.

Antworten auf häufig gestellte Fragen rund ums Thema Richtwerte finden Sie unter FAQ.

Letzte Aktualisierung: 12.06.2018