FAQ Arzneimittel

Antworten auf häufige Fragen

Die Versorgungsrealität wird über die Richtwerte besser abgebildet, indem der Heterogenität der Arzneimitteltherapie sowie praxisindividuellen Versorgungs­schwerpunkten deutlich mehr Rechnung getragen wird als bisher. Durch die Festlegung fachgruppenspezifischer Arzneimittel-Therapiebereiche (AT), die mit vereinbarten AT-Richtwerten hinterlegt sind, erhält jeder Arzt die Sicherheit, in welchen Bereichen und auf welchem Preisniveau er routinemäßig Arzneimittel verordnen kann. Darüber hinaus kann das praxisindividuelle Richtwertvolumen bei steigender Morbidität unterjährig erhöht werden.

Es erfolgt eine Abkehr von Behandlungsfallzahlen (= Berechnungsgrundlage bis 2016) hin zur Anzahl der Verordnungspatienten. Dies ermöglicht der KVBW unter anderem, künftig auch denjenigen Praxen, die an Selektivverträgen teilnehmen, mithilfe der „Frühinformation Arzneimittel“ statistische Auswertungen über ihr praxisindividuelles Richtwertvolumen zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt kann mit der neuen Arzneimittel-Richtwertsystematik die Wirtschaftlichkeit einer Praxis exakter und gerechter beurteilt werden.

Die ATs bündeln die nach Anwendungsgebieten zusammengehörenden Wirkstoffe. Je nach Fachgruppe gelten verschiedene und unterschiedlich viele ATs. Dadurch werden die Versorgungsschwerpunkte der Fachgruppen abgebildet. Diejenigen Wirkstoffe, die in der jeweiligen Fachgruppe keinem AT bzw. exRW-Bereich zugeordnet sind, werden im AT „Rest“ zusammengefasst.

Für jeden Arzneimittel-Therapiebereich (AT) haben KVBW und Krankenkassen fachgruppenspezifische Durchschnittswerte in Euro berechnet und für das Jahr 2018 als garantierte Werte vereinbart. Verordnet ein Arzt einem Patienten einen Wirkstoff aus einem bestimmten AT, steht ihm für diesen Patienten der AT-Richtwert quartalsweise zur Verfügung.

Jeder Patient zählt in jedem Arzneimittel-Therapiebereich (AT), in dem er mindestens eine Verordnung erhält, als Arzneimittel-Therapiebereichsfall, kurz AT-Fall. Verordnet ein Arzt einem Patienten in einem Quartal Arzneimittel aus mehreren ATs, erhält der Arzt für diesen Patient mehrere AT-Fälle. Ein Verordnungspatient kann somit mehrere AT-Richtwerte auslösen.

Neben den Arzneimittel-Therapiebereichen (AT) konnten Wirkstoffe sowie Wirkstoff- beziehungsweise Indikationsgruppen mit den Krankenkassen vereinbart werden, deren Kosten nicht in die Berechnung der Richtwerte einfließen (Wirkstoffliste exRW). Hierbei handelt es sich in der Regel um Wirkstoffe zur Behandlung schwerwiegender oder seltener Erkrankungen, die häufig bereits bei einem indikationsgerechten und wirtschaftlichen Einsatz zu erheblichen Kosten führen.
Die Wirkstoffliste exRW gilt für alle Fachgruppen. Die Wirkstoffe dieser Liste unterliegen nicht der statistischen Prüfung, es können in diesem Bereich jedoch insbesondere die Indikationsstellung sowie die Verordnungsmenge im Einzelfall geprüft werden.

Jeder Patient, der aus einem oder mehreren Arzneimittel-Therapiebereichen ein Medikament verordnet bekommt, zählt als Verordnungspatient (VOP). Der VOP wird für die Berechnung des garantierten praxisindividuellen Richtwertvolumens benötigt.

Die Richtwertegruppen ersetzen die bisherigen Richtgrößengruppen. Die Namensgebung hat den Ursprung in der neuen Richtwertsystematik, die im Arzneimittelbereich mit dem Jahr 2017 eingeführt wurde. In der Regel handelt es sich bei einer Richtwertegruppe um die jeweilige Fachgruppe. Richtwertegruppen sind Vergleichsgruppen, in denen Praxen mit ähnlichen Versorgungs- und damit Verordnungsschwerpunkten zusammengefasst werden. Für die verschiedenen internistischen Schwerpunkte wurden jedoch neue eigenständige Richtwertegruppen gebildet, um für die neue Systematik adäquate Vergleichsgruppen zu erhalten.

Für die verschiedenen internistischen Schwerpunkte wurden jedoch neue eigenständige Richtwertegruppen gebildet, um adäquate Vergleichsgruppen zu erhalten.

Die im Jahr 2018 geltenden AT-Richtwerte wurden auf Basis der Verordnungsdaten 2016 fachgruppenspezifisch berechnet (vgl. Frage „Was ist ein AT-Richtwert?“). Dabei wurden unter anderem die Marktentwicklung, gesetzliche Änderungen und neue oder geänderte Festbeträge in jeder Fachgruppe berücksichtigt. Die AT-Richtwerte spiegeln damit das reale Verordnungsverhalten der Ärzteschaft wider. Aus diesem Grund sollten auch in Zukunft nur die notwendigen Arzneimittel und nur in geeigneter Packungsgröße verordnet werden. Es bietet sich gerade für chronisch kranke Patienten an, immer den Quartalsbedarf zu verordnen. Dies stellt sicher, dass die AT-Richtwerte auch zukünftig auf einem realen Niveau verbleiben und nicht durch Verordnung kleiner Packungsgrößen oder das „Outsourcen” von Verordnungen an andere Fachgruppen zukünftig niedriger werden.

Ab dem Jahr 2018 werden der garantierte PiRW sowie der bisherige aktuelle Orientierungswert in der Frühinformation Arzneimittel durch einen unterjährigen praxisindividuellen RichtwertKV (unterjähriger PiRWKV) ersetzt. Basis dieses Wertes sind die der KVBW vorliegenden Verordnungsdaten. Der unterjährige PiRWKV bildet die aktuelle Morbidität Ihrer Praxis im jeweiligen Verordnungsjahr ab. Er wird quartalsweise neu berechnet und kann allein aufgrund jahreszeitlicher Erkrankungsschwerpunkte von Quartal zu Quartal schwanken. Die KVBW teilt Ihnen den über die Quartale eines Jahres kumulierten unterjährigen PiRWKV nach Ablauf jedes Verordnungsquartals in der Frühinformation Arzneimittel vierteljährlich mit, erstmalig im Mai 2018 mit der Frühinformation für das Quartal 1/2018.

Multipliziert man den unterjährigen PiRWKV mit der Anzahl der Verordnungspatienten, ergibt sich das in der Frühinformation Arzneimittel ausgewiesene unterjährige praxisindividuelle RichtwertvolumenKV. Dieses dient jeweils dem Abgleich mit dem veranlassten Verordnungsvolumen der Praxis und zeigt Ihnen auf, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Prüfungsstelle für Ihre Praxis ein Prüfverfahren einleiten wird.

Bis Sie mit der Frühinformation Arzneimittel 1/2018 Ihren ersten unterjährigen PiRWKV als Orientierungswert erhalten, stellen wir Ihnen einmalig als Starthilfe zum neuen Jahr den projizierten PiRWKV zur Verfügung. Dieser Wert wurde auf Grundlage Ihrer Verordnungsdaten der ersten drei Quartale 2017 unter Berücksichtigung der neuen AT-Richtwerte 2018 berechnet. Der projizierte PiRWKV stellt also die praxisindividuelle Morbidität der ersten drei Quartale 2017 in Bezug auf die für 2018 angepassten AT-Richtwerte dar.
Dieser wurde Ihnen bereits im Mitgliederportal bereitgestellt (Dokumentenarchiv » Aktentyp: Verordnungsmanagement » Quartal 3/2017 » Reiter: Informationen zur Richtwertsystematik » Unterlage: Projizierter praxisindividueller Richtwert). Wir empfehlen Ihnen, den projizierten PiRWKV in die Praxissoftware einzutragen, bis Sie mit der Frühinformation Arzneimittel für das Quartal 1/2018 ca. Mitte Mai 2018 den ersten unterjährigen PiRWKV erhalten. 

Da der projizierte praxisindividuelle RichtwertKV auf Basis der Verordnungsdaten der Quartale 1 bis 3/2017 berechnet wurde, können wir Ihnen zu Beginn Ihrer Tätigkeit keinen praxisindividuellen Wert pro Verordnungspatient ausweisen. Orientieren können Sie sich daher an den Eurobeträgen der garantierten AT-Richtwerte Ihrer Richtwertgruppe. Mit der Frühinformation Arzneimittel für das Quartal 1/2018 erhalten Sie ca. Mitte Mai 2018 Ihren ersten unterjährigen praxisindividuellen RichtwertKV über das Mitgliederportal zur Verfügung gestellt (Dokumentenarchiv » Aktentyp: Verordnungsmanagement » Quartal 1/2018 » Reiter: Arzneimittel »Frühinformation Arzneimittel).

Wie der Name schon sagt, ist der unterjährige PiRWKV praxisindividuell. Je nach Schwerpunkt einer Praxis ist die Gewichtung der AT-Richtwerte unterschiedlich, und der unterjährige PiRWKV verschiebt sich in die eine oder andere Richtung. Der unterjährige PiRWKV hängt davon ab, aus wie vielen und welchen AT die Patienten Arzneimittel verordnet bekommen. Wenn aufgrund der Praxisstruktur z. B. Arzneimittel aus Arzneimittel-Therapiebereichen mit hohen AT-Richtwerten verordnet werden müssen, ist auch der unterjährige PiRWKV automatisch höher. Bitte beachten Sie, dass auch Ihr persönlicher unterjähriger PiRWKV quartalsweisen Schwankungen aufgrund jahreszeitlicher Erkrankungsschwerpunkte unterliegen kann.

Für diese Praxisform gibt es nicht einen unterjährigen PiRWKV, sondern jede Richtwertegruppe erhält separat einen unterjährigen PiRWKV (so wie früher die separate Richtgröße nach Richtgrößengruppen).

Nein, denn entscheidend sind die verordneten Medikamente. Die Behandlungsdiagnosen (ICD-10-Codes in den Abrechnungsdaten) werden nicht für die Berechnung der genannten Werte genutzt, da diese nichts darüber aussagen, ob eine Krankheit mit oder ohne Medikamente behandelt wird (zum Beispiel nur diätetisch behandelter Diabetes mellitus).

Nein, es zählen nur noch diejenigen Patienten, die in einem oder mehreren Arz­nei­mittel-Therapiebereichen (AT) eine Verordnung erhalten (sog. Ver­ord­nungs­patienten).

Entscheidend ist ganz allgemein gesprochen eine wirtschaftliche Verordnungsweise. Zu Ihrer Orientierung weisen wir Ihnen in der Frühinformation Arzneimittel die Durchschnittskosten pro AT für Ihre Praxis und den fachgruppenspezifischen AT-Richtwert einschließlich der prozentualen Abweichung der beiden Werte voneinander aus. Hierbei ist die Überschreitung eines oder mehrerer AT-Richtwerte unproblematisch, sofern ein Ausgleich durch andere, unterschrittene AT erfolgt, sodass in der Summe Ihr praxisindividuelles Richtwertvolumen nicht (bzw. maximal um bis zu 25 %) überschritten wird.
Grund für die Überschreitung eines einzelnen AT-Richtwertvolumens (und damit auch gegebenenfalls des praxisindividuellen Richtwertvolumens) kann sein, dass Sie in diesem AT eine Patientenklientel mit einer höheren Morbidität als die Fachgruppe versorgen. Zum Beispiel schließt der AT „Osteoporose“ alle Grade der Osteo­po­rose­therapie von den kostengünstigen Bisphosphonaten bis hin zu teuren Therapien mit Reserve-Antiosteoporotika ein.

Onkologika zählen zu den exRW-Wirkstoffen und fließen nicht in die statistische Richtwerteprüfung ein, es können in diesem Bereich jedoch insbesondere die Indikationsstellung sowie die Verordnungsmenge im Einzelfall geprüft werden. Ihre Kosten gehen damit weder in das Verordnungsvolumen noch in die Richtwert(volumen)berechnung ein.

Definitiv nein, denn für Teststreifen-Verordnungen erhält die verordnende Praxis nur dann den vorgesehen AT-Richtwert zugewiesen, wenn im selben Quartal auch die notwendigen Arzneimittel verordnet werden.

Eine Teststreifen-Verordnung ohne Insulin- oder Antidiabetika-Verordnung in demselben Quartal würde unter den AT „Rest“ fallen und kann sich damit – je nach Höhe des AT-Richtwerts für den AT „Rest“ und nach verordneter Teststreifenmenge – rechnerisch ungünstig auswirken. (Anmerkung: Bei nicht-insulinbehandelten Diabetikern besteht nach Arzneimittel-Richtlinie Anlage III nur bei instabiler Stoffwechsellage ein Anspruch auf die Verordnung von Teststreifen – bis zu 50 Stück je Behandlungssituation.)

Ja, ab 2018 fließen die Teststreifen zur Überwachung der Blutgerinnung bei gleichzeitiger Verordnung eines entsprechenden Arzneimittels in den AT 11 ein. Hier handelt es sich um eine Zuordnung der Teststreifen analog der Zuordnung der Blutzuckerteststreifen zur Diabetestherapie (AT 29, 30, 31).

Nein, es dürfen auch Arzneimittel außerhalb der definierten (nummerierten) AT verordnet werden, z. B. bei Hausärzten: Schlafmittel oder antibiotische Augentropfen. Diese Kosten fließen dann in den AT „Rest”. Wie bei allen AT löst jeder Patient pro Quartal jeweils nur einen AT-Fall aus, selbst wenn der Patient mehrere AT-„Rest”-Verordnungen erhält.

Der AT „Rest” wird ansonsten in der Berechnung des Verordnungs- bzw. Vergleichsvolumens genauso behandelt wie die anderen AT auch. Davon abzugrenzen sind Wirkstoffe aus der exRW-Liste, diese gehören weder zu den nummerierten AT noch zum AT „Rest”.

Es dürfen weiterhin in Ausnahmefällen fachfremde Verordnungen (z. B. für Familien­angehörige) ausgestellt werden. Im vorliegenden Fall zählen die Schild­drüsen­therapeutika zum AT „Rest“. Wie sich die Verordnungen auf die Berechnung des praxisindividuellen Richtwertvolumens auswirken, hängt vom Preis der verordneten „Rest“-Arzneimittel in Relation zum fachgruppenspezifischen AT-Richtwert des AT „Rest“ ab.

Bitte beachten Sie, dass der garantierte PiRW nur für das Jahr 2017 vereinbart wurde.

Dieser Wert war ein garantierter Eurowert pro Verordnungspatient und Quartal und löste die bis 2016 geltenden Richtgrößen ab. Er wurde praxisindividuell auf der Grundlage Ihrer Verordnungsdaten im Jahr 2015 berechnet. Er galt als durchschnittlicher Mindestquartalswert für alle vier Quartale des Jahres 2017.
Sie erhielten 2017 den garantierten PiRW als Eurobetrag für jeden Patienten, dem Sie Arzneimittel aus mindestens einem Arzneimittel-Therapiebereich (AT) verordneten. Die Multiplikation des garantierten PiRW mit der Anzahl aller Verordnungspatienten ergibt das garantierte praxisindividuelle Richtwertvolumen für 2017.

Bitte beachten Sie, dass der aktuelle Orientierungswert nur für das Jahr 2017 in der Frühinformation ausgewiesen wurde.

Stieg die Morbidität (auf Basis der Verordnungsdaten) in der Praxis, wurde der garantierte PiRW unterjährig mit den Daten der KVBW durch einen höheren, angepassten Wert ersetzt. Dieser wurde aktueller Orientierungswert genannt. Unterschritt der aktuelle Orientierungswert den garantierten PiRW, dann galt der garantierte PiRW. Durch Multiplikation des aktuellen Orientierungswerts mit der Anzahl aller Verordnungspatienten errechnet sich das aktuelle Orientierungsvolumen für 2017.

Bitte beachten Sie, dass der korrigierte PiRW nur für das Jahr 2017 vereinbart wurde.

Bei den Vorbereitungen zu einer Richtwerteprüfung wird auf Basis der tatsächlichen Verordnungsdaten 2017 der praxisindividuelle Richtwert neu berechnet. Liegt dieser neue Wert aufgrund von Veränderungen in der Morbidität über dem garantierten praxisindividuellen Richtwert, der auf Basis der Verordnungsdaten 2015 berechnet wurde, ersetzt er diesen und wird als „korrigierter praxisindividueller Richtwert“ bezeichnet. Andernfalls gilt der garantierte PiRW weiter.

Der korrigierte PiRW wird mit Krankenkassendaten berechnet und findet erst im Rahmen der Richtwerteprüfung Anwendung. Während der von der KVBW vorab berechnete aktuelle Orientierungswert – wie der Name schon sagt – der Orientierung über morbiditätsbedingte Veränderungen im Verordnungsverhalten dient, ist der korrigierte PiRW die rechtssichere Berücksichtigung dieser Morbiditätsentwicklung im Rahmen der Richtwerteprüfung.

Im Rahmen der Richtwerteprüfung wird zu Ihren Gunsten der jeweils höhere Wert zugrunde gelegt (Prinzip des „doppelten Bodens“). In der beschriebenen Konstellation gilt also der garantierte PiRW weiter.

Bitte beachten Sie, dass der garantierte PiRW nur für das Jahr 2017 vereinbart wurde.

Diese werden noch nach der damals geltenden (Richtgrößen-)Systematik geprüft.

Jedes Jahr treffen die Verbände der gesetzlichen Krankenkassen mit der Kassenärztlichen Vereinigung eine Arzneimittelvereinbarung auf Landesebene für das jeweils folgende Kalenderjahr. Nach § 84 Abs. 1 SGB V wird damit die Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung mit Arznei- und Verbandmitteln gewährleistet.

Vereinbart werden unter anderem

  • ein Ausgabenvolumen für die insgesamt von Vertragsärzten nach § 31 SGB V veranlassten Leistungen
  • Versorgungs- und Wirtschaftlichkeitsziele und konkrete, auf die Umsetzung dieser Ziele ausgerichtete Maßnahmen, insbesondere Verordnungsanteile für Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen im jeweiligen Anwendungsgebiet (Zielvereinbarungen)
  • Kriterien für Sofortmaßnahmen zur Einhaltung des vereinbarten Ausgabenvolumens innerhalb des laufenden Kalenderjahres

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Die Arzneimittelvereinbarung, die jährlich mit den Krankenkassenverbänden abzuschließen ist, legt nicht nur das Ausgabenvolumen für Arznei- und Verbandmittel fest, sondern definiert auch Wirtschaftlichkeitsziele, wie die Zielvereinbarungen. Seit 2018 wird zur Zielerreichung statt der DDD-Anteile der Wirkstoffe der Anteil der AT-Fälle im jeweiligen Ziel berücksichtigt. Die Ziele sind dabei jeweils einem bestimmten Arzneimittel-Therapiebereich (AT) nach der jeweils geltenden Arzneimittel-Richtwertvereinbarung zugeordnet und zeigen somit auf, durch welche Maßnahmen der jeweilige AT-Richtwert eingehalten werden kann.

Derzeit gelten in Baden-Württemberg sechs verschiedene Zielvereinbarungsgruppen, die sich hinsichtlich der Art der Zielerreichung unterscheiden. Dabei werden zwei verschieden Regelungsarten unterschieden (Mindestquotenregelung, Höchstquotenregelung).

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Der Zielwert gibt innerhalb einer Zielvereinbarungsgruppe einen vordefinierten Schwellenwert an, den der Vertragsarzt – abhängig von der Regelungsart – über- oder unterschreiten sollte.

Die Zielvereinbarungen wurden ab 2018 an die Arzneimittel-Richtwertsystematik angepasst und berücksichtigen zur Zielerreichung statt der DDD-Anteile der Wirkstoffe den Anteil der AT-Fälle im jeweiligen Ziel.

Die Ziele sind dabei jeweils einem bestimmten Arzneimittel-Therapiebereich (AT) nach der jeweils geltenden Richtwertvereinbarung zugeordnet und zeigen somit auf, durch welche Maßnahmen der jeweilige AT-Richtwert eingehalten werden kann.

Diese Regelung galt bis Ende 2017. Es wurden für die Zielvereinbarungsgruppe Leitsubstanzen definiert, die die Ärzte gegenüber den anderen Substanzen dieser Gruppe favorisieren sollten. Die Gruppe galt als erreicht, sobald der vorgegebene Zielwert eingehalten oder überschritten wurde.

Beispielhaft sei die Gruppe der Alphablocker-Monopräparate in der Prüfgruppe der Urologen erwähnt. Der Wirkstoff Tamsulosin sollte in der Gruppe der Alphablocker mindestens einen DDD-Anteil von 86 % ausmachen. So wurde eine kostengünstige und evidenzbasierte Therapie gefördert sowie bei gegebener Indikation die Wirtschaftlichkeit der Verordnung gesichert.

Verordnungen von Wirkstoffen, die medizinisch und hinsichtlich ihrer Kosten mit den Leitsubstanzen vergleichbar sind, wurden nicht zu Lasten des Arztes bewertet.

Bei dieser Regelungsart wird für die Zielvereinbarungsgruppe eine Kenngröße, zum Beispiel der Generikaanteil von Monopräparaten bei Analgetika der WHO Stufe III, aller Darreichungsformen im AT 23 (Buprenorphin, Hydromorphon, Fentanyl, Morphin, Oxycodon), definiert. Der Vertragsarzt sollte so verordnen, dass innerhalb dieser Gruppe der Zielwert der Kenngröße nicht unterschritten wird.

Bei dieser Regelungsart wird für die Zielvereinbarungsgruppe eine Kenngröße definiert, deren Verordnungsanteil auf einen prozentualen Höchstwert begrenzt sein soll. Der Vertragsarzt sollte so verordnen, dass innerhalb der Zielvereinbarungsgruppe der Zielwert der Kenngröße nicht überschritten wird.

Beispielhaft sei die Gruppe „Ezetimib und Statine (inkl. Kombinationen) im AT 10“ genannt, bei der ezetimibhaltige Arzneimittel je nach Richtwertgruppe nur bis zu einer bestimmten Höchstquote verordnet werden sollten.

Neben

  • Betriebsstättennummer
  • Berufsbezeichnung (Facharztbezeichnung, mit der Sie an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen)
  • Praxisanschrift sowie
  • ausgeschriebenem Vornamen und Zunamen der Mitglieder der Praxis einschließlich Titel

muss seit dem 1. Juli 2015 laut Arzneimittelverschreibungsverordnung auch

  • die Telefonnummer der Praxis zur Kontaktaufnahme für die Apotheken auf dem Rezept eingetragen werden.

In diesen Fällen darf der Apotheker seit dem 1. Juni 2016 ausnahmsweise das Rezept entgegennehmen und Ihnen bzw. dem Patienten das verordnete Mittel abgeben. Der Apotheker hat die Möglichkeit, die fehlenden Angaben zu ergänzen, ist aber nicht dazu verpflichtet. Die fehlenden Angaben führen nicht dazu, dass die Krankenkasse das Rezept retaxiert. Die Arzneimittelverschreibungsverordnung muss aber grundsätzlich beachtet werden.

Die Verpflichtung, den (kompletten) Vornamen auf dem Vertragsarztstempel zu führen, besteht laut Regelungen des Gesamtvertrages bereits seit langem. Bislang wurden Verordnungen, die bei den Angaben zum verordnenden Arzt nur die Initiale des Vornamens enthielten, von den Apotheken akzeptiert.

Nach der Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung wird die Aufnahme des Vornamens als Pflichtangabe ausdrücklich verlangt.

Nein. Unter Berufsbezeichnung ist die Facharztbezeichnung, mit der Sie an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, zu verstehen. Bei Ärzten, die keine Facharztbezeichnung haben, ist die Angabe „Arzt“ oder „Arzt in Weiterbildung“ ausreichend.

Der Apotheker darf nach Rücksprache mit dem Arzt seit dem 1. Juni 2016 bei Rezepten mit fehlender Berufsbezeichnung diese ausnahmsweise selber ergänzen und abzeichnen. Die Vorgaben der AMVV muss der Arzt aber trotzdem grundsätzlich beachten.

In den meisten Praxisverwaltungssystemen (PVS) können Sie die Einstellungen für den Aufdruck des Arztstempels auf das Rezept selbst konfigurieren, sodass eine entsprechende Änderung leicht möglich sein sollte. Bei Bedarf wenden Sie sich bitte an Ihr Systemhaus.

Das Formular für die Bestellung eines neuen Vertragsarztstempels finden Sie unten. Den Vertragsarztstempel erhalten Sie nach Fertigstellung direkt von der Stempelfirma zugesandt. Die Kosten werden entsprechend den gesamtvertraglichen Regelungen für den Vertragsarztstempel direkt mit dem Honorarkonto verrechnet.

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Ja, die Arzneimittelverschreibungsverordnung gilt gleichermaßen für GKV- und Privatrezepte.

Leider nein. Wenn der Name des verordnenden Arztes im Vertragsarztstempel erscheint, ist trotzdem eine zusätzliche Kennzeichnung des Namens erforderlich. Zum Beispiel durch eine Unterstreichung oder Fettdruck des Namens des verordnenden Arztes oder mit Hilfe eines zusätzlichen Namenstempels (Vor- und Zuname einschließlich Titel und Berufsbezeichnung).

Sollte der Name nicht im Vertragsarztstempel erscheinen, muss der verordnende Arzt auf der Verordnung ergänzt werden (Vor- und Zuname einschließlich Titel und Berufsbezeichnung). Dies kann zum Beispiel mit einem separaten Namensstempel erfolgen oder als Ausdruck über den PC. Für eine Übergangsphase auch handschriftlich (siehe oben). Sollte die Wahl auf einen separaten Namensstempel fallen, kann dieser allerdings nicht über die KVBW bestellt werden. Bitte beziehen Sie diesen selbst.

Neben

  • Betriebsstättennummer
  • Name des MVZ
  • Praxisanschrift und
  • Telefonnummer der Praxis

ist der

  • Vor- und Zuname, einschließlich Titel und Berufsbezeichnung, des verordnenden Arztes

auf dem Rezept aufzubringen.

Nein. Auch bei der Verordnung von Medizinprodukten (Medizinprodukte-Abgabeverordnung) muss seit dem 1. Juli 2015 die Telefonnummer auf dem Rezept angegeben werden. So wie nach wie vor bei der Verordnung von Betäubungsmitteln (siehe Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung).

Ja, bei der Verordnung von Sprechstundenbedarf gelten die gleichen Angaben wie bei den Verordnungen auf Namen des Patienten. Auch hier ist die Angabe der Telefonnummer zwingend erforderlich.

Nein. Die Vorgaben der Arzneimittelverschreibungsverordnung und der Medizinprodukte-Abgabeverordnung gelten nur für die oben genannten Arzneimittel und Medizinprodukte. Überweisungen müssen, da diese auch Vordrucke im Sinne des Bundesmantelvertrages sind, den Vertragsarztstempel und die persönliche Unterschrift des Arztes tragen. Die Telefonnummer gehört nicht zu den Pflichtangaben für Vertragsarztstempel nach den Regelungen des Gesamtvertrages. Demnach ist sie eine freiwillige Angabe.

Allerdings empfehlen wir dringend, einheitliche Stempel für alle Vordrucke zu verwenden, da dies im Praxisalltag praktikabler ist.

In den KVBW-Notfallpraxen wird die 116117 bzw. die gültige Rufnummer für den fachärztlichen Dienst aufgedruckt. Die Landesapothekerkammer sowie die DRK-Leitstellen erhalten eine Liste der vertraulich zu behandelnden Durchwahl-Nummern der Notfallpraxen. Bis zur technischen Umsetzung (Software) wird die Telefon-Nummer 116117 bzw. 01806… manuell auf das Rezept geschrieben.

Neben den oben genannten Pflichtangaben BSNR, Praxisadresse und Telefon­nummer:

  • Einzelpraxis: Vor- und Zuname des Vertragsarztes einschließlich Titels und Berufsbezeichnung
  • Berufsausübungsgemeinschaft:
    • Vor- und Zuname des Partners/der Partner einschließlich Titels und Berufsbezeichnung
    • bei mehreren Ärzten kann nach Nennung eines Vertragsarztes (oder mehrerer) mit „und Kollege/n“ ergänzt werden.
    • bei Berufsausübungsgemeinschaften mit Vertragsarztsitzen an mehreren Standorten: Zusatz „überörtliche BAG”/„ÜBAG”
  • Bei mehreren Vertragsärzten mit gleicher Facharztbezeichnung kann diese nach Nennung des Vor- und Zunamens der Vertragsärzte zusammengefasst werden („Fachärzte für …”).
  • MVZ: Name des MVZ, Vor- und Zuname des verordnenden Arztes einschließlich Titels und Berufsbezeichnung
  • Ermächtigte Krankenhausärzte: Vor- und Zuname des ermächtigten Arztes einschließlich Titels und Berufsbezeichnung, Name des Krankenhauses
  • Institut: Name der Einrichtung oder des Krankenhauses
  • Die lebenslange Arztnummer (LANR) muss nicht im Vertragsarztstempel erscheinen, darf aber als freiwillige Angabe aufgeführt werden.

­­Ja. Auch hier müssen die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden, und angestellte Ärzte dürfen hier ab dem 1. Januar 2017 mit eingetragen werden.

Für sie gelten die gleichen Regeln wie für angestellte Ärzte. 

Ja, wenn es aus Platzgründen nicht anders geht, empfehlen wir, mehrere Praxisstempel anzulegen/anzuschaffen (siehe hierzu Name im Vertragsarztstempel und korrekter Vertragsarztstempel).

Die Kommunikation der Apothekerverbände ist gleichlautend mit der der KVBW.

Die Änderungen der AMVV hat das Bundesgesundheitsministerium Ende 2014 beschlossen. Die Angaben der Kontaktdaten des ausstellenden Arztes auf der Verordnung sollen den Apothekern Rückfragen erleichtern.

Zum 1. Januar 2017 tritt eine neue Vereinbarung über den Vertragsarztstempel zwischen der KVBW und den Verbänden der Krankenkassen in Kraft. Mit der neuen Vereinbarung ändern sich die freiwilligen Angaben, die auf dem Vertragsarztstempel geführt werden dürfen.

Der Vertragsarztstempel darf jetzt folgende freiwillige Angaben enthalten:

  • die lebenslange Arztnummer
  • Vor- und Zuname des angestellten Arztes einschließlich des Titels und der Berufsbezeichnung
  • die Schwerpunktbezeichnung des Arztes, für die eine Zulassung/Ermächtigung/ Anstellungsgenehmigung durch das Zulassungsgremium ausgesprochen wurde
    (z. B. Facharzt für Innere Medizin – Kardiologie)
  • das Richtlinienverfahren, mit dem der Psychologische Psychotherapeut an der vertragsärztlichen Versorgung teilnimmt (Tiefenpsychologisch fundierte Therapie, Analytische Psychotherapie, Verhaltenstherapie)
  • Zusatzbezeichnung (z. B. Suchtmedizin), sofern diese Qualifikation im Arztregister hinterlegt ist und eine Kompatibilität zur geführten statusrelevanten Facharztbezeichnung gegeben ist. Bei genehmigungspflichtigen Leistungen (z. B. Akupunktur, Geriatrie, Homöopathie) darf die Zusatzbezeichnung nur auf dem Stempel geführt werden, wenn eine entsprechende Genehmigung von Seiten der KVBW erteilt wurde.  

Beispiele, wie Vertragsarztstempel für verschiedene Praxiskonstellationen aussehen können, finden Sie hier: Übersicht Vertragsarztstempel.

Der Vertragsarztstempel darf seit dem 1. Januar 2017 als freiwillige Angabe auch den angestellten Arzt in der Vertragsarztpraxis  enthalten.

Der angestellte Arzt in einer Vertragsarztpraxis muss auf dem Vertragsarztstempel als solcher kenntlich gemacht werden, indem unter Name und Berufsbezeichnung der Zusatz „Anstellung“ oder „angestellter Arzt“ ergänzt wird. In diesem Fall sind die zugelassenen Vertragsärzte mitanzugeben oder alternativ ein zugelassener Vertragsarzt mit dem Zusatz „und Kollege/n“.

Der Vertragsarztstempel muss immer die Pflichtangaben des Vertragsarztes enthalten. Der angestellte Arzt darf nur zusätzlich genannt werden.

Demnach kann der Stempel wie folgt aufgebaut sein:

Betriebsstättennummer
Dr. med. Max Mustermann
FA für Allgemeinmedizin
Dr. med. Klaus Beispiel
FA für Innere Medizin
angestellter Arzt
Hauptstr. 1 – 12345 Musterstadt
Tel. 0 12 34 / 1 23 45, Fax: 2 34 56

Psychologische Psychotherapeuten können dann neben der Pflichtangabe der Fachgebietsbezeichnung nach Zulassungsbeschluss (Psychologischer Psycho­therapeut) auf dem Vertragsarztstempel als freiwillige Angabe auch das Richtlinienverfahren aufführen, mit dem sie an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen (Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Analytische Psychotherapie, Verhaltenstherapie).

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die fixe Kombination aus Dipyridamol plus ASS bewertet. Danach hat die Kombinationsbehandlung keinen Zusatznutzen gegenüber einer Monotherapie mit einem Thrombozytenaggregationshemmer (ASS oder Clopidogrel). Es zeigte sich sogar ein Beleg für einen größeren Schaden – zum Beispiel häufig auftretende schwere Blutungen – unter der Kombinationsbehandlung gegenüber der Monotherapie.

Aus diesem Grund wurde die Kombination aus Dipyridamol plus ASS gegenüber der Monotherapie mit einem Thrombozytenaggregationshemmer (ASS oder Clopidogrel) als therapierelevant unterlegen und damit als unzweckmäßig eingestuft. Das Arzneimittel Aggrenox® sowie alle generisch verfügbaren Kombinationen aus Dipyridamol und ASS sind daher seit dem 1. April 2014 nicht mehr zu Lasten der GKV verordnungsfähig. Als zweckmäßige Vergleichstherapie und regelmäßig vorzuziehende Therapie nennt der G-BA die Monotherapie mit ASS.

Letzte Aktualisierung: 17.10.2018