AU-Bescheinigung & Quarantäne

Krankschreibung in Zeiten von Corona

Nicht immer ist für die AU-Feststellung eine körperliche Untersuchung notwendig. Gerade in Zeiten erhöhter Ansteckungsgefahr ergänzen Fernbehandlungen die medizinische Versorgung in der Arztpraxis sinnvoll. Rechtlich gilt: Bei der Befund­erhebung, Beratung und Behandlung gilt die ärztliche Sorgfaltspflicht, auch wenn die Kommunikation ausschließlich per Telefon oder Videosprechstunde läuft.

AU-Bescheinigung per Videosprechstunde oder Telefon

Krankschreibung ohne Praxisbesuch

Ausnahme wegen Corona: Die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit per Telefon ist befristet bis vorerst 31. März 2021 wieder möglich: Mehr erfahren »

Unabhängig von der Coronavirus-Pandemie erlaubt die gelockerte Arbeits­unfähigkeits-​Richtlinie die Feststellung einer AU per Video: Mehr erfahren »

Video-Anamnese mit AUTelefon-Anamnese mit AU
nur bekannte Patientenalle
maximal 7 Tage (Erstbescheinigung)
Folgebescheinigung nur bei vorherigem PraxisbesuchFolgebescheinigung per Telefon einmalig für weitere 7 Tage möglich
alle Erkrankungen, falls per Video feststellbarausschließlich Infekte der oberen Atemwege mit leichter Symptomatik
  • Grund- oder Versichertenpauschale
  • ggf. Gesprächsleistung
  • GOP 01450 Zuschlag je Videokontakt
  • GOP 88220 (falls nur Video-Kontakt im Quartal)
  • GOP 40128 Porto für Versand der AU
  • GOP 40129 Porto für Versand Muster 21
  • GOP 01435 Bereitschaftspauschale (falls nur Telefon-Kontakt im Quartal)
  • Pseudo-GOP 88122 Porto für den Versand der AU oder Muster 21
AU-Richtlinie (dauerhaft)Corona-Sonderregel (befristet)

eGK-Daten bei Kontakt nur per Telefon oder Video

  • Patient ist der Praxis bekannt, war im Quartal noch nicht da: Versichertendaten aus der Patientenakte übernehmen.
  • Patient war noch nie in der Praxis: Versichertendaten erfragen bzw. den Patienten auffordern, seine eGK in die Kamera zu halten und den Versicherungsschutz mündlich zu bestätigen. Zu erfassen sind:
    • Name, Vorname / Wohnort (PLZ) / Geburtsdatum / Krankenkasse / Versichertenstatus (M, F, R)

  • KBV-Praxisinfo Coronavirus: In welchen Fällen das Einlesen der eGK entfällt

AU-Bescheinigung bei Quarantäne

Bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus wird Betroffenen häufig empfohlen, zu Hause zu bleiben. Die Gesundheitsämter ordnen mitunter eine Quarantäne an. Auch Arbeitgeber schicken zunehmend Mitarbeiter nach Hause, die unmittelbaren oder mittelbaren Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Mit oder ohne Symptome? Diese Frage entscheidet darüber, ob der Patient, der sich in Quarantäne oder in häuslicher Isolation befindet, einen AU-Schein bekommt.

Keine Krankschreibung ohne Krankheit

Nur, wenn der Betroffene tatsächlich krank ist, stellt der Arzt eine AU-Bescheinigung aus. Bei Arbeitsunfähigkeit ist trotz Quarantäne eine AU-Bescheinigung erforderlich. Grundsätzlich gilt:

Patient zeigt Symptome (z. B. Husten, Fieber) AU-Bescheinigung
Patient zeigt keine Symptome  keine AU-Bescheinigung

Korrekt krankschreiben bei Corona-Verdacht

Praxismitarbeiter unter Quarantäne – wie Sie Entschädigung bekommen

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Die Regelungen und ihre Geltungsdauer haben wir für Sie auf einer eigenen Unterseite aufgelistet: Sonderregelungen

Die KBV hat eine thematisch geordnete Übersicht zu den Sonderregelungen für die ambulante Versorgung, die bundesweit gelten, zusammengestellt. Hier werden die einzelnen Regelungen kurz erläutert. Die Übersicht wird stetig aktualisiert.

Dokumente zum Download

Mehr zum Thema

Nein. Das Formular Muster 21 (landläufig „Kinderkrankenschein“ bzw.  „Kinderkrankmeldung“) darf ausschließlich im Erkrankungsfall des Kindes ausgestellt werden.

Sonderregelung Kinderkrankengeld für das Kalenderjahr 2021

Anspruch auf Kinderkrankengeld haben gesetzlich Versicherte mit einem Kind unter zwölf Jahren oder einem behinderten Kind, wenn sie selbst – also kein anderer im Haushalt – dieses Kind beaufsichtigen, betreuen oder pflegen müssen. Bei weiteren Kindern erhöht sich der Anspruch.

Anspruch pro Elternpaar * / Alleinerziehendem bei

  • 1 Kind: regulär bis zu 20, im Jahr 2021 bis zu 40 Arbeitstage
  • 2 Kindern: regulär bis zu 40, im Jahr 2021 bis zu 80 Arbeitstage
  • 3 Kindern oder mehr: regulär bis zu 50, im Jahr 2021 bis zu 90 Arbeitstage

* bei Elternpaaren, wenn beide gesetzlich krankenversichert sind

Nachweis auf Verlangen der Krankenkasse

  • bei Erkrankung eines Kindes: durch ärztliche Bescheinigung (Muster 21)
  • bei Schließung Schule/Kita ohne Erkrankung des Kindes: durch Bestätigung der Schule oder Kita

Der erweiterte Anspruch auf Kinderkrankengeld wegen der Corona-Pandemie gilt rückwirkend ab 5. Januar und befristet auf 2021. Die gesetzlichen Änderungen im SGB III und SGB V haben Bundestag und Bunderat bereits beschlossen.

Nein. Wenn das Kind gesund ist, benötigen Eltern keine ärztliche Bescheinigung für den Bezug des Kinderkrankengelds, sondern eine Bestätigung der Schule oder Kita über die Schließung, sofern die Krankenkasse dies verlangt.

Die Ausübung beruflicher Tätigkeiten gilt als triftiger Grund zum Aufenthalt außerhalb der eigenen Wohnung. Unten finden Sie eine Mustervorlage für einen Passierschein, mit dem Sie Ihren Mitarbeiterinnen bestätigen können, dass sie in einer Praxis angestellt sind und zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung ihren Arbeitsplatz erreichen müssen.

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Ja. Die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit per Telefon für bis zu 7 Kalendertage bei einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege ist befristet bis vorerst 31. März 2021 wieder möglich. Der G-BA hat sich aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen auf eine erneute Sonderregelung verständigt. 

Die Kosten für den postalischen Versand der AU-Bescheinigung werden von den Krankenkassen mit 90 Cent übernommen. Rechnen Sie dazu die Pseudo-GOP 88122 für das Porto ab.

Ja, Vertragsärzte dürfen die Arbeitsunfähigkeit von Versicherten auch per Videosprechstunde feststellen. Außerdem ist die telefonische AU-Bescheinigung befristet ab 19. Oktober vorerst bis 31. März 2021 wieder möglich.

Voraussetzungen für Video-AU

  • Versicherter ist der behandelnden Arztpraxis bekannt
  • Krankheitsbild lässt Untersuchung per Videosprechstunde zu
  • Erstbescheinigung maximal für sieben Kalendertage 
  • Folgekrankschreibung per Video nur zulässig, wenn die vorherige Krankschreibung nach persönlicher Untersuchung ausgestellt wurde.

Ein Anspruch der Versicherten auf eine AU-Bescheinigung per Videosprechstunde besteht jedoch nicht. Hintergrund der Regelung zur Video-AU ist die berufsrechtliche Lockerung des Verbots der ausschließlichen Fernbehandlung (nicht die Corona-Pandemie).

AU-Bescheinigung per Telefon

Die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit per Telefon für bis zu 7 Kalendertage bei einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege ist befristet ab 19. Oktober 2020 bis vorerst 31. März 2021 wieder möglich. Der G-BA hat sich aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen auf eine erneute Sonderregelung verständigt (mehr erfahren »).

Nein. Menschen ohne Krankheitszeichen stellt der Arzt keine AU-Bescheinigung aus. 

Auch wenn die Sorge bei Risikogruppen berechtigt sein mag, ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht der richtige und zulässige Weg, wenn der Krankheitswert, der zur Arbeitsunfähigkeit führt, fehlt.

Der Arbeitgeber kann und muss mit seinem Arbeitnehmer aufgrund seiner Fürsorgepflicht abstimmen, wie er mit diesem Risiko umgeht. In Frage kommen (unbezahlte/bezahlte) Freistellung, Urlaubs- oder Gleitzeitabbau. Ein berufliches Tätigkeitsverbot kann nur das Gesundheitsamt aussprechen. Dieses kommt jedoch erst bei Verdacht oder Infektion in Betracht. Unbenommen hiervon ist das Beschäftigungsverbot aufgrund ärztlichen Attests nach Mutterschutzgesetz.

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Zum Versorgungsauftrag gehört, bei eigener Abwesenheit die Patientenversorgung zu regeln. Es gelten die Vorgaben der Zulassungsverordnung (Ärzte-ZV) und der Vertreterrichtlinie der KV Baden-Württemberg.

Eine Vertretung ist grundsätzlich nur im Rahmen der gesetzlich vorgegebenen Vertretungsgründe möglich. Wird Ihre Praxis vorübergehend geschlossen, müssen Ihre Patienten wissen, an wen sie sich wenden können. Ein pauschaler Verweis auf die umliegenden Ärzte, die Notfallpraxis, eine Krankenhausambulanz bzw. ein Krankenhaus, ermächtigte Ärzte oder die 116 117 ist nicht zulässig. Den Patienten ist ein konkreter Vertreter zu benennen (oder mehrere). Stimmen Sie bitte die kollegiale Vertretung mit den benannten Praxen ab und denken Sie daran, Ihre Abwesenheit der KV zu melden. Bitte vermerken Sie auf der Abwesenheits- / Vertretermeldung „Corona-Pandemie“ als Grund für die Praxisschließung.

Gerne unterstützen wir Sie auch bei der Suche nach einem externen Vertreter über die Vertreterbörse der KVBW.

Es gibt kein anderes Vorgehen, als wenn die Praxis aus anderen Gründen geschlossen wird, beispielsweise wegen Urlaub. Das bedeutet, dass Sie einen Vertreter organisieren und der KV melden müssen. 

Wird die Praxis geschlossen, müssen Ihre Patienten wissen, an wen sie sich wenden können. Ein pauschaler Verweis auf die umliegenden Ärzte, die Notfallpraxis, ein Krankenhaus bzw. die Krankenhausambulanz oder die 116 117 ist nicht zulässig. Benennen Sie den Patienten einen oder mehrere konkrete Vertreter durch einen entsprechenden Aushang an der Praxis und einen Hinweis auf dem Anrufbeantworter bzw. eine Information auf der Homepage. Stimmen Sie die kollegiale Vertretung unbedingt mit den benannten Praxen ab.

Gerne unterstützen wir Sie auch bei der Suche nach einem externen Vertreter über die Vertreterbörse der KVBW.

Bitte vermerken Sie auf der Abwesenheits- / Vertretermeldung „Corona-Pandemie“ als Grund für die Praxisschließung.

Bei positiver Testung innerhalb des Praxisteams verfügt das Gesundheitsamt eine Quarantäneanordnung. Die Quarantäneanordnung bezieht sich auf einen einzelnen Arzt oder einen einzelnen nichtärztlichen Mitarbeiter, nicht pauschal auf das gesamte Praxisteam (alle Ärzte und alle nichtärztlichen Mitarbeiter in der Praxis). Das bedeutet somit für eine Praxis, insbesondere mit mehreren Ärzten und mehreren nichtärztlichen Mitarbeitern, dass diese Praxis auch faktisch nicht geschlossen werden muss, sondern weitergeführt werden kann.

Nein. In diesem Fall ist keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auszustellen. Für das Ausstellen einer AU-Bescheinigung muss zwingend eine Krankheit vorliegen.

Erkrankte Mitarbeitende sollten unbedingt der Arbeit fernbleiben und haben aufgrund ihrer Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Lohnfortzahlung. Bleibt jemand aus Angst vor Ansteckung zuhause, ohne dass dies behördlich angeordnet oder mangels arbeitgeberseitiger Schutzmaßnahmen gerechtfertigt ist, so besteht für diese Zeit mangels Arbeitsunfähigkeit kein Anspruch auf Lohn.

Rücksprache mit dem Gesundheitsamt

Der Patient, der noch keine Symptome hat, kann sich beim Gesundheitsamt melden und schildern, warum er der Ansicht ist, dass er besser nicht zur Arbeit gehen sollte. Das Gesundheitsamt gibt dann gegebenenfalls die Empfehlung, prophylaktisch vom Arbeitsplatz fernzubleiben.

Diese mündliche Empfehlung hat keinerlei rechtsverbindlichen oder anordnenden Charakter. Das Gesundheitsamt stellt in diesem Fall keine Bescheinigung aus. Der Arbeitgeber des betreffenden Patienten, der von dieser Empfehlung des Gesundheitsamtes erfährt, kann dann entscheiden, den Patienten freizustellen. Er zahlt dann das übliche Arbeitsentgelt weiter. Ein Entschädigungs­anspruch nach dem Bundes­infektionsschutz­gesetz besteht in diesem Fall nicht.

Hiervon ist die Situation zu unterscheiden, die zurzeit deutlich seltener vorkommt: Wenn das zuständige Gesundheitsamt bei entsprechend konkreten Verdachtsfällen ein sogenanntes Tätigkeitsverbot ausspricht (§ 31 Infektionsschutzgesetz), stellt das einen Verwaltungsakt dar, der wiederum bezüglich des Verdienstausfalls Entschädigungsansprüche auslöst (§ 56 Infektionsschutzgesetz).

Letzte Aktualisierung: 29.01.2021