FAQ Schutzimpfungen

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Die Leistungspflicht in Bezug auf Impfungen (GKV / Arbeitgeber / privat) ist in Anlage 1 der Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) geregelt.

Die Systematik von Anlage 1 SI-RL ist wie folgt:

  • Spalte 1 (Impfung gegen) enthält die in der SI-RL geregelten Impfungen.
  • Spalte 2 (Indikation) enthält die zulasten der GKV durchführbaren Standard- und Indikationsimpfungen (sogenannte Pflichtleistungen). Anmerkung: Impfung als GKV-Pflichtleistung bei den hier angegebenen Indikationen.
  • Spalte 3 (Hinweise zu den Schutzimpfungen) enthält Hinweise zu Einschränkungen und Ausschlüssen wie z. B. bei berufsbedingten Impfungen, die von der Praxis privat verordnet und abgerechnet werden. Bei Berufsgruppen, die in Spalte 3 genannt sind, hat der Arbeitgeber als Kostenträger Vorrang, d. h. er ist verpflichtet, die Kosten für Impfstoff und Impfung zu tragen; es besteht kein Leistungsanspruch gegenüber der GKV.
  • Spalte 4 (Anmerkungen) enthält weitere Erläuterungen bzw. Konkretisierungen zu den Spalten 2 und 3.

Die Krankenkassen bieten in Baden-Württemberg über die Schutzimpfungs-Richtlinie hinaus Impfungen gegen Influenza und Hepatitis B für alle ihre Versicherten als Satzungsleistungen an. Diese basieren auf einer Empfehlung des baden-württembergischen Sozialministeriums.

Dokumente zum Download

Die Verordnung der meisten Impfstoffe erfolgt über Sprechstundenbedarf (SSB) (siehe Impfziffern). Ausnahmen hiervon sind:

Muster 16 auf den Namen des Patienten:

  • Influenza-Impfstoffe bei Gesunden < 60 Jahren ohne Impfindikation (Satzungsleistung)
  • monovalente Hepatitis-B-Impfstoffe zur Grundimmunisierung bei gesunden Erwachsenen ohne Impfindikation (Satzungsleistung) (im Gegensatz dazu wird der Hepatitis-A/B-Kombinationsimpfstoff Twinrix® über SSB bezogen)
  • HPV-Impfung für Mädchen und junge Frauen im Alter von 9 – 17 Jahren
  • postexpositionelle Impfungen

Privatrezept (und Privatabrechnung nach GOÄ):

  • Tollwut-Impfung präventiv
  • private Reiseimpfungen (Cholera, Gelbfieber, Typhus) sowie Impfungen gegen Hepatitis A und Meningokokken ACWY, sofern keine Indikation nach Anlage 1 SI-RL vorliegt, auch bei Pilgerreisen nach Mekka
  • Impfungen zulasten des Arbeitgebers (siehe Anlage 1 SI-RL, 3. Spalte)
  • Impfungen für Versicherte von Krankenkassen, die den Schutzimpfungs­vereinbarungen nicht beigetreten sind (Pflicht­leistungen und Satzungs­leistungen: BKK EVM; nur Satzungsleistungen: BKK Karl Mayer, BKK Mobil Oil, BKK VBU, Heimat Kranken­kasse und IKK gesund plus).

Unabhängig von Rabatt­status und Verordnungs­weg müssen Impfstoffe unter Angabe des Produktnamens verordnet werden.

Für die korrekte Kassenabrechnung sowohl von Impfstoff-Verordnungen über Sprechstundenbedarf (SSB) als auch vom übrigen SSB ist es unbedingt erforderlich, dass das vertraglich vereinbarte spezifische Kostenträger-Institutionskennzeichen (IK, siehe Tabelle 2) im Feld „Kostenträgerkennung” 9-stellig auf dem Rezept aufgedruckt wird. Das Feld „Krankenkasse bzw. Kostenträger” wird entsprechend automatisch befüllt (siehe Ausfüllhilfe Muster 16).

Tabelle 1: Regionale IK-Nummern für Verordnungen von Impfstoffen (über SSB) und SSB ingesamt

RegionNordbadenSüdbadenNordwürttembergSüdwürttemberg
IK107018414108095249107815727

107815807

Wenn Impfungen zulasten der GKV durchgeführt werden, müssen diese sorgfältig dokumentiert werden. Zu diesem Zweck hat der Gemeinsame Bundesausschuss zahlreiche Dokumentationsnummern als Anlage 2 der Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL) zusammengestellt (G-BA: Schutzimpfungs-Richtlinie). Der Einfachheit halber werden diese Ziffern in den meisten Bundesländern (einschließlich Baden-Württemberg) gleichzeitig als Abrechnungsziffern (Impfziffern) verwendet.

Die Vielzahl an Dokumentationsziffern ermöglicht es beispielsweise dem Robert-Koch-Institut, differenzierte Auswertungen vorzunehmen, die nicht nur den Durchimpfungsgrad einer Population, sondern auch die Vollständigkeit von Impfserien und die Häufigkeit von Auffrischimpfungen beziffern können (vgl. Epidemiologisches Bulletin 1/2013 (Impfquote der Varizellen-Impfung) und 1/2016 (Impfquoten der Masern-, HPV- und Influenza-Impfung). Diese Auswertungen können wiederum die Basis für eine Anpassung der Impfempfehlungen liefern.

Bei den Impfziffern steht der Buchstabe A für die erste/n Dosis/Dosen und B für die letzte Dosis einer Impfserie (Grundimmunisierung), der Buchstabe R kennzeichnet eine Auffrischimpfung (Beispiel FSME-Impfung: 89102 A/A/B/R). Eine umfassende Übersicht der im Praxisalltag gebräuchlichen Impfziffern sowie die vereinbarten Vergütungssätze finden Sie unten bei den Dokumenten zum Download.

Die Abrechnung der Impfleistung erfolgt mit den gleichen Impfziffern wie bei Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen, die der Schutzimpfungsvereinbarung beigetreten sind (siehe unten). Hingegen ist der Verordnungsweg je nach sonstigem Kostenträger unterschiedlich geregelt (siehe unten).

Treten Sie mit anderen umliegenden Apotheken in Kontakt, ob die Lieferschwierigkeiten nur vorübergehend sind oder ob der Impfstoff vielleicht durch eine andere Apotheke bezogen werden kann. Aufgrund unterschiedlicher Großhändler kann es auch in nahe beieinander liegenden Apotheken zu verschiedenen Liefersituationen kommen.

Über Lieferengpässe seitens des Herstellers informiert das Paul-Ehrlich-Institut auf seiner Homepage in einer Übersicht. Die in der Übersicht aufgeführten Impfstoffe können durch den Zulassungsinhaber nicht im üblichen Umfang ausgeliefert werden. Dort erhalten Sie auch alternative Impfoptionen oder Handlungshinweise der STIKO, wenn kein Impfstoff mit gleicher Antigenzusammensetzung verfügbar ist.

Externe Links

Die Verordnungswege und Abrechnungsziffern für Hepatitis-B-Impfungen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst (siehe auch Dokumente zum Download).

Tabelle 2: Verordnungswege und Abrechnungsziffern bei der Hepatitis-B-Impfung

Art der ImpfungPatientVerordnungAbrechnung (Impfziffer)
PflichtleistungGrundimmunisierung bei Kindern bzw. JugendlichenSSB89106 A/B
Pflichtleistung
(Indikations-Impfung)

Chronisch Kranke mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, z. B. Hepatitis-C-Positive, Dialysepatienten

SSB89107 A/B/R
(Dialyse: 89108 A/B/R)
Personen mit erhöhtem nichtberuflichen Infektionsrisiko z. B. i.-v.-Drogenkonsumenten
Personen mit erhöhtem beruflichen Infektionsrisiko, die nicht unter die Arbeitgeberleistung (s. u.) fallen, z. B. Ersthelfer, Gefängnispersonal
Satzungsleistung
(nur in Baden-Württemberg)
Erwachsene ohne chronische Krankheit (s. o.) und ohne erhöhtes InfektionsrisikoMuster 16 auf Namen des Patienten89132
ArbeitgeberleistungPersonen mit erhöhtem beruflichen Infektionsrisiko: medizinisches Personal, Beschäftigte im Notfall- und Rettungsdienst (nicht ehrenamtlich), Pathologie, Laborprivatprivat

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Die Grundimmunisierung ist auf Basis eines Schriftwechsels mit den Krankenkassen alters- und indikationsunabhängig zulasten der GKV möglich, die Verordnung erfolgt über SSB und die Abrechnung mit 89202 A für die erste und zweite Impfdosis sowie mit 89202 B für die dritte Impfdosis. Ausgenommen sind diejenigen Fälle, in denen der Arbeitgeber in der Pflicht ist, die Kosten zu tragen (siehe Spalte 3 in Anlage 1 Schutzimpfungs-Richtlinie Anlage 1).

Eine Auffrischimpfung mit Twinrix® wird nach heutigem Kenntnisstand für immunkompetente Personen nicht empfohlen. Im Fall einer geplanten Auslandsreise ist die Impfung privat durchzuführen.

Eine SSB-Verordnung für eine Auffrischimpfung ist nur bei Vorliegen von Indikationen gemäß Anlage 1 SI-RL (z. B. chronisch leberkranke Patienten) möglich. Die Abrechnung erfolgt mit der GOP 89202 B, da eine „Auffrischziffer” (R-Ziffer) nicht existiert.

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Im Rahmen von Pflichtleistungen gemäß der Schutzimpfungs-Richtlinie werden Grippeimpfstoffe über Sprechstundenbedarf (SSB) bezogen.

Bei Grippeimpfungen als Satzungsleistung (d. h. Gesunde unter 60 Jahren ohne Impfindikation) werden Impfstoffe auf Namen des Patienten (Muster 16) verordnet.

Tabelle 3: Verordnungswege und Abrechnungsziffern bei der Grippeimpfung

Art der ImpfungPatient Ver­ordnungAb­­rech­nung (Impfziffer)
Pflichtleistung (Standardimpfung)Alle Patienten ab 60 JahrenSSB89111
Pflichtleistung (Indikationsimpfung)

Schwangerschaft
Chronisch Kranke < 60 Jahren mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, z. B. bei Asthma, COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankung, Diabetes mellitus, MS, Immundefekt,
Bewohner in Alters- oder Pflegeheimen, Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können, Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko, z. B. medizinisches Personal, Beschäftigte in Einrichtungen mit Publikumsverkehr

SSB89112
Satzungsleistung (nur in Baden-Württemberg)Personen < 60 Jahren ohne chronische Krankheit (s. o.) und ohne Impfindikationauf Namen des Patienten89133
ArbeitgeberleistungBeschäftigte in Labors mit Kontakt zu Influenza-Virenprivatprivat

In diesen Fällen hat die Impfziffer für die Standardimpfung (89111) Vorrang vor der Indikationsziffer (89112).

Bei der ersten Impfdosis sollte nach heutigem Kenntnisstand die MMR- und Varizellen-Impfdosis zwar gleichzeitig, jedoch an getrennten Impforten verabreicht werden (GOPs 89301 A und 89125 A), da dies im Vergleich zur 4-fach-Kombination besser verträglich sein soll. Die zweite Impfdosis kann mit dem MMRV-Kombinations­impfstoff erfolgen (GOP 89401 B).

Die Pneumokokken-Standardimpfung bei Säuglingen/Kleinkindern erfolgt gemäß STIKO-Empfehlung mit einem Konjugatimpfstoff.

Für gesunde Personen ab 60 Jahren (Standardimpfung) ist laut Anlage 1 zur SI-RL der 23-valente Polysaccharidimpfstoff anzuwenden. Gegebenenfalls kann nach individueller Indikationsstellung im Abstand von mindestens 6 Jahren eine Wiederholungsimpfung ebenfalls mit dem Polysaccharidimpfstoff erfolgen. Für die Wiederholungsimpfung wurde mit Inkrafttreten der aktuellen SI-RL vom 20. Mai 2017 auch eine neue Impfziffer (89119 R) eingeführt.   

Neu ist in der aktuellen SI-RL auch die Durchführung einer sequenziellen Impfung für alle Personen, die im Rahmen einer Indikationsimpfung geimpft werden sollen. Erst wird der 13-valente Konjugatimpfstoff angewendet, daraufhin folgt 6-12 Monate später die Impfung mit dem 23-valenten Polysacharidimpfstoff (zweimalige Abrechnung der GOP 89120). Ausnahme sind Personen ab 16 Jahren mit pneumologischen, endokrinologischen oder neurologischen Krankheiten, diese erhalten nur eine Impfung mit dem Polysaccharidimpfstoff.
Eine Wiederholungsimpfung mit dem Polysaccharidimpfstoff soll in allen Risikogruppen nach mindestens 6 Jahren durchgeführt werden.

Bei beruflichen Tätigkeiten, die zu einer Exposition gegenüber Metallrauchen einschließlich metalloxidischen Schweißrauchen führen (außer Schweißen und Trennen von Metallen = Arbeitgeberleistung) kann der 23-valente Impfstoff zu Lasten der GKV abgerechnet werden.

Sofern eine Pneumokokken-Impfung zulasten der GKV erbracht werden kann, erfolgt der Bezug immer über den Sprechstundenbedarf (SSB).

Pertussis

Eine Einmaldosis bei Erwachsenen wird medizinisch empfohlen und kann als Standardimpfung über die Kasse verordnet und abgerechnet werden.

Da derzeit kein monovalenter Pertussis-Impfstoff auf dem Markt ist, muss diese Einmaldosis im Rahmen einer Tetanus-Diphtherie-Auffrischung als Impfung gegen Tdap (GOP 89303 R) oder Tdap-IPV (GOP 89400 R, s. u.) verabreicht werden.

Eine Tdap-Kombinationsimpfung kann auch dann verabreicht werden, wenn eine vorangegangene Td-haltige Impfung weniger als fünf Jahre zurückliegt. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass impfbedingte Nebenwirkungen nicht signifikant häufiger auftreten, wenn der zeitliche Abstand zwischen einer Td-haltigen Impfung und einer Tdap-Impfung geringer als fünf Jahre ist (Epidemiol Bull 2009; 33: 340).

Polio

Wenn die Auffrischimpfung im empfohlenen Alter von 9 bis 17 Jahren versäumt wurde, kann im Erwachsenenalter eine einmalige Polio-Impfdosis verabreicht werden – entweder monovalent (GOP 89122 R) oder in Kombination mit Td (GOP 89302 R) bzw. Tdap (GOP 89400 R, s. o.). Darüber hinaus kann eine Polio-Auffrischimpfung zulasten der GKV durchgeführt werden, wenn eine Reise in Regionen mit Infektionsrisiko (siehe Polio-Link unten) geplant ist (einzige GKV-Reiseimpfung!). Gleiches gilt für die Impfung von Aussiedlern, Flüchtlingen und Asylbewerbern, die in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und die aus einem Gebiet mit Polio-Risiko (z. B. Syrien) eingereist sind.

Der Impfstoff wird über den Sprechstundenbedarf bezogen (hinsichtlich Impfstoffauswahl bestehen keine Einschränkungen). Die Impfung wird mit der GOP 89127 A (erste Dosis/Dosen einer Impfserie) und GOP 89127 B (letzte Dosis einer Impfserie) abgerechnet und wie die übrigen Einfachimpfungen vergütet.

Die erste Impfung sollte möglichst frühzeitig erfolgen und ist bereits ab dem Alter von sechs Wochen möglich. Je nach verwendetem Impfstoff sind zwei bzw. drei Impfdosen zur Grundimmunisierung erforderlich. Der Mindestabstand zwischen den Impfdosen sollte vier Wochen betragen. Die Impfserie sollte je nach Impfstoff möglichst bis zum Alter von 16 bzw. 20 – 22 Wochen abgeschlossen sein, spätestens aber bis zum Alter von 24 bzw. 32 Wochen.

Im Praxisalltag kann es vorkommen, dass eine Standardimpfung einer gesunden Person außerhalb des von der Schutzimpfungs-Richtlinie empfohlenen Alters geplant ist. Der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, ab bzw. bis zu welchem Alter die entsprechenden Standardimpfungen als Nachholimpfung (= Grundimmunisierung bzw. Komplettierung einer unvollständigen Impfserie bei Kindern und Jugendlichen) zulasten der GKV möglich sind. (Für Indikationsimpfungen gelten diese Altersbereiche nicht, da diese – abgesehen von Einschränkungen in der Zulassung – altersunabhängig durchgeführt werden können.)

Tabelle 4: Zulässige Altersbereiche für Standardimpfungen

Standard­impfung gegenAlter, in dem die Standardimpfung zulasten der GKV verordnungs- und abrechnungsfähig ist
Impfziffer (Standard­impfung)

Rechts­grundlage
Haemophilus influenzae B (Hib)STIKO-Empfehlung nur bis zum 5. Lebensjahr89103 A/BSTIKO­-Empfehlung
Hepatitis BNachholimpfung bis zum 18. Lebensjahr als Pflichtleistung möglich (Bezug über SSB)89106 A/B§ 11 Abs. 2
Schutzimpfungs­richtlinie (SI-RL)
HPVMädchen und junge Frauen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Nachholimpfung bis zum 18. Lebensjahr* als Pflichtleistung möglich, Abschluss der Impfserie innerhalb von maximal 12 Monaten.89110 A/BAnlage 1 SI-RL
MMRNachholimpfung bis zum 18. Lebensjahr möglich. Einmalige Impfung für alle nach 1970 geborenen Personen ≥ 18 Jahre mit unvollständigem / unklarem Masern-Impfschutz bzw. zweimalige Impfung für unvollständig gegen Röteln geimpfte Frauen im gebärfähigen Alter89301 A/B§ 11 Abs. 2
SI-RL
Anlage 1 SI-RL
Meningokokken CNachholimpfung bis zum 18. Lebensjahr möglich89114§ 11 Abs. 2
SI-RL
Pneumokokken

2 Monate bis 2. Lebensjahr

Ab dem 61. Lebensjahr als einmalige (Standard-)Impfung möglich

89118 A/B

89119

Anlage 1 SI-RL, aktuelle STIKO-Empfehlung i. V. m. § 11 Abs. 1 SI-RL
Anlage 1 SI-RL
RotavirenAbschluss der Impfserie spätestens bis zum Alter von 24 (Rotarix®) bzw. 32 Wochen (RotaTeq®)89127 A/BAnlage 1 SI-RL
VarizellenNachholimpfung bis zum 18. Lebensjahr möglich89125 A/B§ 11 Abs. 2
SI-RL

*  Die Impfserie kann zulasten der GKV durchgefuhrt werden, wenn mindestens die erste Impfdosis vor dem 18. Geburtstag verabreicht wurde.

Erwachsene haben lediglich Anspruch auf das Nachholen der empfohlenen Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio. Bezüglich der Impfstoffauswahl und der zugelassenen Altersbereiche bitte Fachinformationen beachten!

Grundsätzlich gilt, dass Aktivimpfstoffe für postexpositionelle Impfungen (d. h. nach Verletzung oder möglicher Infektion) auf den Namen des Patienten zu verordnen sind (Kennzeichnung des Rezeptes mit „8“) und die Leistung nicht über die Impfziffer, sondern über die Versicherten-/Grundpauschale abgerechnet wird.
Für Passivimpfstoffe gelten divergierende Vorgaben.

Nähere Informationen finden Sie in Tabelle 5.

Tabelle 5: Verordnung von Aktiv- und Passivimpfstoff bei postexpositionellen Impfungen sowie Abrechnung der Impfung

Postexpositionelle Impfung gegenAktivimpfstoffPassivimpfstoff (Immunglobulin)Abrechnung
Hepatitis AVerordnung auf Namen des Patienten (Muster 16)Verordnung auf Namen des Patienten (Muster 16). Anwendung nur nach einer Exposition von Personen, für die eine Hepatitis A eine besonders große Gefahr darstellt (z. B. chronisch HBV- oder HCV-Infizierte).Abrechnung über Versicherten-/Grundpauschale. Die zweite Hepatitis-A-Impfdosis (nach 6 – 12 Monaten) wird bei fehlender Indikation privat verabreicht.
MasernVerordnung auf Namen des Patienten (Muster 16). Bitte Hinweise der STIKO zu postexpositionellen Impfungen beachten.Verordnung auf Namen des Patienten (Muster 16). Bitte Hinweise der STIKO zu postexpositionellen Impfungen beachten.Abrechnung über Versicherten-/Grundpauschale

Meningokokken B
Verordnung auf Namen des Patienten (Muster 16). Die Impfempfehlung gilt für ungeimpfte Haushalts­kontakte oder enge Kontakte mit haushalts­ähnlichem Charakter (keine Beschränkung auf Kontakt­personen mit Immundefizienz).existiert nicht. Bei engem Kontakt wird eine Chemoprophylaxe empfohlen (bitte Hinweise der STIKO beachten).Abrechnung über Versicherten-/Grundpauschale
Tetanus*Verordnung auf Namen des Patienten (Muster 16). Ausnahme: Bei Verabreichung eines Kombinations­impfstoffs (z. B. gegen Td oder Tdap) erfolgt die Entnahme aus dem SSBVerordnung über SSB (außer bei Arbeitsunfällen)Abrechnung über Versicherten­-/Grundpauschale­. Ausnahme:
Bei Verabreichung eines Kombinations­­­­impfstoffs (z. B. gegen Td oder Tdap) wird für die Aktivimpfung die entsprechende Impfziffer (hier: 89201 R bzw. 89303 R) angesetzt.
Tollwut*/**Verordnung auf Namen des Patienten (Muster 16)Verordnung auf Namen des Patienten (Muster 16)Abrechnung über Versicherten-/Grund­­pauschale

* Die Indikation für die Aktiv- und Passivimpfung hängt vom Impfstatus bzw. vom Grad der Exposition ab (Art der Wunde/Bissverletzung), siehe STIKO-Empfehlung (Epidemiol Bull 2017; 34: 362­–3).

** Bitte beachten Sie, dass die rein präventive Tollwut-Impfung ausschließlich privat verordnet werden kann (oder zulasten des Arbeitgebers bei erhöhter beruflicher Gefährdung gemäß Anlage 1 Schutzimpfungsrichtlinie (SI-RL) siehe unten).

Vor oder nach Standardimpfungen sind routinemäßige Antikörper-Bestimmungen grundsätzlich nicht angebracht. Denn zum einen existieren für manche Krankheiten (z. B. Pertussis) keine sicher verwertbaren Antikörper, die zum Nachweis einer bestehenden Immunität geeignet wären. Zum anderen kann auch bei fehlender Antikörper-Konzentration nicht ausgeschlossen werden, dass eine zelluläre Immunität vorliegt.

Deshalb werden serologische Vor- bzw. Nachtestungen – anders als früher angenommen – nur noch in bestimmten Ausnahmefällen als sinnvoll erachtet. Sofern die Schutzimpfungs-Richtlinie, die STIKO oder die Fachinformationen eine Titerkontrolle empfehlen, ist diese zulasten desjenigen Kostenträgers vorzunehmen, über den auch die Impfung erfolgt (siehe Downloadbare Dokumente):

  • Überprüfung des Impferfolges bei Patienten mit Immundefizienz bzw. -suppression (siehe Hinweise der STIKO im Epidemiologischen Bulletin 39/2005).
  • Nachweis des Schutzes gegen Hepatitis B gemäß STIKO-Empfehlung (Epidemiol Bull 2013; 34: 321-2) bei Personen mit Impfindikation (siehe Dokumente zum Download).
  • Nachweis eines Varizellen-Schutzes bei Frauen mit Kinderwunsch und unklarer Varizellen-Anamnese (GOP 01833).
  • Eine Kontrolle des Rötelntiters ist lediglich bei schwangeren Frauen ohne Nachweis von zwei erfolgten Rötelnimpfungen vorgesehen (siehe Mutterschafts-Richtlinie, MuSch-RL). Hingegen ist bei Frauen, die zweimal gegen Röteln geimpft wurden, von Rötelnimmunität auszugehen.Bei nicht-schwangeren Frauen mit einmaliger oder fehlender Röteln-Impfung besteht Anspruch auf eine oder zwei Impfdosen – jedoch ohne vorherige Titerkontrolle (siehe Richtlinie zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch, ESA-RL).
  1. beruflich bedingter Auslandsaufenthalt
    Wenn ein Auslandsaufenthalt beruflich bedingt ist, muss die gesetzliche Krankenkasse in Einzelfällen für indizierte Reiseschutzimpfungen aufkommen. Primär steht aber der Arbeitgeber in der Pflicht, den Schutz seines Angestellten sicherzustellen. Nach dem Arbeitsschutzgesetz (§ 3 Abs. 1) muss der Arbeitgeber erforderliche Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände ergreifen, die die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit betreffen. Dazu gehört auch der Schutz vor einer Infektionskrankheit durch eine Impfung, wenn die Gefahr aufgrund eines beruflich bedingten Auslandsaufenthalts entsteht. Nur wenn der Arbeitgeber nicht zuständig ist, übernimmt die GKV hilfsweise die Kosten.

  2. Auslandsaufenthalt im Rahmen einer Ausbildung
    Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die GKV bei einem Auslandsaufenthalt im Rahmen einer Ausbildung die Kosten für die Reiseschutzimpfung übernimmt. Voraussetzung ist, dass der Auslandsaufenthalt durch die Studien- oder Prüfungsordnung verpflichtend vorgeschrieben ist und eine Bestätigung durch die Ausbildungsstätte vorliegt.

Wichtig zu beachten:
Bevor Sie eine Reiseschutzimpfung zulasten der GKV durchführen, sollte Ihnen der Patient eine schriftliche Bestätigung des Arbeitgebers oder der Ausbildungsstätte über den zukünftigen Auslandsaufenthalt vorlegen.

Weiterhin ist zu prüfen, ob der Patient sich durch den Auslandsaufenthalt direkt in Gefahr begibt, an einer Infektionserkrankung zu erkranken oder ob das Infektionsrisiko nicht unmittelbar mit der beruflichen Tätigkeit oder mit der Ausbildung im Zusammenhang steht.

Schutzimpfungen für private Ausflugs- oder Reiseziele, auch innerhalb eines beruflich bedingten Auslandsaufenthalts, sind vom Patienten privat zu zahlen.

Beispiel:
Die Arbeitsstätte eines Patienten befindet sich während des beruflich bedingten Auslandsaufenthalts in Lima. Während dieses Aufenthalts plant der Patient eine private Dschungeltour im Amazonasgebiet. Da für einen Aufenthalt in Lima keine Gelbfieberimpfung direkt benötigt wird, ist die Impfung, die speziell für die private Dschungeltour notwendig ist, vom Patienten privat zu zahlen.

Sollte eine Reiseschutzimpfung zulasten der GKV erfolgen, können folgende Impfziffern angesetzt werden:

  • Cholera: 89127
  • Gelbfieber: 89128
  • Typhus: 89130
  • Tollwut: 89140 A, 89140 B, 89140 R

Nachlesen

Weitere Informationen über Schutzimpfungen finden Sie auf der Seite Schutzimpfungen sowie in unseren Verordnungsforen:

Die aktuelle Ausgabe der Schutzimpfungs-Richtlinie finden Sie auf der Seite des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Letzte Aktualisierung: 25.09.2017