Rabattverträge

Wirkstoffgleiche Arzneimittel und Substitutionsausschluss

Der Gesetzgeber will die gesetzlichen Krankenkassen bei den Arzneimittelausgaben entlasten und ermöglicht ihnen daher, Rabattverträge mit einzelnen pharmazeutischen Unternehmen abzuschließen (§ 130a Absatz 8 SGB V). Apotheken sind gesetzlich verpflichtet, das Rabattprodukt der jeweiligen Krankenkasse abzugeben. Eine Ausnahme bilden Wirkstoffe, die auf der Aut-idem-Liste zu finden sind.

Wie die Apotheke vorgeht, wenn Sie die Substitution zulassen

Kein Kreuz bei „aut idem“ oder Wirkstoffverordnung: Die Apotheke prüft, ob es zu dem verordneten Arzneimittel ein anderes wirkstoffgleiches Arzneimittel gibt, für das die Krankenkasse des jeweiligen Versicherten einen Rabattvertrag abgeschlossen hat.

Voraussetzungen für den Arzneimittelaustausch

  • nach Wirkstärke mit dem verordneten Arzneimittel identisch
  • gleiche oder eine austauschbare Darreichungsform
  • Übereinstimmung in mindestens einer Indikation
  • gleiche Packungsgröße

Trifft dies zu, muss die Apotheke das Rabatt-Arzneimittel abgeben. Hat die Kranken­kasse für mehrere Arzneimittel, die diese Voraus­setzungen erfüllen, Rabatt­verträge geschlossen, ist die Apotheke in der Auswahl unter diesen Arznei­mitteln frei. Ist kein Rabatt-Arzneimittel verfügbar (z. B. wegen Liefer­schwierigkeiten) oder gibt es bei der jeweiligen Kranken­kasse keinen Rabatt­vertrag, kann die Apotheke eines der drei preisgünstigsten Arzneimittel oder das verordnete abgeben.

Die Substitutionsausschlussliste (Aut-idem-Liste)

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat eine Liste mit Wirkstoffen beschlossen, die der Apotheker nicht gegen wirkstoffgleiche Präparate austauschen darf, auch wenn diese preisgünstiger oder rabattiert sind. Das betrifft vor allem Arzneimittel mit geringer therapeutischer Breite. Diese Aut-idem-Liste ist als Teil B der Anlage VII: Aut idem Bestandteil der Arzneimittel-Richtlinie. Um Rückfragen zu vermeiden, sollten Sie Wirkstoffe von dieser Substitutions­ausschluss­liste namentlich als Arzneimittel (mit Hersteller­angabe) rezeptieren. Geben Sie bei der Verordnung das Präparat an, auf das der Patient eingestellt ist und das aus ärztlicher Sicht zweckmäßig ist. Ein Aut-idem-Kreuz muss in diesem Fall nicht gesetzt werden.

Präparate mit folgenden Wirkstoffen darf der Apotheker nicht austauschen (gültig seit 10. Dezember 2014):

  • Betaacetyldigoxin (Tabletten)
  • Ciclosporin (Lösung zum Einnehmen, Weichkapseln)
  • Digitoxin (Tabletten)
  • Digoxin (Tabletten)
  • Levothyroxin-Natrium (Tabletten)
  • Levothyroxin-Natrium und Kaliumjodid (fixe Kombination, Tabletten)
  • Tacrolimus (Hartkapseln)
  • Phenytoin (Tabletten)

Neu (gültig seit 1. August 2016):

  • Buprenorphin (Transdermale Pflaster mit unterschiedlicher Applikationshöchstdauer z. B. bis zu 3 bzw. bis zu 4 Tage dürfen nicht gegeneinander ersetzt werden.)
  • Carbamazepin (Retardtabletten)
  • Oxycodon (Retardtabletten mit unterschiedlicher täglicher Applikationshäufigkeit z. B. alle 12 bzw. 24 Std. dürfen nicht gegeneinander ersetzt werden.)
  • Hydromorphon (Retardtabletten mit unterschiedlicher täglicher Applikationshäufigkeit z. B. alle 12 bzw. 24 Std. dürfen nicht gegeneinander ersetzt werden.)
  • Phenobarbital (Tabletten)
  • Phenprocoumon (Tabletten)
  • Primidon (Tabletten)
  • Valproinsäure (Retardtabletten)

Wie die Apotheke vorgeht, wenn Sie die Substitution nicht zulassen

Kreuz bei „aut idem“: Schließen Sie als Arzt die Substitution aus, indem Sie auf dem Rezept „aut idem” ankreuzen, darf die Apotheke nur das namentlich verordnete Präparat abgeben. Hierbei kann das Risiko bestehen, dass eine sofortige Versorgung der Patienten nicht möglich ist, wenn das verordnete Arzneimittel nicht verfügbar ist. Gegebenenfalls setzt sich die Apotheke dann mit Ihnen in Verbindung.

Aut idem – was empfiehlt die KVBW den Ärzten?

  • Verordnen Sie Wirkstoffe (Ausnahme: Wirkstoffe der Substitutionsausschlussliste [siehe oben] sind mit Angabe des Präparatenamens zu verordnen) bzw. ein preisgünstiges Generikum und lassen Sie in der Regel das Aut-idem-Feld frei.
  • Lassen Sie das Aut-idem-Feld auch dann frei, wenn für das verordnete Generikum nach Ihrem PVS-System ein Rabattvertrag existiert.
  • Die Substitution kann aus medizinischen Gründen durch ein Aut-idem-Kreuz ausgeschlossen werden (Anmerkung: Bei Wirkstoffen der Substitutionsausschlussliste [siehe oben] ist das Setzen eines Aut-idem-Kreuzes nicht erforderlich).

Wer mit wem: Informationen zu Rabatten

Als Arzt können Sie in Ihrer Praxis­software erkennen, ob ein Produkt rabattiert ist oder ob ein Rabatt-Arzneimittel, das sich für eine Substitution eignet, existiert. So lassen sich diese Informationen bei der Medikation einzelner Patienten berück­sichtigen. Eine Rabattvertrags-Datenbank bietet das Deutsche Arztportal. Hier können Sie nachsehen, zu welchen Präparaten Rabatt­verträge existieren und für welche Kassen sie gelten.

Rabattverträge bei Insulinanaloga

Bei Typ-2-Diabetikern gibt es Verordnungs­einschränkungen für kurzwirksame Insulinanaloga (Aspart, Glulisin, Lispro) und langwirksame Insulinanaloga (Glargin, Detemir). Wenn pharmazeutische Unternehmen entsprechende Rabattverträge mit Krankenkassen abgeschlossen haben, sind Insulinanaloga auch bei Typ-2-Diabetikern zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnungsfähig.

Letzte Aktualisierung: 14.09.2016