Telematikinfrastruktur & E-Health

Digitale Vernetzung und Anwendungen im Gesundheitswesen

Am 29. Dezember 2015 ist das „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ (E-Health-Gesetz) in Kraft getreten. Ziel des Gesetzes ist es, eine digitale Informations- und Kommunikationsstruktur im Gesundheitswesen zu etablieren und dadurch die Wirtschaftlichkeit und Qualität der Versorgung weiter zu verbessern.

Künftig sollen Praxen, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Akteure des Gesundheitssystems durch die Telematikinfrastruktur (TI), eine digitale Plattform für den Datenaustausch, miteinander vernetzt sein. Hierfür gibt das E-Health-Gesetz einen konkreten Fahrplan mit Fristen vor. Die Anwendungsmöglichkeiten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der Telemedizin werden damit weiter ausgebaut.

Einführung der Telematikinfrastruktur

Nach Abschluss der Erprobungsphase wird die bundesweite Telematikinfrastruktur (TI) schrittweise ausgerollt. Als erste Funktion der eGK startet das Versicherten­stammdaten­management (VSDM), d. h. die automatische Online-Prüfung und -Aktualisierung der Daten auf der Versichertenkarte. Ab 1. Juli 2018 ist das VSDM für Vertragsärzte und -psychotherapeuten (beim ersten Patientenkontakt im Quartal) dann gesetzlich verpflichtend.

Für das VSDM sind verschiedene technische Komponenten (Konnektoren, Kartenterminals) erforderlich. Die Betreibergesellschaft gematik hat im Juni 2017 die Freigabe für den Online-Produktivbetrieb erteilt und rechnet damit, dass die ersten zugelassenen Produkte ab Herbst 2017 auf dem Markt verfügbar sein werden. Zur Refinanzierung der Kosten und zur Vergütung haben die KBV und der GKV-Spitzenverband eine Finanzierungs­vereinbarung geschlossen.
Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite der KBV.

Einen ersten Überblick zur TI und zum Rollout des VSDM gibt unser ergo-Artikel.

Unsere Handlungsempfehlung finden Sie hier: Merkblatt TI in fünf Schritten.

Technische Ausstattung: Was Praxen benötigen

Um die Telematikinfrastruktur (TI) nutzen zu können, benötigen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten verschiedene Komponenten und Dienste:

Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor – ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem Praxisverwaltungssystem per Netzwerk verbunden. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement.

Mit den Kartenterminals (Lesegeräten) werden die elektronische Gesundheitskarte (eGK), der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) und die Praxis- beziehungsweise Institutionskarte Security Module Card Typ B (SMC-B) eingelesen. Nur wenn die Praxis mittels SMC-B registriert ist, kann der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen.

Mobile Kartenterminals ermöglichen den Vertragsärzten, zum Beispiel bei Hausbesuchen abrechnungsrelevante Versichertenstammdaten zu lesen und zwischenzuspeichern. Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird eine SMC-B oder ein eHBA zur Identifikation benötigt.

Für den Zugang zur TI wird ferner ein sogenannter VPN-Zugangsdienst benötigt, der von einem speziellen Dienstleister bereitgestellt wird.

Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, damit das Auslesen und gegebenenfalls Aktualisieren der Versichertendaten auf der eGK möglich ist.

Wesentliche Punkte des E-Health-Gesetzes:

  • elektronischer Arztausweis / elektronischer Heilberufsausweis (eHBA)
  • Medikationsplan
  • Versichertenstammdaten-Management (VSDM)
  • telemedizinische Anwendungen
  • elektronischer Arztbrief
  • Notfalldatenmanagement
  • elektronische Patientenakte

Weiterführende Informationen zu den einzelnen Punkten finden Sie auf der KBV-Homepage: Übersicht zum E-Health-Gesetz: Was kommt

Wichtige Eckdaten und Fristen des E-Health-Gesetzes:

  • seit 1. Oktober 2016: Versicherte, die gleichzeitig drei und mehr auf Kassenrezept verordnete, systemisch wirkende Medikamente über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen anwenden, haben Anspruch auf einen Medikationsplan, zunächst in Papierform, ab 2018 elektronisch auf der Gesundheitskarte.
  • ab 1. Januar 2017: Förderung des eArztbriefes bis Ende 2017, danach Neuverhandlung
  • ab 1. April 2017: Vergütung von Telemedizinkonsilen bei der Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen
  • ab 1. April 2017: Förderung von Videosprechstunden
  • ab 1. Januar 2018: Speicherung von Notfalldaten auf der eGK
  • ab 1. Juli 2018: Ärzte und Psychotherapeuten sind gesetzlich zur Prüfung der Versichertenstammdaten auf der eGK verpflichtet.
  • ab 2019: Elektronische Patientenakte und elektronisches Patientenfach
Letzte Aktualisierung: 03.08.2017