Laborreform

Wirtschaftlichkeitsbonus und Laborhonorar neu geregelt

Zum 1. April 2018 ist die erste Stufe der Laborreform mit neuen Vergütungsregelungen in Kraft getreten.

Handlungsbedarf bestand wegen der überproportional wachsenden Ausgaben im Labor. Diese steigen jährlich um rund fünf Prozent und damit deutlich stärker als die morbiditäts­bedingte Gesamtvergütung (MGV). Weil das Geld im Labortopf (Grundbetrag „Labor“) nicht ausreicht, müssen Haus- und Fachärzte aus den Töpfen ihres Versorgungsbereichs für steigende Nachschussbeträge aufkommen. Das Bundes­gesundheits­ministerium (BMG) hatte die KBV deshalb aufgefordert, die Vorgaben zur Honorarverteilung anzupassen, um die Leistungsdynamik zu begrenzen.

Was ist neu bei der Honorarverteilung?

  • Neudefinition des „Grundbetrags Labor“:
    • Aus dem Labortopf werden nicht mehr alle Laboruntersuchungen bezahlt, sondern ausschließlich der Wirtschaftlichkeitsbonus und auf Muster 10 veranlasste Laboruntersuchungen.
    • Untersuchungen im organisierten Notfalldienst werden dem Grundbetrag Notfall- und Bereitschaftsdienst zugeordnet. Laborleistungen der Laborgemeinschaften (Muster 10A), Eigenlabore sowie die Laborgrundpauschalen der Laborärzte werden in den jeweiligen Versorgungsbereich überführt.
  • Absenkung der bundesweiten Mindestquote im „Grundbetrag Labor“ auf 89 Prozent

Was ändert sich beim Wirtschaftlichkeitsbonus?

Der Wirtschaftlichkeitsbonus bleibt, wird aber neu ausgerichtet. Dabei werden künftig die Durchschnittslaborkosten eines Arztes je Behandlungsfall (individueller Fallwert) mit den Kosten seiner Arztgruppe verglichen.

  • Es wird ein durchschnittlicher individueller Fallwert (iFW) des Arztes ermittelt. Dieser errechnet sich wie folgt: Summe sämtlicher eigenerbrachter, bezogener und als Auftragsleistung überwiesener Laborkosten der Arztpraxis (Abschnitte 32.2 und 32.3 EBM) dividiert durch die Anzahl der Behandlungsfälle mit mindestens einer Versicherten-, Grund- und/oder Konsiliarpauschale, kurz:
    iFW = Kosten für Laboruntersuchungen / Behandlungsfallzahl mit VP, GP ...
  • Im EBM werden ein unterer und ein oberer begrenzender Fallwert (Grenzfallwert) für jede Arztgruppe definiert (siehe Grenzfallwerte Wirtschaftlichkeitsbonus).
  • Der durchschnittliche individuelle Fallwert des Arztes wird mit den begrenzenden Fallwerten seiner Arztgruppe verglichen.
  • Liegt der individuelle Fallwert des Arztes nicht höher als der jeweilige untere arztgruppenspezifische Grenzfallwert, erhält die Praxis den vollen Bonus.
  • Liegt er auf dem Niveau oder höher als der jeweilige obere arztgruppenspezifische Grenzfallwert, erhält die Praxis keinen Bonus.
  • Liegt er zwischen dem jeweiligen unteren und oberen arztgruppenspezifischen Grenzfallwert, erhält die Praxis einen quotierten Bonus.
  • Die bisherige Differenzierung der Bewertungen in Allgemein- und Speziallabor sowie zwischen Allgemeinversicherten und Rentnern entfällt.

Kennnummern (Ausnahmekennziffern):

Die Kennnummern gemäß der Bestimmung 32.2 Nr. 6 des EBM

  • befreien zukünftig nur bestimmte Leistungen von der Anrechnung auf den individuellen Fallwert (siehe Laborkennnummern Wirtschaftlichkeitsbonus sowie Laborkennnummern (Erläuterungen KBV)).
  • werden nur noch auf dem eigenen Behandlungsfall (nicht mehr auf der Laborüberweisung) angegeben.
  • können auch bei selektivvertraglichen Fällen (Kennzeichnung mit Pseudo-GOP 88192 oder 88194 bei Hausärzten mit NäPa) angegeben werden.

Für einen Patienten können ggf. mehrere Kennnummern angegeben werden. Die entsprechenden Laboruntersuchungen bleiben bei der Berechnung des individuellen Fallwerts der Praxis unberücksichtigt.

Fallzahlzählung:

Die Fallzahlzählung wird angepasst.

  • Der Wirtschaftlichkeitsbonus (siehe Wirtschaftlichkeitsbonus GOP 32001) wird auf jedem Behandlungsfall zugesetzt, auf dem eine Grund-, Versicherten- und/oder Konsiliarpauschale der Kapitel 3, 4, 7 bis 11, 13, 16-18, 20, 21, 26, 27 oder 30.7 abgerechnet wird (auch auf Fällen mit einer Kennnummer). Keine Zusetzung erfolgt auf Fällen ohne eine dieser Pauschalen.
  • Für die Fallzählung zur Berechnung des individuellen Fallwerts des Arztes (iFW) werden ebenfalls die o. g. Behandlungsfälle mit einer Grund-, Versicherten- und/oder Konsiliarpauschale anerkannt. Zusätzlich werden hier außerdem die selektivvertraglichen Fälle (Kennzeichnung mit Pseudo-GOP 88192 oder 88194 bei Hausärzten mit NäPa) berücksichtigt.
Letzte Aktualisierung: 20.08.2018