Antivirale Therapie

Oral anwendbare antivirale Medikamente 

In der Frühphase einer COVID-19-Erkrankung können orale antivirale Arzneimittel die Virusreplikation hemmen. Die vertragsärztliche Behandlung mit Medikamenten kommt infrage bei symptomatischen, nicht-hospitalisierten Erwachsenen mit SARS-CoV-2-Nachweis, die keine Sauerstoffzufuhr benötigen, die aber ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben.
Bei entsprechender Notwendigkeit muss die Arzneimitteltherapie innerhalb von fünf Tagen nach Symptombeginn beginnen. Seit April 2022 dürfen sich Apotheken einen begrenzten Vorrat an diesen vom Bund beschafften Corona-Medikamenten anlegen. Damit ist eine sofortige Abgabe des benötigten Arzneimittels an Patienten möglich, sodass die Behandlung schneller starten kann. Seit August 2022 dürfen zusätzlich auch Hausarztpraxen Paxlovid® selbst lagern und bei Bedarf direkt abgeben.

Paxlovid

Das oral anwendbare antivirale Medikament Paxlovid® zur Behandlung von COVID-19-Risikopatienten kann vertragsärztlich verordnet werden. Das Präparat besteht aus zwei Wirkstoffen, Nirmatrelvir und Ritonavir, in zwei verschiedenen Tabletten. Die empfohlene Dosierung beträgt 300 mg Nirmatrelvir (= 2 x 150 mg) und 100 mg Ritonavir zur gleichzeitigen Einnahme alle zwölf Stunden über einen Zeitraum von fünf Tagen.
Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören eine Beeinträchtigung des Geschmackssinns, Durchfall, Erbrechen und Kopfschmerzen.

Auswahl geeigneter Patienten

Sie können die Therapie bei entsprechender klinischer Symptomatik und bei gegebener Indikation auf Grundlage eines positiven Schnelltests initiieren, die Bestätigung durch einen PCR-Test wird empfohlen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat Entscheidungskriterien verfasst und festgelegt, für welche Patienten eine Therapie mit Paxlovid® geeignet ist. Es profitieren demnach insbesondere Patienten höheren Alters mit weiteren Risikofaktoren (z. B. Adipositas, Diabetes, Immundefizienz/-suppression, chronische Niereninsuffizienz, Krebs, Herz- und Lungenerkrankungen).

Neu seit 18. August 2022: Paxlovid®-Vorrat in Hausarztpraxen

  • Lagerung von maximal fünf Packungen je Praxis
  • bei regelmäßiger Bezugsapotheke per Arzneimittelrezept (Muster 16) bestellbar
  • Kostenträger: Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS, IK 103609999)
    Cave: kein Sprechstundenbedarf! 
  • nach Abgabe einer Paxlovid®-Packung Nachbestellung bei der Apotheke möglich
  • Verordnungskosten nicht Gegenstand von Richtwertprüfungen
  • nicht kühlen, nicht einfrieren, nicht über 25 °C lagern
  • ausschließlich niedergelassene Hausärzte (vertragsärztlich und privat), nicht Kinder- und Jugendärzte sowie Fachärzte

Abgabe von Paxlovid® in der Praxis

Den Patienten muss zusammen mit dem Arzneimittel eine Patienteninformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ausgehändigt werden.
Dokumentieren Sie die Abgabe des Präparats in der Patientenakte.

Paxlovid: Abrechnung und Vergütung

Für den Aufwand im Zusammenhang mit der Abgabe des Medikaments erhalten Hausärzte eine Vergütung von 15 Euro je abgegebene Packung. Die Leistung ist mit der Pseudo-GOP 88125 abrechenbar (befristet bis 30. September 2022).
Bei Privatversicherten, Patienten ohne Versichertenkarte (z. B. Asylbewerber) oder Personen ohne deutsche Krankenversicherung wenden Sie das Ersatzverfahren an über folgenden Kostenträger: Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS), VKNR: 48850, IK: 100048850, KT-Gruppe: 30, KT-Abrechn.-Bereich: 00.

Alternativ: Ausstellen von Einzelverordnungen (ohne Bevorratung)

Unabhängig von der neuen Regelung bleibt die Einzelverordnung auf Namen des Patienten (Ausstellen eines Rezepts zum Einlösen in der Apotheke) weiterhin möglich. Für fachärztlich tätige Vertragsärzte sowie Kinder- und Jugendärzte bleibt dies weiterhin der alleinige Beschaffungs- und Versorgungsweg für Paxlovid®.

Vollstationäre Pflegeeinrichtungen dürfen Paxlovid® selbst aus Apotheken beziehen und vorrätig halten. Dadurch ist hier ebenfalls ein früherer Therapiebeginn möglich. Die Abgabe aus dem Vorrat an die Bewohner des Pflegeheims ist nur mit einer ärztlichen Verordnung auf den Namen des Patienten möglich.

Cave: Interaktionen und Kontraindikationen!

Die COVRIIN-Fachgruppe am Robert Koch-Institut hat Hinweise zu Arzneimittel­wechsel­wirkungen von Paxlovid® und zum Vorgehen bei relevanter Komedikation entwickelt. Mit einem Online-Tool des Herstellers Pfizer lassen sich Informationen der Fachinformation zu einzelnen Wechselwirkungen gezielt abrufen.

Auch Patienten mit stark eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion sollten das Präparat nicht erhalten. Ferner wird die Anwendung von Paxlovid® während der Schwangerschaft und bei gebärfähigen Frauen, die keine Verhütungsmittel anwenden, nicht empfohlen. Daten zur Anwendung von Paxlovid® in der Stillzeit liegen nicht vor.
 

Weiterführende Informationen

Letzte Aktualisierung: 30.09.2022