Corona-Impfung

Was Vertragspraxen in Baden-Württemberg wissen sollten

Neben dem Impfstoff von BioNTech können Vertragsärzte inzwischen auch die Impfstoffe von AstraZeneca und demnächst auch von Johnson & Johnson bestellen, die sich länger halten und damit das Terminmanagement unkomplizierter machen. Hier finden Sie Informationen zur Aufbereitung der Impfstoffe, Bestellprozess, Praxis­organisation sowie zu Impfabrechnung und Doku.

Impfstoffe – Handhabung

BioNTech
AstraZeneca
Johnson & Johnson

Bestellfrist immer dienstags um 12 Uhr

Jeder Arzt bestellt wöchentlich bei seiner Apotheke den Impfstoff für die Corona-Impfungen in der nächsten Woche, bis spätestens Dienstag, 12 Uhr mit Muster 16 (Rezeptformular). Die Bestel­lung von Impfstoff für Erst- und Zweitimpfungen erfolgt auf zwei getrennten Rezepten. Geben Sie auf jeder Verordnung an, ob es sich um eine Bestellung für „Erstimpfungen“ oder für „Zweitimpfungen“ handelt.

Die Priorisierung, welche Personengruppen zuerst geimpft werden, bestimmt die Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) des Bundes. Die konkrete Impfreihenfolge legt das Land-Baden-Württemberg verbindlich fest:
Liste der impfberechtigten Personengruppen in Baden-Württemberg.

Priorisierungsgruppen

Die untenstehende Übersicht über die Priorisierungsgruppen dient lediglich der besseren Übersicht und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Gruppe 1: Höchste Priorität – Terminbuchung möglich

  • über 80-Jährige
  • Personen, die in (teil-)stationären Einrichtungen oder in ambulant betreuten Wohngruppen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind
  • Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten
  • Personen, die regelmäßig Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 durchführen
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, Corona-Impfzentren und in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen (vor allem Onkologie, Transplantationsmedizin und schwer immunsupprimierte Patienten) 

Zur Prio-Gruppe 1 zählt die ärztliche Versorgung in folgendem Kontext:

  • Corona-Schwerpunktpraxis (CSP)
  • Onkologie-Praxis
  • Dialyse-Praxis
  • Pflegeheim
  • Notfalldienst (Dienst im Zeitraum bis 30. April 2021)
  • Für die Priorisierung ist nicht primär die ärztliche Fachrichtung ausschlaggebend, sondern die konkrete Tätigkeit vgl. Konkretisierung § 2 CoronaImpfV
  • Ärzte bzw. Personen, die regelmäßig Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 durchführen

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass bis Ende des ersten Quartals die erste Phase abgeschlossen werden kann.

Ärztliche Atteste nicht erforderlich

Für Impfungen mit höchster Priorität ist es nicht erforderlich, dass Ärzte Vorerkrankungen per Attest bescheinigen: Das Alter des Anspruchs­berechtigten wird über den Personalausweis, die berufliche Tätigkeit über eine Bescheinigung des Arbeitgebers geprüft. Bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen erfolgt der Nachweis über eine Bescheinigung der Einrichtung. 

Hausärzte schon jetzt gefordert: Aufklärung im Heim

Wenn die nötigen Einverständnis­erklärungen zur Impfbereitschaft bereits vorliegen, können die mobilen Impfteams nahtlos loslegen. Daher binden die Teams vielerorts Hausärzte ein, um ihre Impfeinsätze in den Pflegeheimen vorzubereiten. Wer Aufklärung und Anamnese im Auftrag eines Impfzentrums übernimmt, kann die erbrachten Stunden als Impfarzt abrechnen: Mehr erfahren »

Gruppe 2: Hohe Priorität – Terminbuchung möglich

  • über 70-Jährige
  • Personen mit Trisomie 21, mit Demenz, mit Conterganschädigung, mit geistiger Behinderung oder mit schwerer psychiatrischer Erkrankung, insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie oder schwere Depression (zur Gruppe der Personen mit schwerer psychiatrischer Erkrankung zählt auch die Gruppe der Menschen mit seelischer Behinderung im Sinne des SGB IX)
  • Personen nach einer Organtransplantation
  • Personen u. a. mit folgenden Krankheiten:
    • Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 40)
    • chron. Nierenerkrankung
    • chron. Lebererkrankung
    • Diabetes mellitus mit Komplikationen
    • COPD
    • Mukoviszidose
    • behandlungsbedürftige Krebserkrankungen
    • Muskeldystrophien oder vergleichbaren neuromuskulären Erkrankungen
  • bis zu zwei enge Kontaktperson zu pflegebedürftigen Personen ab 70 Jahren bzw. mit o. g. Erkrankungen mehr erfahren »
  • bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Schwangeren mehr erfahren »
    • Hinweis: Aktuell liegen noch zu wenige Daten zur Impfreaktion von Schwangeren vor. Deswegen wird es derzeit Schwangeren nicht empfohlen, sich impfen zu lassen.
  • Personen, die in (teil-)stationären Einrichtungen für geistig behinderte Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste
  • Personen, die regelmäßig zum Zwecke der Diagnostik des Coronavirus SARS-CoV-2 Körpermaterial entnehmen
  • Polizei- und Einsatzkräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind
  • Personen, die in Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe und in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen tätig sind
    Hinweis: Baden-Württemberg hat nicht nur die hier genannten Gruppen, sondern alle Lehrer und Erzieher bei der Impfterminvergabe in Prio-Gruppe 2 vorgezogen.
  • Personen im öffentlichen Gesundheitsdienst und in relevanten Positionen der Krankenhausinfrastruktur
  • Personen, die in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen oder in Frauenhäusern leben oder tätig sind
  • Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht mehr erfahren »

Gesamte Impfgruppe 2 ist jetzt impfberechtigt

Baden-Württemberg hat die Corona-Impfungen für die gesamte Prio-Gruppe 2 geöffnet. Auch die in dieser Gruppe impfberechtigten 16- bis 17-Jährigen können sich jetzt impfen lassen; für sie ist bisher allerdings nur der BioNTech-Impfstoff zugelassen. Der Impfanspruch lässt sich je nach Indikation über ein ärztliches Attest, eine Bescheinigung des Arbeit­gebers oder eine Bescheinigung einer Einrichtung über die Behandlung, Betreuung oder Pflege nachweisen.
Sozialministerium BW: Impfberechtigte Personengruppen

Atteste für Impfungen: Formlose Bescheinigung ausreichend

Laut Impfverordnung benötigen Patienten mit Vorerkrankungen der Gruppe 2 und 3 ein ärztliches Attest, damit sie ihren Anspruch auf eine vorrangige Impfung nachweisen können (Attest Impfberechtigung Abrechnungshinweise).

Vorerkrankungen nach Paragraf 3 Ziffer 2 der Impfverordnung (Priorisierungsgruppe 2)

Beispiel für eine formlose Bescheinigung: „Bei Herrn Max Mustermann liegt eine Erkrankung im Sinne von Paragraf 3 Ziffer 2 der Impfverordnung vor.“

Für die Atteste erhalten Ärzte laut ImpfV eine pauschale Vergütung von 5 Euro (GOP 88320). Hinzu kommen 0,90 Euro Portopauschale (GOP 88321), wenn der Versand per Post erfolgt.

Ohne Attest

Für Personen, deren Anspruch auf die Impfung sich bereits aus dem Alter ergibt, ist kein ärztliches Attest notwendig. Das Alter des Anspruchsberechtigten wird über den Personalausweis, die berufliche Tätigkeit über einen Arbeitgebernachweis geprüft.

Niedergelassene und Praxisteams schnell impfen

Gruppe 3: Erhöhte Priorität

  • über 60-Jährige
    Hinweis: Menschen ab 60 Jahren sind in Baden-Württemberg bereits allein aufgrund des Alters impfberechtigt.

Impfberechtigt seit 3. Mai 2021, auch unter 60 Jahre:

  • Personen mit folgenden Krankheiten:
    • Adipositas (BMI über 30)
    • Immundefizienz oder HIV-Infektion
    • Diabetes mellitus ohne Komplikationen
    • div. Herzerkrankungen (Herzinsuffizienz, Arrhythmie, Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit oder arterielle Hypertension)
    • Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen, Schlaganfall (Apoplex) oder einer anderen chronischen neurologischen Erkrankung
    • Krebs (behandlungsfrei in Remission befindlich, wenn die Remissionsdauer mehr als fünf Jahre beträgt)
    • Asthma
    • Autoimmunerkrankungen und Rheuma
    • chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • bis zu zwei enge Kontaktperson zu pflegebedürftigen Personen ab 60 Jahren bzw. mit o. g. Erkrankungen

Aktuell noch nicht impfberechtigt, sofern unter 60 Jahre alt:

  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit niedrigen Expositionsrisiko; z. B. in Laboren oder Personal ohne Patientenkontakt
  • Personen in relevanter Position in Regierungen, Verwaltungen und den Verfassungsorganen, in Streitkräften, bei der Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und THW, Justiz und Rechtspflege
    (Hinweis: Feuerwehrleute, die als Ersthelfer Kontakt mit Patienten oder Verletzten haben, gehören in Baden-Württemberg bereits zu den Impfberechtigten.)
  • Personen, die als Wahlhelfer tätig sind
  • Personen in relevanter Position in Unternehmen der kritischen Infrastruktur, in Apotheken und Pharmawirtschaft, öffentlicher Versorgung und Entsorgung, Ernährungswirtschaft, Transportwesen, Informationstechnik und Telekommunikation
  • Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind
  • Personen, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und als Lehrkräfte in Schulen tätig sind, die nicht Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen sind 
    (Hinweis: Baden-Württemberg hat abweichend davon alle Lehrer und Erzieher einschließlich derjenigen, die die ImpfV in Gruppe 3 einstuft, bei der Impfterminvergabe in Prio-Gruppe 2 vorgezogen.)
  • Personen, bei denen aufgrund ihrer Arbeits- oder Lebensumstände ein deutlich erhöhtes Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht

Impfgruppe 3 öffnet schrittweise

Baden-Württemberg hat die Corona-Impfungen für die Prio-Gruppe 3 geöffnet. Das gilt für die Altersgruppe ab 60 Jahren sowie Vorerkrankte und Kontaktpersonen von pflegebedürftigen Menschen der Priorität 3. Noch nicht impfberechtigt sind Beschäftigte aus dem Lebensmittelhandel, der Energieversorgung oder aus anderen Teilen der sogenannten kritischen Infrastruktur.

Atteste für Impfungen: Formlose Bescheinigung ausreichend

Laut Impfverordnung benötigen Patienten mit Vorerkrankungen der Gruppe 2 und 3 ein ärztliches Attest, damit sie ihren Anspruch auf eine vorrangige Impfung nachweisen können.(Attest Impfberechtigung Abrechnungshinweise)

Ein ärztliches Attest ist lediglich für die Impfung im Impfzentrum erforderlich. Patienten, die in den Haus- oder Facharztpraxen geimpft werden wollen, werden direkt von den Praxen kontaktiert, wenn dort Impfstoff verfügbar ist. Ein eigener Nachweis erübrigt sich damit.

Vorerkrankungen nach Paragraf 4 Ziffer 2 der Impfverordnung (Priorisierungsgruppe 3)

Beispiel für eine formlose Bescheinigung: „Bei Herrn Max Mustermann liegt eine Erkrankung im Sinne von Paragraf 4 Ziffer 2 der Impfverordnung vor.“

Für die Atteste erhalten Ärzte laut ImpfV eine pauschale Vergütung von 5 Euro (GOP 88320). Hinzu kommen 0,90 Euro Portopauschale (GOP 88321), wenn der Versand per Post erfolgt.

Ohne Attest

Für Personen, deren Anspruch auf die Impfung sich bereits aus dem Alter ergibt, ist kein ärztliches Attest notwendig. Das Alter des Anspruchsberechtigten wird über den Personalausweis, die berufliche Tätigkeit über einen Arbeitgebernachweis geprüft. Kontaktpersonen finden das Formular für die Bescheinigung einer pflegebedürftigen Person hier: Sozialministerium BW: Impfberechtigte Personengruppen

Aufhebung der Impfpriorisierung für AstraZeneca

Die staatliche Impfpriorisierung für AstraZeneca ist aufgehoben. Sie können ab sofort alle Erwachsenen, die möchten, mit diesem Impfstoff impfen. Mehr erfahren »

Ab Mitte Mai: Staatliche Impfreihenfolge nicht mehr bindend

Ab 17. Mai haben Niedergelassene in Baden-Württemberg komplett freie Hand bei der Priorisierung. Sie sind dann nicht mehr an die staatliche Impfreihenfolge gebunden. Mehr erfahren »

Impfpriorisierung, Anamnese & Einwilligung

Das Schaubild bietet einen schnellen Überblick zu den Priorisierungsgruppen. Beim Robert Koch-Institut (RKI) sind Aufklärungsmerkblätter sowie Anamnese- und Einwilligungsbögen abrufbar. Bitte nutzen Sie immer nur die aktuellen Versionen.

Fachinformationen zur COVID-19-Impfung

In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Sicherheit von Impfstoffen und bewertet Verdachtsfälle von Nebenwirkungen. Medizinische Fachkreise finden dort fundierte Informationen zu Zulassung, Wirksamkeit, Handhabung und Risiken: Fachinformation COVID-19-Impfstoffe.

Sicherheitsbewertung AstraZeneca & Johnson & Johnson – Aktuelle Hinweise

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht für die Ärzteschaft je ein Faktenblatt zu mRNA- und eines zu Vektor-Impfstoffen: RKI: Faktenblätter Impfen. Beim RKI findet sich auch die aktuelle STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung. Fragen und Antworten zu medizinischen Aspekten der COVID-19-Impfung hat das RKI ebenfalls zusammengetragen: FAQ Corona-Impfung

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Abrechnung

In meiner Praxis sind mehrere Ärzte tätig. Wie viel Impfstoff gegen COVID-19 können wir bestellen?

Für den Anspruch auf eine bestimmte Liefermenge ist nicht die Betriebs­stätten­nummer (BSNR), sondern die LANR (lebenslangen Arztnummer) der einzelnen Ärzte ausschlaggebend. Jeder impfende Arzt stellt unter Angabe seiner LANR ein gesondertes Rezeptformular (Muster 16) aus. Ärzte, die nicht unter eigener LANR tätig sind (z. B. Weiterbildungsassistent, Sicherstellungsassistent), können keine Impfstoffe bestellen.

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Bestellung Impfstoff

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Dokumentation

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Impfstoffhandhabung & Impfung

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Organisatorisches & Recht

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Priorisierung

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Letzte Aktualisierung: 11.05.2021