Corona-Impfung

Was Vertragspraxen in Baden-Württemberg wissen sollten

Neben dem Impfstoff von BioNTech können Vertragsärzte inzwischen auch die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson bestellen, die sich länger halten und damit das Terminmanagement unkomplizierter machen. Ab der letzten Aprilwoche steigen die Impfstoffmengen deutlich. Hier finden Sie Informationen zur Aufbereitung der Impfstoffe, Bestellprozess, Praxis­organisation sowie zu Abrechnung und Doku.

Impfstoffe

BioNTech Anleitung
AstraZeneca Anleitung
Impfstoffrezept

Bestellfrist immer dienstags um 12 Uhr

Jeder Arzt bestellt wöchentlich bei seiner Apotheke den Impfstoff für die Corona-Impfungen der nächsten Woche, bis spätestens Dienstag, 12 Uhr mit Muster 16 (Rezeptformular). Sechs bzw. zwölf Wochen später (je nach Hersteller und Impfintervall) bestellen Sie dann zusätzlich zum Bedarf für Erstimpfungen Impfstoff für Zweit­impfungen: Ausfüllhilfe Rezeptformular

Der BioNTech-Impfstoff ist innerhalb von 120 Stunden nach dem Auftauen zu verimpfen.

Die Priorisierung, welche Personengruppen zuerst geimpft werden, legt die Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) fest.

Gruppe 1: Höchste Priorität – Terminbuchung möglich

  • über 80-Jährige
  • Personen, die in (teil-)stationären Einrichtungen oder in ambulant betreuten Wohngruppen für ältere oder pflegebedürftige Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind
  • Pflegekräfte in ambulanten Pflegediensten
  • Personen, die regelmäßig Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 durchführen
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste, als Leistungserbringer der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, Corona-Impfzentren und in Bereichen mit infektionsrelevanten Tätigkeiten
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen, die Menschen mit einem hohen Risiko behandeln, betreuen oder pflegen (vor allem Onkologie, Transplantationsmedizin und schwer immunsupprimierte Patienten) 

Zur Prio-Gruppe 1 zählt die ärztliche Versorgung in folgendem Kontext:

  • Corona-Schwerpunktpraxis (CSP)
  • Onkologie-Praxis
  • Dialyse-Praxis
  • Pflegeheim
  • Notfalldienst (Dienst im Zeitraum bis 30. April 2021)
  • Für die Priorisierung ist nicht primär die ärztliche Fachrichtung ausschlaggebend, sondern die konkrete Tätigkeit vgl. Konkretisierung § 2 CoronaImpfV
  • Ärzte bzw. Personen, die regelmäßig Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 durchführen

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass bis Ende des ersten Quartals die erste Phase abgeschlossen werden kann.

Ärztliche Atteste nicht erforderlich

Für Impfungen mit höchster Priorität ist es nicht erforderlich, dass Ärzte Vorerkrankungen per Attest bescheinigen: Das Alter des Anspruchs­berechtigten wird über den Personalausweis, die berufliche Tätigkeit über eine Bescheinigung des Arbeitgebers geprüft. Bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen erfolgt der Nachweis über eine Bescheinigung der Einrichtung. 

Hausärzte schon jetzt gefordert: Aufklärung im Heim

Wenn die nötigen Einverständnis­erklärungen zur Impfbereitschaft bereits vorliegen, können die mobilen Impfteams nahtlos loslegen. Daher binden die Teams vielerorts Hausärzte ein, um ihre Impfeinsätze in den Pflegeheimen vorzubereiten. Wer Aufklärung und Anamnese im Auftrag eines Impfzentrums übernimmt, kann die erbrachten Stunden als Impfarzt abrechnen: Mehr erfahren »

Gruppe 2: Hohe Priorität – Terminbuchung möglich

  • über 70-Jährige
  • Personen mit Trisomie 21, mit Demenz, mit Conterganschädigung, mit geistiger Behinderung oder mit schwerer psychiatrischer Erkrankung, insbesondere bipolare Störung, Schizophrenie oder schwere Depression
  • Personen nach einer Organtransplantation
  • Personen u. a. mit folgenden Krankheiten:
    • Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 40)
    • chron. Nierenerkrankung
    • chron. Lebererkrankung
    • Diabetes mellitus mit Komplikationen
    • COPD
    • Mukoviszidose
    • behandlungsbedürftige Krebserkrankungen
    • Muskeldystrophien oder vergleichbaren neuromuskulären Erkrankungen
  • bis zu zwei enge Kontaktperson zu pflegebedürftigen Personen ab 70 Jahren bzw. mit o. g. Erkrankungen mehr erfahren »
  • bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Schwangeren mehr erfahren »
    • Hinweis: Aktuell liegen noch zu wenige Daten zur Impfreaktion von Schwangeren vor. Deswegen wird es derzeit Schwangeren nicht empfohlen, sich impfen zu lassen.
  • Personen, die in (teil-)stationären Einrichtungen für geistig behinderte Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus tätig sind, insbesondere Ärzte und sonstiges Personal mit regelmäßigem Patientenkontakt, Personal der Blut- und Plasmaspendedienste
  • Personen, die regelmäßig zum Zwecke der Diagnostik des Coronavirus SARS-CoV-2 Körpermaterial entnehmen
  • Polizei- und Einsatzkräfte, die im Dienst, etwa bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind
  • Personen, die in Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe und in Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen tätig sind
    Hinweis: Baden-Württemberg hat nicht nur die hier genannten Gruppen, sondern alle Lehrer und Erzieher bei der Impfterminvergabe in Prio-Gruppe 2 vorgezogen.
  • Personen im öffentlichen Gesundheitsdienst und in relevanten Positionen der Krankenhausinfrastruktur
  • Personen, die in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen oder in Frauenhäusern leben oder tätig sind
  • Personen, bei denen nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht mehr erfahren »

Gesamte Impfgruppe 2 ist jetzt impfberechtigt

Baden-Württemberg hat die Corona-Impfungen für die gesamte Prio-Gruppe 2 geöffnet. Auch die in dieser Gruppe impfberechtigten 16- bis 17-Jährigen können sich jetzt impfen lassen; für sie ist bisher allerdings nur der BioNTech-Impfstoff zugelassen. Der Impfanspruch lässt sich je nach Indikation über ein ärztliches Attest, eine Bescheinigung des Arbeit­gebers oder eine Bescheinigung einer Einrichtung über die Behandlung, Betreuung oder Pflege nachweisen.
Sozialministerium BW: Impfberechtigte Personengruppen

Atteste für Impfungen: Formlose Bescheinigung ausreichend

Laut Impfverordnung benötigen Patienten mit Vorerkrankungen der Gruppe 2 und 3 ein ärztliches Attest, damit sie ihren Anspruch auf eine vorrangige Impfung nachweisen können (Attest Impfberechtigung Abrechnungshinweise).

Vorerkrankungen nach Paragraf 3 Ziffer 2 der Impfverordnung (Priorisierungsgruppe 2)

Beispiel für eine formlose Bescheinigung: „Bei Herrn Max Mustermann liegt eine Erkrankung im Sinne von Paragraf 3 Ziffer 2 der Impfverordnung vor.“

Für die Atteste erhalten Ärzte laut ImpfV eine pauschale Vergütung von 5 Euro (GOP 88320). Hinzu kommen 0,90 Euro Portopauschale (GOP 88321), wenn der Versand per Post erfolgt.

Ohne Attest

Für Personen, deren Anspruch auf die Impfung sich bereits aus dem Alter ergibt, ist kein ärztliches Attest notwendig. Das Alter des Anspruchsberechtigten wird über den Personalausweis, die berufliche Tätigkeit über einen Arbeitgebernachweis geprüft.

Niedergelassene und Praxisteams schnell impfen

Gruppe 3: Erhöhte Priorität

  • über 60-Jährige
    Hinweis: Menschen ab 60 Jahren sind in Baden-Württemberg bereits allein aufgrund des Alters impfberechtigt.

Aktuell noch nicht impfberechtigt, sofern unter 60 Jahre alt:

  • Personen mit folgenden Krankheiten:
    • Adipositas (BMI über 30)
    • Immundefizienz oder HIV-Infektion
    • Diabetes mellitus ohne Komplikationen
    • div. Herzerkrankungen (Herzinsuffizienz, Arrhythmie, Vorhofflimmern, koronare Herzkrankheit oder arterielle Hypertension)
    • Schlaganfall
    • Krebs (behandlungsfrei in Remission befindlich, wenn die Remissionsdauer mehr als fünf Jahre beträgt)
    • COPD oder Asthma
    • Autoimmunerkrankungen und Rheuma
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit niedrigen Expositionsrisiko; z. B. in Laboren oder Personal ohne Patientenkontakt
  • bis zu zwei enge Kontaktperson zu pflegebedürftigen Personen ab 60 Jahren bzw. mit o. g. Erkrankungen
  • Personen in relevanter Position in Regierungen, Verwaltungen und den Verfassungsorganen, in Streitkräften, bei der Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und THW, Justiz und Rechtspflege
    (Hinweis: Feuerwehrleute, die als Ersthelfer Kontakt mit Patienten oder Verletzten haben, gehören in Baden-Württemberg bereits zu den Impfberechtigten.)
  • Personen, die als Wahlhelfer tätig sind
  • Personen in relevanter Position in Unternehmen der kritischen Infrastruktur, in Apotheken und Pharmawirtschaft, öffentlicher Versorgung und Entsorgung, Ernährungswirtschaft, Transportwesen, Informationstechnik und Telekommunikation
  • Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind
  • Personen, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und als Lehrkräfte in Schulen tätig sind, die nicht Grundschulen, Sonderschulen oder Förderschulen sind 
    (Hinweis: Baden-Württemberg hat abweichend davon alle Lehrer und Erzieher einschließlich derjenigen, die die ImpfV in Gruppe 3 einstuft, bei der Impfterminvergabe in Prio-Gruppe 2 vorgezogen.)
  • Personen, bei denen aufgrund ihrer Arbeits- oder Lebensumstände ein deutlich erhöhtes Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht

Atteste für Impfungen: Formlose Bescheinigung ausreichend

Laut Impfverordnung benötigen Patienten mit Vorerkrankungen der Gruppe 2 und 3 ein ärztliches Attest, damit sie ihren Anspruch auf eine vorrangige Impfung nachweisen können.

Vorerkrankungen nach Paragraf 4 Ziffer 2 der Impfverordnung (Priorisierungsgruppe 3)

Beispiel für eine formlose Bescheinigung: „Bei Herrn Max Mustermann liegt eine Erkrankung im Sinne von Paragraf 4 Ziffer 2 der Impfverordnung vor.“

Für die Atteste erhalten Ärzte laut ImpfV eine pauschale Vergütung von 5 Euro (GOP 88320). Hinzu kommen 0,90 Euro Portopauschale (GOP 88321), wenn der Versand per Post erfolgt.

Ohne Attest

Für Personen, deren Anspruch auf die Impfung sich bereits aus dem Alter ergibt, ist kein ärztliches Attest notwendig. Das Alter des Anspruchsberechtigten wird über den Personalausweis, die berufliche Tätigkeit über einen Arbeitgebernachweis geprüft.

Impfpriorisierung, Anamnese & Einwilligung

Das Schaubild bietet einen schnellen Überblick zu den Priorisierungsgruppen. Beim Robert Koch-Institut (RKI) sind Aufklärungsmerkblätter sowie Anamnese- und Einwilligungsbögen abrufbar. Bitte nutzen Sie immer nur die aktuellen Versionen.

Fachinformationen zur COVID-19-Impfung

In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Sicherheit von Impfstoffen und bewertet Verdachtsfälle von Nebenwirkungen. Medizinische Fachkreise finden dort fundierte Informationen zu Zulassung, Wirksamkeit, Handhabung und Risiken: Fachinformation COVID-19-Impfstoffe.

Sicherheitsbewertung des AstraZeneca-Impfstoffs – Aktuelle Hinweise

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht für die Ärzteschaft je ein Faktenblatt zu mRNA- und eines zu Vektor-Impfstoffen: RKI: Faktenblätter Impfen. Beim RKI findet sich auch die aktuelle STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung. Fragen und Antworten zu medizinischen Aspekten der COVID-19-Impfung hat das RKI ebenfalls zusammengetragen: FAQ Corona-Impfung

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Wie kann mein Praxispersonal seinen Anspruch auf eine vorrangige Corona-Impfung nachweisen?

Bitte nutzen Sie die offizielle Arbeitgeberbescheinigung zum Nachweis einer Impfberechtigung Prio 1 & 2 des Landes Baden-Württemberg. Diese ausgefüllte, unterzeichnete und gestempelte Bescheinigung ist im Original mit zum Impftermin zu bringen. Das gilt als „Bescheinigung der Einrichtung bzw. des Unternehmens“ im Sinne der Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV). Außerdem ist ein Lichtbildausweis mitzubringen.

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Letzte Aktualisierung: 23.04.2021