Telefonische Erreichbarkeit der Haus- und Kinderarztpraxen

Unverzichtbare Lotsen auch und gerade in einer solchen Extremlage

Mit einer dringlichen Bitte an die Haus- und Kinderärzte wendet sich der Vorstand der KV BW heute an die Haus- und Kinderärzte im Land.

Die Zahl der mit SARS-CoV-2 infizierten wächst exponentiell (Stand 22.3.2020: 4.300 positiv Getestete in Baden-Württemberg). Die Experten erwarten in der kommenden Woche in Baden-Württemberg über 10.000 mit SARS-CoV-2 Infizierte. Davon sind 85 Prozent ambulant versorgbar, vorhandene Schutzausrüstung vorausgesetzt.

Um das medizinische System in Baden-Württemberg vor dem Kollaps zu bewahren, müssen wir die ambulante Versorgung mit allen Kräften auf die absehbare Katastrophe vorbereiten. Hierzu bauen wir zusätzliche Strukturen auf für die Praxen, die mangels Schutzausstattung oder ungünstiger räumlicher Gegebenheiten die Patienten nicht selbst annehmen können. Ca. 400 Ärzte haben uns hierzu Ihre Kooperation angeboten:

1. Fieberambulanzen – mit umfänglicher Unterstützung von Bürgermeistern und Landräten richten wir in Turnhallen, Schulen etc. ein bis zwei zentrale Einheiten ein, in denen Infektpatienten untersucht, gegebenenfalls abgestrichen und je nach Krankheitsbild entweder in die Häuslichkeit oder in stationäre Krankenhausbehandlung verwiesen werden.

2. Corona-Schwerpunktpraxen – mehrere Praxen je Region stellen sich je nach Bedarf stundenweise bzw. ganztags zur ausschließlichen Versorgung von Infektpatienten zur Verfügung.

Hausarzt als erster Ansprechpartner und Lotse

Um die Kapazitäten der beiden zusätzlichen Einrichtungen nicht zu überfordern, verlangen wir von den Patienten, sich vor einem Besuch mit dem Haus- oder Kinderarzt telefonisch in Verbindung zu setzen. Damit kommt Ihnen die maßgebliche Filterfunktion zu. Dies setzt Ihre telefonische Erreichbarkeit und Beratung der Anrufer voraus. Sicher lassen sich viele Fälle abschließend am Telefon klären.

Das ist Botschaft und Anspruch zugleich: der Haus- bzw. Kinderarzt steuert den Patienten. Nur durch Ihre effektive Steuerung können wir die dramatische Entwicklung bremsen. Die Mitarbeiter der Servicenummer 116117 können den Ansturm von über 4.000 Anrufen/d nicht leisten und vor allem nicht ärztlich beraten.

Ein Triage-Leitfaden wird Ihnen in Kürze zugehen. Auch erhalten Sie Anschriften, Öffnungszeiten und Erreichbarkeiten der sukzessive in den Regionen aufgebauten Einrichtungen.

Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, wir sind in einer Extremsituation! Hier und jetzt müssen wir zeigen, dass es ohne uns niedergelassenen Ärzte nicht geht. Unser System ist so flexibel und schlagkräftig, dass wir auch in einer solchen Extremlage effektiv helfen und Leben retten können.

Wir danken Ihnen und insbesondere Ihren Teams für den außergewöhnlichen Einsatz in außergewöhnlichen Zeiten.