So reagieren Sie bei Nachfragen zum Rezept

Seit Juli müssen Apotheken zwischen den vier preisgünstigsten Arzneimitteln wählen – neuer Rahmenvertrag

Seit Juli haben Apotheken bei der Abgabe von Arzneimitteln neue Regelungen zu beachten: Lässt der Arzt das Aut-idem-Kästchen frei und ist kein Rabattpräparat lieferbar, muss der Apotheker zwischen den vier günstigsten Präparaten wählen. Zusätzlich definiert der Arzt durch seine Verordnung einen Maximalpreis. Durch die neuen Regelungen, kommt es derzeit vermehrt zu Anrufen von Apotheken in den Praxen.

Mit dem neuen Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung ist zu beachten:

  • Ist ein Rabatt-Arzneimittel verfügbar, hat die Apotheke dieses abzugeben. Hat die Krankenkasse für mehrere Arzneimittel Rabattverträge abgeschlossen, kann die Apotheke unter diesen Arzneimitteln frei wählen.
  • Ist kein Rabatt-Arzneimittel verfügbar (z. B. wegen Lieferschwierigkeiten) oder gibt es bei der jeweiligen Krankenkasse keinen Rabattvertrag, kann die Apotheke ab Juli nur eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel (bisher: drei oder das namentlich verordnete) abgeben. Das namentlich verordnete kann also nur noch dann abgegeben werden, wenn es zu den vier preisgünstigsten gehört. Sind diese nicht lieferfähig, hat die Apotheke das nächste preisgünstige, verfügbare Arzneimittel zu wählen.
  • Das abzugebende Arzneimittel darf nicht teurer als das verordnete sein (Preisanker). Dadurch kann sich die Auswahlmöglichkeit für die Apotheke reduzieren. Wird das günstigste Arzneimittel verordnet, kann nur dieses oder ein Arzneimittel mit dem gleichen Preis abgegeben werden. Ist dieses nicht lieferfähig, muss die Apotheke mit der Praxis Rücksprache halten und diese dokumentieren.
  • Bei einer Wirkstoffverordnung gibt es keinen Preisanker. Es kommen nur die vier preisgünstigsten Arzneimittel infrage.

An den Voraussetzungen für den Arzneimittelaustausch hat sich indes nichts geändert. Die Apotheke kann bei Verordnungen ohne Aut-idem-Kreuz einen Austausch vornehmen, wenn die folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • gleicher Wirkstoff
  • identische Wirkstärke 
  • identische Packungsgröße
  • gleiche oder austauschbare Darreichungsform
  • Übereinstimmung in mindestens einer zugelassenen Indikation

Der Rahmenvertrag zwischen GKV-Spitzenverband und Deutschem Apothekerverband regelt die Abgabe von Arzneimitteln in Apotheken. Die Änderungen gelten für alle Arzneimittelabgaben seit dem 1. Juli. Entscheidend ist damit nicht das Datum der Verordnung, sondern die Abgabe des Arzneimittels in der Apotheke.

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Direktkontakt

Verordnungsberatung Arzneimittel
0711 7875-3663
  • Mo – Fr: 8 – 16 Uhr

Preisanker: Was Sie wissen müssen

Das verordnete Arzneimittel zählt als „Preisanker“. Der Apotheker darf also kein Arzneimittel abgeben, dass teurer ist als das vom Arzt verschriebene. Wird der Preisanker überschritten – beispielsweise weil der Apotheker wegen Lieferverzögerungen auf ein anderes Medikament ausweichen möchte – muss die Apotheke den Arzt kontaktieren. Mit dem Vermerk „Arztrücksprache“ auf dem Rezept kann sie dann das teurere Präparat auswählen. Liegt lediglich eine Wirkstoffverordnung vor, gibt es den Preisanker nicht. Sie können dann sicher sein, dass das günstigste verfügbare Arzneimittel abgegeben wird.