Lieferengpass Pneumokokken-Impfstoffe

Hohe Nachfrage wegen Coronavirus-Pandemie – Handlungshinweise der STIKO

Das Bundesgesundheitsministerium (BGM) hat im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie auf die STIKO-Empfehlung zur Impfung gegen Pneumokokken für ältere und vorerkrankte Patienten hingewiesen, da ein Pneumokokkenschutz Komplikationen im Fall einer Infektion mit SARS-CoV-2 verringern kann. 

Aufgrund der daraus resultierenden starken Nachfrage sind bis auf weiteres beide Pneumokokken-Impfstoffe nur eingeschränkt lieferbar. Gemäß den Vorgaben des Robert Koch-Instituts (RKI) soll wie folgt vorgegangen werden, um besonders vulnerable Personengruppen möglichst effektiv und entsprechend ihrem Risiko zu schützen:

Prevenar®13 (Pneumokokken-Konjugatimpfstoff) soll ausschließlich für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter bis zu einem Alter von zwei Jahren verwendet werden. Sollte Prevenar®13 nicht verfügbar sein, kann auf Synflorix® (10-valenter Pneumokokken-Konjugatimpfstoff) ausgewichen werden.

Pneumovax® 23 (Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoff) soll prioritär für folgende Personengruppen verwendet werden:

  • Patienten mit Immundefizienz
  • Senioren ab dem Alter von 70 Jahren
  • Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen

Auch bei Wiederverfügbarkeit der Impfstoffe sollten Pneumokokken-Impfungen ausschließlich dem Personenkreis vorbehalten bleiben, der in den gültigen Impfempfehlungen der STIKO benannt ist (die aktuellen STIKO-Empfehlungen finden Sie hier: www.rki.de/stiko-empfehlungen). 

Die Vorgaben des RKI gelten sowohl für Verordnungen über die gesetzlichen Krankenversicherungen als auch für Privatverordnungen.

Nur für Säuglinge und Kleinkinder: Prevenar

Prevenar soll nicht für die Immunisierung von Patienten älter als zwei Jahre verwendet werden. Kinder unter zwei Jahren sind besonders gefährdet an einer schwer verlaufenden Pneumokokken-Infektion zu erkranken. Sie können nur mit einem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff geimpft werden, da der Polysaccharidimpfstoff keine ausreichende Immunantwort auslöst.

Sequenzielle Impfungen momentan nicht vorgesehen

Sequenzielle Impfungen (Pneumokokken-Konjugatimpfstoff, gefolgt von Pneumokokken-Polysaccharidimpfstoff), wie beispielsweise bei der Indikationsimpfung bei Patienten mit Immundefizienz von der STIKO empfohlen, sind damit momentan nicht mehr vorgesehen. Dies entspricht nicht den aktuellen Vorgaben in der Schutzimpfungs-Richtlinie (SI-RL), die verbindlich den Anspruch des Versicherten auf Schutzimpfungen regelt.

Der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung haben sich daher gemeinsam darauf verständigt, dass hinsichtlich der sequenziellen Impfung entsprechende Abweichungen von den Vorgaben in der SI-RL akzeptiert werden – solange der Hinweis der STIKO gilt. 

Wenn bei Wiederverfügbarkeit die sequenzielle Impfung abgeschlossen werden soll, sollte aufgrund der umgekehrten Reihenfolge der von der STIKO empfohlene Mindestabstand von einem Jahr beachtet werden (Epi.Bull. 37/2016, S. 394).

Informationen der Hersteller zur Lieferfähigkeit

Pfizer, Hersteller von Prevenar 13, gibt an, dass der Pneumokokken-Konjugatimpfstoff aktuell eingeschränkt lieferfähig ist. Um die Lieferfähigkeit aufrecht zu erhalten, wird die Bestellmenge in Deutschland limitiert. Ab Mitte April soll Prevenar® 13 wieder lieferbar sein.

Die MSD Sharp & Dohme GmbH, Hersteller von Pneumovax® 23 informiert, dass bereits die Hälfte der für dieses Jahr geplanten Impfdosen ausgeliefert wurde. Diese Menge des Polysaccharid-Impfstoffs entspricht etwa 75 Prozent des Vorjahresbedarfs. Noch vorhandene Bestände beim Hersteller sollen komplett in den Markt gegeben werden.

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