KVBW informiert Kommunalpolitiker über Konzepte gegen Ärztemangel

Fast jeder zweite niedergelassene Hausarzt im Landkreis Ludwigsburg ist älter als 55 Jahre und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Nachfolger sind rar und so zeichnet sich für die kommenden Jahre ein Mangel an Haus- und Fachärzten ab. Wie können wir die medizinische Versorgung der Menschen im ländlichen Raum sichern? Diese Frage stand gestern im Mittelpunkt einer Fachtagung für Kommunalpolitiker aus dem Landkreis Ludwigsburg, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) und dem Gemeindetag Baden-Württemberg initiiert wurde.

„Die KVBW hat die Niederlassungsberatung intensiviert, neue Kooperationsmöglichkeiten gefördert und mit der Gründung von Notfallpraxen dazu beigetragen, Ärzte für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu gewinnen. Trotzdem wird es immer schwieriger, Nachfolger für die frei werdenden Haus- und Facharztpraxen zu finden“, erklärte Dr. Peter Hinz, stellvertretender Geschäftsführer der KVBW und verantwortlich für den Geschäftsbereich Sicherstellung. „Die jungen Ärzte, die zunehmend auch weiblich sind, möchten Familie und Beruf vereinbaren können. Die Kommunen müssen künftig mehr kooperieren und gemeinsam eine Infrastruktur schaffen, die eine Niederlassung auf dem Land wieder attraktiv macht“, so Hinz vor rund 40 Bürgermeistern aus dem Landkreis Ludwigsburg.

Der organisierte ärztliche Bereitschaftsdienst stellt eine erhebliche Dienstbelastung für die Ärzte, vor allem in den ländlichen Regionen, dar. „Um die Dienstbelastung zu senken, haben wir in den letzten zehn Jahren zentrale Notfallpraxen in Sersheim, Bietigheim, Ditzingen und Ludwigsburg gegründet“, so Dr. med. Michael Friederich, Vorsitzender der Ärzteschaft Ludwigsburg. „Damit diese Notfallpraxen aber wirtschaftlich arbeiten können, brauchen wir eine bessere und vor allem zuverlässige Honorierung der dort anfallenden ärztlichen Leistungen“, forderte Friederich.

Auch die Landesregierung plädiert für neue Rahmenbedingungen: „Wir unterstützen die Sicherung einer qualitativ hochwertigen, flächendeckenden ärztlichen Versorgung mit vielfältigen Maßnahmen, zum Beispiel durch das Aktions- und Förderprogramm „Landärzte“. Wir erwarten aber auch vom Bund rasche Initiativen für eine Verbesserung der regionalen Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere bei der Bedarfsplanung“, erklärte Manfred Zach, Ministerialdirigent im Sozialministerium Baden-Württemberg.