Quadrivalente Impfstoffe gegen Influenza in der laufenden Impfsaison 2017/2018

Krankenkassenverbände zeigen Entgegenkommen: Ausnahmefälle für Vierfachimpfstoff bei Hochrisikopatienten

In 15 Prozent der in Deutschland in der 52. Kalenderwoche 2017 untersuchten Influenzafälle wurden Viren der Yamagata-Stämme nachgewiesen, die nicht im trivalenten Impfstoff (TIV), aber im quadrivalenten Impfstoff (QIV) enthalten sind. Das teilt das Robert-Koch Institut (RKI) mit. Zur Frage, inwiefern der TIV auch in diesen Fällen aufgrund einer Kreuzprotektion wirksam sein kann, nimmt das RKI wie folgt Stellung:
„Es erscheint wahrscheinlich, dass eine partielle Kreuzprotektion existiert, wobei diese aber nicht quantifiziert werden kann. Je nach den Antigen-Eigenschaften der zirkulierenden Influenzaviren der nicht in TIV enthaltenen Influenzavirus B-Linie erscheinen zudem Schwankungen des Ausmaßes der Kreuzprotektion von Saison zu Saison möglich.“ (Epidemiologisches Bulletin Nr. 2 vom 11. Januar 2018 des RKI).

Das Robert-Koch Institut befasst sich umfangreich mit der Influenza-Situation und nimmt auch zur Frage der Nachimpfung trivalent vorgeimpfter Patienten durch einen quadrivalenten Impfstoff wie nachfolgend Stellung:

„Der zusätzliche Nutzen des quadrivalenten Impfstoffes (QIV) für bereits mit trivalenten Impfstoff (TIV) Geimpfte hängt in erster Linie davon ab, in welchem Ausmaß Influenzaviren der in der TIV nicht enthaltenen B-Virus Linie in der Saison zirkulieren.

Hochrisikopatienten: Individuell über Impfung mit QIV entscheiden

Für Personen, die in der laufenden Influenza-Saison bereits mit TIV geimpft wurden, wird eine Nachimpfung mit QIV dennoch nicht generell empfohlen. Es liegen keine Daten dazu vor, ob es nach einer Nachimpfung mit einem zweiten Influenzaimpfstoff vermehrt zu Impfreaktionen kommt und ob ein Mindestabstand zu einer vorausgegangenen TIV-Impfung für eine Nachimpfung mit QIV einzuhalten ist.
Bei Hochrisikopatienten muss individuell über eine Nachimpfung mit QIV entschieden werden. Ob es sich im speziellen Fall um einen Hochrisikopatienten handelt, unterliegt der individuellen Einschätzung des Arztes. Mögliche Parameter sind besonders schwer verlaufende oder multiple Grunderkrankungen, die einen besonders schweren Verlauf einer Influenza-Infektion befürchten lassen.“

Neue Ausnahmeregelung: Verordnung quadrivalenter Impfstoffe

Der KVBW ist es kurzfristig gelungen, mit allen Krankenkassenverbänden des Landes entgegenkommender Weise hierzu kurzfristig Nachfolgendes zu vereinbaren:

  • Die Verordnung quadrivalenter Impfstoffe ist abweichend von der bisherigen Regelung in den o. g. Ausnahmefällen bei Hochrisikopatienten auf Namen des Patienten unter Verwendung eines regulären Rezeptes (Muster 16) möglich. Dieser Fall ist entsprechend in der Patientenakte zu dokumentierenden. Ein Bezug über Sprechstundenbedarf war in der Kürze der Zeit nicht zu erreichen.
  • Sind die genannten Bedingungen erfüllt, kann der Arzt seine Impfleistung als weitere Influenzaimpfung gem. der Gebührenordnungsposition 89112 abrechnen.

Detaillierte Dokumentation in der Patientenakte

Sofern aus patientenspezifischen Gründen eine Impfung mit einem QIV erfolgt, empfehlen wir also nachdrücklich, eine entsprechende detaillierte Dokumentation in der Patientenakte vorzunehmen und auch die Möglichkeiten einer erhöhten Immunreaktion und der damit verbundenen Belastung, gerade für Risikopatienten, aus medizinischer Sicht streng abzuwägen unter erneutem Verweis auf die angegebene Literaturquelle sowie auch das Epidemiologisches Bulletin Nr. 2 vom 11. Januar 2018 des RKI.

Zu der Vorgehensweise in der kommenden Impfsaison 2018/2019 nehmen wir zu einem späteren Zeitpunkt Stellung.

Der Landesapothekerverband hat uns am 22. Januar 2018 mitgeteilt, dass ausreichend Impfstoffe als Einzeldosen auch in Baden-Württemberg verfügbar sind.

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Letzte Aktualisierung: 11.12.2018