Telematikinfrastruktur (TI) & E-Health

Digitale Vernetzung im Gesundheitswesen

Am 29. Dezember 2015 ist das „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen“ (E-Health-Gesetz) in Kraft getreten. Ziel des Gesetzes ist es, eine digitale Informations- und Kommunikationsstruktur im Gesundheitswesen zu etablieren und dadurch die Wirtschaftlichkeit und Qualität der Versorgung weiter zu verbessern.

Künftig sollen Praxen, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Akteure des Gesundheitssystems durch die Telematikinfrastruktur (TI), eine digitale Plattform für den Datenaustausch, miteinander vernetzt sein. Hierfür gibt das E-Health-Gesetz einen konkreten Fahrplan mit Fristen vor. Die Anwendungsmöglichkeiten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der Telemedizin werden damit weiter ausgebaut.

TI-Installationsfrist: 1. Juli 2019

Alle Praxen, die zum Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) verpflichtet sind, müssen spätestens zum 1. Juli 2019 an die TI angeschlossen sein und den Online-Abgleich der Versichertendaten (VSDM) auf der elektronischen Gesundheitskarte durchgeführt haben, um keine Honorarkürzungen von einem Prozent zu riskieren. Der Gesetzgeber hat die Sanktionen bis zum 30. Juni 2019 ausgesetzt – für diejenigen Praxen, die bis zum 31. März 2019 alle technischen TI-Komponenten (Konnektoren, Kartenlesegeräte, SMC-B) verbindlich bestellt haben.  

Das Nachweisverfahren für die Bestellung führt die KVBW bürokratiearm in Form einer verbindlichen, vorformulierten Eigenerklärung durch. Dazu kommen wir ab dem dritten Quartal 2019 schriftlich auf alle Praxen zu, deren Quartalsabrechnung 2/2019 noch keinen automatischen VSDM-Prüfnachweis enthält. Bitte reichen Sie keine Vertragsdokumente unaufgefordert bei uns ein.

Wenden Sie sich für die Ausstattung und Installation an Ihren PVS-Anbieter oder Vertriebspartner vor Ort. Bewahren Sie die Bestellunterlagen zu Prüfungszwecken sorgfältig auf.

Unsere Handlungsempfehlung: Merkblatt TI in vier Schritten

KBV PraxisInfo: Fit für die Telematikinfrastruktur – Ausstattung und Finanzierung

Einführung der Telematikinfrastruktur

Die bundesweite Telematikinfrastruktur (TI) wird schrittweise ausgerollt. Als erste Funktion der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) startet das Versicherten­stammdaten­management (VSDM), d. h. die automatische Online-Prüfung der Stammdaten auf der Versichertenkarte. Ab 1. Januar 2019 ist dieser Online-Abgleich der Versichertendaten für Vertragsärzte und -psychotherapeuten gesetzlich verpflichtend. Der Gesetzgeber hat die Sanktionen bis zum 1. Juli 2019 ausgesetzt, für all jene Praxen, die bis zum 31. März 2019 die TI-Komponenten bestellt haben. 

Für den Anschluss der Praxen an die TI und die Durchführung des VSDM sind verschiedene technische Komponenten als Basis­ausstattung erforderlich (Konnektor, Kartenterminals, Praxisausweis). Mehr dazu: KBV: Technische Ausstattung der TI. Die Betreibergesellschaft gematik zertifiziert die Komponenten für den Einsatz in den  Praxen. Welche Produkte und Dienste zugelassen sind, zeigt die laufend aktualisierte gematik: Zugelassene TI-Komponenten.

Als Anbieter und Herausgeber des Praxisausweises (SMC-B-Karte) haben bisher die Bundesdruckerei, die Firma medisign sowie T-Systems eine Zulassung erhalten (mehr zur SMC-B erfahren »). Vertragsarzt- und Vertragspsycho­therapeutenpraxen ist möglich, sich an die TI anzuschließen, sofern der jeweilige PVS-Anbieter bereits soweit ist.

Finanzierungsvereinbarung

Zur Refinanzierung der Kosten und zur Vergütung haben die KBV und der GKV-Spitzenverband eine Finanzierungs­vereinbarung geschlossen. Die Pauschale ist abhängig vom Zeitpunkt (Quartal) der ersten Durchführung des VSDM sowie von der Anzahl der in der Praxis tätigen Vertragsärzte. Mehr dazu erfahren Sie auf der Seite der KBV: Finanzierung der TI. Auch die Kosten­erstattungen für weitere vorgesehene TI-Anwendungen sind bereits vereinbart worden (Notfalldatenmanagement, eArztbrief).

Erstattungsverfahren

Die KVBW erstattet die Pauschalen für die Erstausstattung und den laufenden Betrieb bürokratiearm und automatisiert im Rahmen der Quartalsabrechnung.

Als Installationsnachweis gilt für alle Praxen mit direktem Arzt-Patienten-Kontakt das erste erfolgreich durchgeführte Versicherten­stamm­daten­management (VSDM) bei einem abzu­rech­nen­den GKV-Patienten. Das PVS fügt dann automatisch einen Prüfnachweis in die KV-Abrechnung ein, anhand dessen wir Ihre praxisindividuelle Pauschale auf Ihr Honorarkonto auszahlen.

Vertragsärzte ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt (z. B. Labore, Pathologen) oder Anästhesisten, die Patienten in Betriebsstätten von Kollegen behandeln, sind nicht zum VSDM verpflichtet und müssen ihre Pauschalen daher selbst per Antrag einfordern. Dafür steht Ihnen ein vorbefülltes Antragsformular zur Kostenerstattung im Dokumentenarchiv des Mitgliederportals zur Verfügung.

Informationen zum Download

Betriebsarten des TI-Konnektors

Vor der Installation sollten Sie mit ihrem IT-Dienstleister die Betriebsart des TI-Konnektors festlegen (Reihenbetrieb, Parallelbetrieb, Netzwerktrennung). Eine gute Übersicht zu den einzelnen Anschlussarten bietet das Informationsblatt der gematik. Die Betriebsarten unterscheiden sich hinsichtlich erforderlicher Sicherheitsmaßnahmen, Flexibilität und Konfigurationsaufwand.

Nach Auskunft des Bundesdatenschutzbeaufragten und der KBV endet die datenschutzrechtliche Verantwortung des Arztes am Konnektor, d. h. Sie sind, wie bisher auch, nur für die Systeme innerhalb der Praxis verantwortlich, auf die Sie unmittelbaren Einfluss haben (KBV-Presse­mit­tei­lung: Ärzte haften nicht für TI). Beim Konnektor bzw. TI-Anschluss liegt die Verantwortung für die IT-Sicherheit bei der gematik und den Her­stellern der TI-Komponenten; für die korrekte und sichere Installation und Konfiguration ist Ihr Softwaredienstleister vor Ort verantwortlich.

Diese Punkte sollten Sie bei Ihrer Entscheidung für eine der Anschlusssarten beachten:

  • Das gesamte Praxisnetzwerk ist an den Konnektor angeschlossen und das Praxisnetzwerk ist nach BSI-Vorgaben über die in den Konnektor integrierte Firewall geschützt.
  • Der Internetzugriff über den Konnektor ist wegen Einschränkung des Datenvolumens über den Dienst „Secure Internet Service“ (SiS) nur begrenzt möglich. Daher können Betriebssystem-Updates wegen ihrer Größe wahrscheinlich nicht über das Standard-SIS-Datenvolumen durchgeführt werden.
  • Fernwartung ist möglicherweise nutzbar, aber wegen der geringen Performanz nicht empfehlenswert.
  • IP-Telefonie ist nicht über diese Betriebsart möglich.
  • Der Konnektor wird „parallel” zum restlichen Praxisnetzwerk am DSL-Router angeschlossen. Das heißt, das Praxisnetzwerk hängt nicht nur am Konnektor, sondern gleichzeitig am DSL-Router; damit ist eine Internetnutzung vom gesamten Praxisnetzwerk aus uneingeschränkt möglich. Sämtliche Updates (Praxisverwaltungssoftware, Betriebssystem, Virenschutz etc.) sind über diesen Weg einspielbar.
  • Zwingende Voraussetzung: Gesonderte Sicherheitsmaßnahmen wie Firewall und Virenscanner müssen eingerichtet werden, da Konnektor nicht als integrierte Firewall dient.
  • Der Parallelbetrieb empfiehlt sich für alle, die vorher bereits Internetzugang im Praxisnetzwerk hatten und dies weiterhin benötigen.
  • Bei einer Netzwerktrennung wird zusätzlich zum Reihenbetrieb ein separater „Internet-PC” an den DSL-Router der Praxis angeschlossen. Dieser „Internet-PC” läuft damit getrennt vom Konnektor, hat also keinen Zugriff auf die TI und ist auch nicht über das SiS abgesichert.
  • Vorteil im Vergleich zum Reihenbetrieb: Die Internetnutzung ist über diesen „Internet- PC” uneingeschränkt möglich, ohne das Praxisnetz direkt zu gefährden. Die üblichen Sicherheitsvorkehrungen sind auch für den Internet-PC dringend empfohlen.

Technische Ausstattung: Was Praxen benötigen

Um die Telematikinfrastruktur (TI) nutzen zu können, benötigen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten verschiedene Komponenten und Dienste. Erster Ansprechpartner für die Ausstattung der Praxis ist Ihr Vertriebspartner vor Ort bzw. der Anbieter der Software-Lösung, welche Sie in Ihrer Praxis einsetzen. Die für die Ausstattung der Praxen benötigten Komponenten werden von unterschiedlichen Herstellern zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Einige Komponenten werden derzeit noch entwickelt, andere befinden sich schon in der Zertifizierung oder sind bereits zugelassen.

Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor – ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem Praxisverwaltungssystem per Netzwerk verbunden. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement.

Mit den Kartenterminals (Lesegeräten) werden die elektronische Gesundheitskarte (eGK), der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) und die Praxis- beziehungsweise Institutionskarte Security Module Card Typ B (SMC-B) eingelesen. Nur wenn die Praxis mittels SMC-B registriert ist, kann der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen.

Was Sie zum Praxisausweis (SMC-B) wissen müssen »

Ärzte, die Hausbesuche durchführen (mindestens drei im Quartal), die meisten Anästhesisten sowie Praxen mit ausgelagerten Praxisstätten haben Anspruch auf ein mobiles Kartenterminal.

Für den Betrieb eines TI-fähigen mobilen Kartenterminals wird eine weitere SMC-B (Praxisausweis) oder ein eHBA (elektronischer Heilberufsausweis) zur Identifikation benötigt. Achtung: Der aktuelle eHBA der Generation 0 ist dafür nicht geeignet! Es kann nur ein eHBA der Generation 2 verwendet werden, der derzeit noch nicht verfügbar ist (Stand: Februar 2019).

Welche mobilen Kartenterminals von der gematik für die Telematikinfrastruktur zugelassen sind, sehen Sie in der Zulassungsliste für den Online-Produktivbetrieb (Auswahl „mob-KT” unter Produkttyp).

Für den Zugang zur TI wird ferner ein sogenannter VPN-Zugangsdienst benötigt, der von einem speziellen Dienstleister bereitgestellt wird.

Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, damit das Auslesen und gegebenenfalls Aktualisieren der Versichertendaten auf der eGK möglich ist.

SNK-Anwendungen über die TI erreichen

Das Sichere Netz der KVen (SNK) ist an die Telematikinfrastruktur angeschlossen. Nach der TI-Anbindung Ihrer Praxis erreichen Sie daher über den TI-Konnektor die KV-Anwendungen im SNK wie z. B. die Online-Abrechnung. Über die TI erhalten Sie insbesondere direkten Zugang zum Mitgliederportal der KVBW über den folgenden Link: www.portal.kvbw.kv-safenet.de.

Unser Tipp: Testen Sie bei der Installation gleich mit dem Techniker vor Ort, ob Ihr Konnektor so konfiguriert ist, dass Sie unser Mitgliederportal im Sicheren Netz der KVen erreichen können.

Auch der Kommunikationsdienst KV Connect (1-Click-Abrechnung direkt aus dem PVS etc.) kann über die TI genutzt werden. Für die Integration von KV-Connect in die Praxissoftware entstehen allerdings monatliche Kosten, die von den Lizenzmodellen der einzelnen Herstellern abhängen.

Praxen, die bereits einen KV-SafeNet*-Anschluss haben und auf die TI umsteigen, raten wir, ihre Kündigungsfristen zu prüfen; gegebenenfalls sieht Ihr Vertrag mit dem KV-SafeNet*-Anbieter für diesen Fall ein ordentliches Kündigungsrecht vor. Informieren Sie sich rechtzeitig, um nicht zwei Anschlüsse parallel betreiben und finanzieren zu müssen.

Wesentliche Punkte des E-Health-Gesetzes:

  • elektronischer Arztausweis / elektronischer Heilberufsausweis (eHBA)
  • Medikationsplan
  • Versichertenstammdaten-Management (VSDM)
  • telemedizinische Anwendungen
  • elektronischer Arztbrief
  • Notfalldatenmanagement
  • elektronische Patientenakte

Weiterführende Informationen zu den einzelnen Punkten finden Sie auf der KBV-Homepage:

Letzte Aktualisierung: 04.06.2019