Bewertungsausschuss beschließt Honorierung im Rahmen der neuen Psychotherapie-Richtlinie zum 1. April 2017

Schnellinformation des KVBW-Vorstands

Am 29. März 2017 hat der Erweiterte Bewertungsausschuss mit der Mehrheit des Spitzenverbandes der Krankenkassen und des unabhängigen Vorsitzenden gegen die Stimmen der die Vertragspsychotherapeuten und Ärzte vertretenden KBV die extrabudgetäre Vergütungshöhe der neuen Leistungen (Sprechstunde und Akutbehandlung) im Rahmen der ebenfalls zum 1. April 2017 in Kraft tretenden Psychotherapie-Richtlinie beschlossen.

Mit der Höhe der beschlossenen Vergütung, die in keiner Weise die Qualifikation der Beteiligten und den mit den neuen Leistungen verbundenen Aufwand berücksichtigt, wird nach Einschätzung der KVBW der Wille des Gesetzgebers konterkariert, ein flexibles und kurzfristiges Angebot psychothera­peutischer Leistungen zu schaffen, da mit der jetzt vorgegebenen Vergütungshöhe keine Anreize verbunden sind. Der Gesetzeswille sah die Verkürzung von Wartezeiten und die Gewährleistung eines niedrigschwelligen, flexiblen und gut erreichbaren Zugangs und somit eine Ergänzung der derzeitigen psycho­therapeutischen Versorgung vor. Die Höhe der Bewertung der neu eingeführten GOP hätte aus Sicht der KVBW hierfür spürbar höher als die Richtlinientherapie ausfallen müssen. Der Beschluss sieht jedoch eine ca. 3,5 Prozent niedrigere Bewertung vor.

Probatorische Sitzungen nach GOP 35150 unverändert honoriert

Die Honorierung der Gebührenordnungsposition GOP 35150 bleibt bei 621 Punkten je Therapieeinheit von 50 Minuten. Allerdings sind maximal bis zu 4 (bei Kindern/Jugendlichen bis zu 6) Einheiten abrechnungsfähig. Für vor dem 1. April 2017 begonnene Probatorik gilt im Sinne einer Übergangsregelung insgesamt die Anzahl der bisherigen Richtlinienvorgaben

Sprechstunde ca. 3,5 Prozent schlechter als Richtlinientherapie vergütet

Die Gebührenordnungsposition GOP 35151 EBM wird in Einheiten von 25 Minuten ca. 3,5 Prozent unter dem Niveau der Richtlinientherapie mit 42,75 Euro (406 Punkte) je 25 Minuten vergütet. Die Gebührenordnungsposition ist bis zu sechsmal im Krankheitsfall (das aktuelle und die folgenden drei Quartale) berechnungsfähig.

Psychotherapeutische Akutbehandlung wird ebenfalls ca. 3,5 Prozent unter dem Niveau der Richtlinientherapie vergütet.

Auch die ebenfalls vom Gesetzgeber neu vorgesehene Akutbehandlung nach Gebührenordnungsposition GOP 35152 EBM ist mit 42,75 Euro (406 Punkte) je 25 Minuten bewertet. Im Krankheitsfall (das aktuelle und die folgenden drei Quartale) kann diese Leistung bis zu 24-mal abgerechnet werden. Die entsprechenden Sitzungen werden auf ggf. nachfolgende Antragspsychotherapie-Kontingente angerechnet. Eine Beantragung ist jedoch für die Akutbehandlung nicht notwendig. Es genügt die Anzeige des Therapeuten gegenüber der Krankenkasse (PTV 12).

Weiterer Strukturzuschlag ebenfalls ca. 3,5 Prozent niedriger bewertet

Die neuen Leistungen (Sprechstunde und Akutbehandlung) werden auf das Volumen zur Ermittlung der Quote der Strukturzuschläge (GOP 35251 bis 35254) angerechnet. Die neue GOP 35254 EBM als Zuschlag zur Sprechstunde oder Akutbehandlung ist bei voller Auszahlungsquote mit 7,27 Euro (69 Punkte) ebenfalls ca. 3,5 Prozent niedriger bewertet und wird von der KV zugesetzt.

Rezidivprophylaxe nach GOP der Langzeittherapie berechnungsfähig

Die inzwischen in den Richtlinien explizit geregelte Rezidivprophylaxe (max. 16 Sitzungen innerhalb des Kontingents bei Erwachsenen und bis zu 20 Sitzungen bei Kindern und Jugendlichen) kann nach den bereits existierenden Gebühren­ordnungs­positionen (Kennzeichnung mit R) der Langzeittherapie abgerechnet werden. Die Bewertung bleibt entsprechend erhalten.

Gruppentherapien

Die Abrechnung von Gruppenleistungen erfolgt übergangsweise mit den alten Gebührenordnungspositionen, wobei die Gruppengrößen auf mindestens drei und maximal neun Teilnehmer angepasst wurden. Neu ist, dass die GOP für kleine Gruppen nun auch bei Erwachsenen angesetzt werden dürfen (nicht mehr nur für Kinder und Jugendliche). Ein neues Vergütungssystem für Gruppentherapien, das auch eine höhere Honorierung vorsieht, soll zum 1. Juli 2017 eingeführt werden.

Alle Infos zur neuen Psychotherapie-Richtlinie

Informationen zur Psychotherapie-Richtlinie und den in diesem Zusammenhang einzuhaltenden Pflichten finden Sie unter Neue Psychotherapie-Richtlinie ».
Dort sind auch Merkblätter sowie ein laufend aktualisierter Frage-/Antwortkatalog und mannigfaltige Informationen zur Meldung von telefonischen Erreichbarkeits- und Sprechstundenzeiten zu finden.

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