Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Ländern. Das Robert Koch-Institut geht in Deutschland für 2010 von über 70.000 Neuerkrankungen aus; etwa 26.000 Menschen sterben pro Jahr daran. Da sich Dickdarmkrebs erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkbar macht, sind Früherkennungsuntersuchungen die einzige Möglichkeit, ihn im Frühstadium zu erkennen. Ein Muss für jeden ab 50 und für Menschen mit familiärer Veranlagung schon früher.
In mehreren Schritten kommt der Arzt dem Darmkrebs auf die Spur. Vom Abtasten des Enddarms über Stuhluntersuchungen bis zur Darmspiegelung nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, einen Krebs oder seine Vorstufe, die sogenannten Polypen, zu finden. Alle Untersuchungen sind völlig unproblematisch und schmerzfrei. Auch von der häufig diskutierten Darmspiegelung – die jedem Krankenversicherten ab dem 55. Geburtstag alle zehn Jahre zusteht – werden Sie nichts merken. Außer dem schönen Gefühl hinterher, dass Sie sich für lange Zeit nun keine Sorgen mehr machen müssen. Denn ein Darmkrebs braucht viele viele Jahre, um sich zu entwickeln, und in dieser Zeit erwischt, liegen die Heilungschancen bei fast 100 Prozent.
- Bei der jährlichen Krebsvorsorge tastet der Arzt mit dem Finger den Enddarm ab. Dabei können jedoch nur Tumore im unteren Mastdarm und auch nur ab einer gewissen Größe bemerkt werden.
- Eine größere Sicherheit bietet der Papierstreifentest (Okkultblut-Test): Hierbei werden kleine Stuhlproben auf ein Testheftchen übertragen und im Labor auf minimale, mit dem Auge nicht sichtbare, Blutspuren untersucht. Leider ist auch dieser Test nicht „perfekt“, denn Blutspuren im Stuhl können viele Ursachen haben, Hämorrhoiden zum Beispiel. Also muss bei einem positiven Papierstreifentest weitergesucht werden, um die Ursache der Blutspuren genau zu lokalisieren.
- Die Darmspiegelung (Koloskopie) umfasst eine genaue und vollständige Untersuchung des gesamten Dickdarms. Sogar sehr frühe Vorstadien lassen sich dabei finden. Bei einer Darmspiegelung wird nach gründlicher Reinigung des Darms ein dünner, flexibler Schlauch – das Koloskop – durch den After eingeführt. An der Spitze des Schlauchs befindet sich eine winzige beleuchtete Optik, die ein gestochen scharfes Bild von Ihrem „Innenleben“ liefert. Somit kann der Arzt den Darm Zentimeter für Zentimeter untersuchen. Und sollte er dabei einen oder mehrere harmlose Polypen finden, aus denen später ein Krebs entstehen würde, können die mit dem gleichen Koloskop sofort schmerzfrei entfernt werden. Angst vor der Untersuchung ist also völlig unbegründet.
- Eine Darmspiegelung reicht für viele Jahre Gewissheit. Seit dem 1. Oktober 2002 zahlt daher die Gesetzliche Krankenversicherung ab dem 56. Lebensjahr zwei Koloskopien im Abstand von zehn Jahren. Ihre Durchführung erfolgt nur durch solche niedergelassenen Ärzte, die strenge Qualitätskriterien hinsichtlich ihrer Qualifikation und der Praxisausstattung erfüllen. Diese Standards werden regelmäßig durch die Kassenärztlichen Vereinigung überprüft.
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- 70 Prozent der menschlichen Abwehrzellen im Darm sitzen? Der Darm ist das Zentrum unseres Immunsystems. Eine gesunde Darmflora bietet daher auch einen wirksamen Schutz gegen schädliche Mikroorganismen.
- der Darmkrebs der einzige Krebs ist, der durch Früherkennung zu fast 100 Prozent vermeidbar bzw. heilbar ist? Das liegt daran, dass dieser Krebs Vorstufen – die so genannten Polypen – bildet. Nur aus diesen Polypen, die im Frühstadium noch kein Krebs sind, können bösartige Adenome entstehen. Wenn der Arzt bei der Darmspiegelung solche Polypen entdeckt, werden sie noch während der Untersuchung ohne Operation entfernt, und der Untersuchte kann sicher sein, die nächsten Jahre keinen Darmkrebs zu bekommen.
- ein Darmkrebs erblich ist? Experten schätzen, dass ca. 30 Prozent aller Darmkrebsfälle auf eine familiäre Disposition bzw. auf genetische Ursachen zurückzuführen sind. Menschen, in deren Familien Darmkrebs oder Polypen vorgekommen sind, sollten sich deshalb frühzeitig über die Möglichkeiten der Früherkennung beraten lassen und bereits in jungen Jahren zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Bei einer familiären Disposition zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die kurative Koloskopie (Darmspiegelung) auch unabhängig vom Alter.
- eine Darmspiegelung nur alle zehn Jahre notwendig ist? Dies gilt allerdings nur, wenn der Befund der letzten Spiegelung negativ war. Für Menschen, bei denen Polypen gefunden und entfernt wurden sowie bei Menschen mit einem erblichen Risiko sind die Untersuchungszeiträume kürzer. Diese können je nach vorliegender Diagnose zwischen zwei bis sechs Jahren variieren.
- der Stuhlbluttest jedes Jahr durchgeführt werden sollte? Dieser Test erkennt verstecktes (okkultes) Blut im Stuhl. Polypen, die Vorstufen von Darmkrebs sein können, bluten in Intervallen, also nicht ständig. Deshalb muss auch jeder positive Stuhlbluttest durch eine Koloskopie abgeklärt werden, um sicher zu sein, dass keine Polypen oder andere Erkrankungen vorliegen. Den Test mehrfach zu wiederholen, bis einmal kein Blut gefunden wird, darf auf keinen Fall gemacht werden. Dies ist in den ärztlichen Richtlinien ausdrücklich ausgeschlossen.
- die gesetzlichen Krankenkassen den Stuhlbluttest ab dem Alter von 50 Jahren und die präventive Koloskopie ab dem Alter von 55 Jahren bezahlen? Für Menschen, die akute Beschwerden haben (Blut im Stuhl, Schmerzen) oder auch bei Versicherten mit Darmkrebsfällen in der Familie, gilt diese Regelung nicht. Sie bekommen sowohl den Test, als auch die Koloskopie altersunabhängig erstattet. Der Stuhlbluttest ist zudem rezeptfrei in der Apotheke zur Selbstauswertung oder Einsendung in ein Labor erhältlich.
- Sie Ihr Darmkrebsrisiko mit einem gesunden Lebensstil erheblich reduzieren können? Gesunde Ernährung und regelmäßiger Ausdauersport senken das Darmkrebsrisiko nachweislich um bis zu 40 Prozent. Allerdings gilt dies nur für Menschen, die keiner der genannten Risikogruppen angehören. Für diese ist der regelmäßige Darm-Check in jedem Fall Pflicht.
- die virtuelle Koloskopie (Computertomografie oder Magnetresonanzverfahren) derzeit die konventionelle Koloskopie noch nicht ersetzen kann? Wird bei CT oder MR ein Polyp entdeckt, kann dieser nur mit einer konventionellen Darmspiegelung entfernt werden.
- dass in der Darminnenwand rund 100 Millionen Nervenzellen zu einem Netz verflochten sind? Das sind mehr Zellen, als das gesamte Rückenmark besitzt. Dies erklärt, warum der Darm sehr sensibel auf äußere und psychosomatische Einflüsse reagiert.
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