Selbsthilfegruppen

Helfen und helfen lassen

Das Leben mit einer Krankheit ist für die betroffenen Menschen eine tiefgreifende Erfahrung und oft eine sehr schwierige Aufgabe. Sie bringt das ganze Leben durcheinander, stellt Partner­schaften und Familien auf eine harte Probe und konfrontiert die Seele mit nie gekannten Ängsten und Zukunfts­sorgen. Eine Situation, die enorm viel Kraft verschlingt. Hinzu kommen die scheinbar banalen organisatorischen Heraus­forderungen im täglichen Umgang mit dem eigenen Schicksal. Aus diesen Erfahrungen heraus entstand die Bewegung der Selbsthilfegruppen: Zusammen­arbeit und gegen­seitige Hilfe von Menschen, die Experten in eigener Sache geworden sind.

Selbsthilfegruppen bundesweit

  • mehr als 90.000 Selbsthilfegruppen in Deutschland
  • zwei Drittel mit Themenschwerpunkt im Bereich Gesundheit
  • nahezu das gesamte Spektrum an Krankheiten und Behinderungen von allergischen, asthmatischen und anderen Atemwegserkrankungen über Herz-Kreislauf- bis zu Tumorerkrankungen, Sucht und Abhängigkeit sowie psychische Erkrankungen und Probleme. Andere Gruppen engagieren sich in der sozialen Selbsthilfe, in den Bereichen Familie, Partnerschaft, Angehörige, Erziehung, Frauenselbsthilfe, Alter, Nachbarschaft, Kultur, Migration sowie zur Hilfe in Lebenskrisen.
  • Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) als Ansprechpartner auf Bundesebene

Selbsthilfegruppen in Baden-Württemberg

Es gibt auch in Baden-Württemberg zahlreiche Selbsthilfegruppen zu einem breiten Spektrum an Themen. Gerne ist unsere Kooperations­beratungs­stelle für Ärzte und Selbsthilfegruppen (KOSA) als erster Ansprechpartner für Sie da. Wenn Sie weitere geeignete Adressen in Ihrer Nähe suchen, wenden Sie sich bitte an die regionalen Selbsthilfekontaktstellen. Eine Liste mit den Adressen der regionalen Selbst­hilfe­kontakt­stellen in Baden-Württemberg haben wir für Sie zusammengestellt.

Auch bei unserem Patiententelefon MedCall erhalten Sie Informationen über Selbsthilfegruppen in Baden-Württemberg.

Nur Mut: Einfach hingehen hilft immer

So wenig hilfreich es zunächst klingen mag, aber es stimmt: Viele Menschen befinden sich in einer vergleichbaren Situation wie Sie. Die einen sind bereits erfahren im Umgang mit den vielfältigen medizinischen, psychischen und sozialen Problemen einer Krankheit. Andere sind ein gutes Stück weiter auf dem Weg zur Akzeptanz Ihres Schicksals. Und viele wurden schon durch die positive Erfahrung von Solidarität und Zuwendung anderer darin gestärkt, die eigene Situation anzunehmen. Solche Menschen wohnen in Ihrer Stadt, womöglich in Ihrem Viertel. Und in einer Selbsthilfegruppe können sie sich kennen lernen.

Die Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe ersetzt nicht die Behandlung durch einen Arzt. Aber zusammen mit der Kompetenz des behandelnden Arztes und dem Rückhalt der (Selbsthilfe-)Gemeinschaft können Betroffene eine zusätzliche Qualität im Umgang mit den belastenden Einschränkungen der Krankheit gewinnen – in einer Gruppe von Menschen, die die gleiche Krankheit zu bewältigen haben.

Selbsthilfegruppen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Menschen mit gemeinsamen Problemen. Sie arbeiten eigenverantwortlich und werden in der Regel nicht von Fachleuten geleitet. Nicht selten engagieren sich Ärzte für die Selbsthilfegruppen und stehen auf Wunsch mit Ratschlägen zur Seite. Häufig schließen sich mehrere regionale Selbsthilfegruppen zu überregionalen, landesweiten oder bundesweiten Verbänden zusammen. Diese Selbsthilfeorganisationen weisen einen deutlich höheren Organisierungsgrad auf und umfassen meist ein themenspezifisches Indikationsgebiet, zum Beispiel Rheuma oder Krebs. Selbsthilfeorganisationen tragen ihre Anliegen in die Öffentlichkeit und bieten fachliche Beratungen, Seminare und Fortbildungen an.

Einfach hingehen. Die Leute drinnen kennen das Wagnis ihres eigenen ersten Besuches. Jeder hier war einmal neu und ängstlich, auch wenn dies den ersten Schritt nicht wirklich einfach macht. Unbekannte Türen zu öffnen, ist ein Teil aktiver Selbsthilfe. Und es gibt genug Möglichkeiten, sich vorsichtig heranzutasten. Nehmen Sie telefonisch Kontakt auf. Erkundigen Sie sich bei den öffentlichen Institutionen des Gesundheitswesens, Ihrem Arzt, unseren Patienten-Beratungsstellen oder unseren Adressen nach der Arbeitsweise von Selbsthilfegruppen, nach ihren Treffpunkten, Sprechstunden und konkreten Angeboten in Ihrer näheren Umgebung.

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Letzte Aktualisierung: 17.06.2016