Stress kann uns zu Höchstleistungen anspornen oder uns fix und fertig machen. Stress ist ein Zustand der Belastung und die individuelle Reaktionsweise auf eine bestimmte Umweltsituation. Wissenschaftlich betrachtet ist Stress eigentlich wertneutral und löst nicht immer nur negative Empfindungen aus, wie es unser Sprachgebrauch vermittelt. Ein gewisses Maß an Stress gehört sogar zum alltäglichen Leben; eine absolute Reizarmut wäre unerträglich. Stressreize lösen im Körper zwar immer den gleichen Mechanismus aus, doch vom gesunden zum krankmachenden Stress ist es häufig nur ein kleiner Schritt.
Der Sinn der Stressreaktion ist ursprünglich die Lebenserhaltung durch einen reflexartigen Angriffs- und Fluchtmechanismus. Droht Gefahr, kommt es im Körper zu einer gewaltigen Kraftentfaltung und -bereitstellung: Die Nebennieren schießen unter anderem Adrenalin ins Blut. Die Tätigkeit des Sympathikus wird gesteigert.
In Muskeln und Gehirn werden dadurch Energien freigesetzt, und es erfolgt eine rasche Mobilmachung aller Körperreserven. Blutdruck, Puls und Atemfrequenz steigen dabei, Verdauungsfunktionen und andere, jetzt in höchster Alarmbereitschaft unnötige Funktionen, werden auf Reserve geschaltet. Diese Alarmreaktion des Körpers erfolgt innerhalb kürzester Zeit automatisch auf jede mögliche Gefährdung des Wohlergehens.
Halten die Anspannungen länger an, so wird die Alarmreaktion zum Dauerzustand. Nieren, Blutgefäße und Bindegewebe können in der Folge krankhaft verändert werden. Die von der Nebennierenrinde produzierten Kortisone beeinflussen das Immunsystem, sodass sich die Abwehrbereitschaft gegenüber Krankheiten verringern kann.
Den eigentlichen Stress lösen äußere Einflüsse aus. Sogenannte Stressoren können jedem begegnen – im Alltag ebenso wie in Ausnahmesituationen. Arbeitslosigkeit, Krankheit, der Tod eines Angehörigen, die Trennung vom Partner, Lärm und Hektik der Großstadt, Leistungsdruck – all dies sind Beispiele für Stressoren. Stressoren können sowohl körperliche Beanspruchungen sein als auch psychische. Meist handelt es sich um eine Kombination aus beiden.
Artikel druckenArtikel weiterempfehlenJeder Mensch hat seine besondere Stressanfälligkeit – beruhend auf seiner persönlichen Lebensgeschichte. Was den einen kalt lässt, versetzt den anderen in Unruhe und Anspannung. Die Stressanfälligkeit wird geringer bei einer zuversichtlichen Einstellung gegenüber neuen Belastungssituationen oder bei einem hohen Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit.
Die gefährliche Art von Stress entsteht, wenn Sie über Jahre hinweg ein hohes Maß an Anstrengung und Ehrgeiz aufbringen, letztlich aber immer unter dem Gefühl leiden, keinen wirklichen Erfolg zu haben. Andauernde Spannung aber überfordert Körper und Seele. Erste Anzeichen für krankmachenden Stress können nervöse Angewohnheiten wie Nägelkauen, Fußwippen, nächtliches Zähneknirschen, plötzliche Stimmungswechsel, Kopfschmerzen, Hautunreinheiten und Ausschläge, Verdauungs- und Schlafstörungen sein.
Verarbeiten Sie ein Zuviel an belastendem Stress nicht richtig, besteht die Möglichkeit, dass Sie sich einem erhöhten Krankheitsrisiko aussetzen. Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall oder ein Magengeschwür können die Folge sein.
Artikel druckenArtikel weiterempfehlenSo individuell wie die Wege in den Stress, sind auch die Wege aus dem Stress. Patentrezepte gibt es nicht. Es gibt allerdings bewährte Methoden, die auch Ihnen helfen können, sich ein eigenes Repertoire an Bewältigungsstrategien anzueignen. Grundsätzlich stehen Ihnen zwei Wege offen, um Ihrem individuellen Stressgefängnis zu entkommen.
Der erste und naheliegendste Schritt ist der Versuch, die äußeren, belastenden Einflüsse zu beseitigen oder wenigstens zu verändern. Das muss nicht gleich der Arbeitsplatzwechsel oder die Trennung vom Partner sein. Häufig hilft schon ein klärendes Gespräch, um bestehende Leistungsanforderungen oder als bedrückend empfundene Ansprüche zu relativieren oder ungerechtfertigte Kritik zurückzuweisen. Das setzt voraus, zunächst einmal Bilanz zu ziehen, um Ihre individuellen Stressoren herauszufinden. Sollten die äußeren Einflüsse sich aber diesen Veränderungen entziehen, so greift ein kluges Wort:
Wenn ich die Situation nicht ändern kann, so muss ich meine Einstellung zur Situation ändern.
Das können auch Sie erlernen, zum Beispiel durch Entspannungstechniken wie das Autogene Training. Dabei erlernen Sie eine Technik, die Sie in die Lage versetzt, sich in fast jeder Situation auf Ihren Befehl hin in einen Zustand der körperlichen und seelischen Entspannung zu versetzen.
Sie eröffnen sich durch diese Technik auch einen Weg, die Entstehung von Stress zu verhindern. Denn wenn Sie in der Lage sind, Stressreaktionen zu dämpfen und negative Spannungen abzubauen, so werden Sie auch freier in Ihren Möglichkeiten, für Sie angemessen zu reagieren. Sie werden nicht nur entspannter, sondern auch mit sich selbst zufriedener. Mit einer solchen Methode kommen Sie an die Wurzeln des Übels: Sie werden sensibel für Ihre Stressoren und erkennen frühzeitig stressauslösende Situationen.
Drogen sind ein populäres, aber kein geeignetes Mittel zur Stressbekämpfung, sei es der Feierabendschluck oder die kleine Pille zur Beruhigung. Damit gehen Sie nicht nur Scheinlösungen ein, sondern Sie können sich in neue bedrohliche Situationen bringen. Denn regelmäßiger Konsum macht abhängig.
Verzichten Sie deshalb auf diese „Krücken“ und wählen Sie Methoden, mit denen Sie dem Stress tatsächlich begegnen können. Bei der Auswahl der für Sie geeigneten Entspannungsmethode hilft Ihnen Ihr Arzt, der häufig selbst solche Techniken vermitteln kann oder aber weiß, wo sie zu erlernen sind.
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